Digitec-Galaxus hat von Datenleck profitiert

Obwohl das Malheur den Umsatz wahrscheinlich gesteigert hat, überlegt man sich nun Massnahmen, um ähnliche Lecks in Zukunft zu verhindern.
 
Am vergangenen Freitag gab es beim Onlinehändler Digitec-Galaxus ein Missgeschick. Plötzlich kursierte eine Liste mit seinen Sonderangeboten für den Black Friday und den Cyber Monday im Internet. Auch in den WhatsApp-Gruppen vieler Mitarbeiter tauchte die Liste auf. Wie Galaxus erklärt, scheint ein Mitarbeiter die vertrauliche Liste in seinem privaten Umfeld geteilt zu haben. Danach verbreitete sich das Dokument, das Preise, Rabatte und interne Kommentare auch über Konkurrenten enthielt, wie ein Lauffeuer und war beispielsweise auch via Twitter einsehbar.
 
Noch sei nicht entschieden, ob und was man angesichts dieser Situation unternehmen werde, sagt Pressesprecher Alex Hämmerli auf Anfrage. Man gehe derzeit davon aus, dass es nicht möglich ist, zu klären, wer das Leck verursacht habe. Und "wir werden nicht nach dem Verursacher suchen", fügt er an.
 
Insgesamt habe man "wahrscheinlich" vom Bekanntwerden der leicht veralteten Datenbestände profitiert, so Hämmerli weiter. Am letzten Freitag habe man den Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 32 Prozent erhöhen können und am heutigen Montag lag der Umsatz um 13 Uhr schon 90 Prozent über dem des letzten Jahres.
 
Die Frage, ob das Leck gerade deshalb eine Inszenierung des Hauses gewesen sei, beantwortet Hämmerli aber klar und deutlich mit "nein", es handelte sich nicht um eine Marketing-Aktion, betont Hämmerli.
 
Vielmehr stehe man angesichts des Vorfalls vor der Frage, ob die intern gepflegte Transparenz- und Vertrauenskultur angepasst werden müsse. Denn da die Dokumente via Google-Docs geteilt worden sind, habe man sie relativ einfach öffentlich machen können. Nun werde zu überlegen sein, ob man künftig Tools verwendet, die das Teilen von Dokumenten nicht so einfachen machen.
 
Die Liste, die fleissig kommentiert und editiert gewesen war, habe wohl "einen ungewohnt tiefen Einblick in unser Schaffen" erlaubt, sagt der Unternehmenssprecher. Was den Usern zugutegekommen ist, sei für "Product Manager und Sourcer, die viel Schweiss und Energie in die Aktionstage gesteckt haben, natürlich weniger erfreulich". (vri)