IT-Lehrlinge ver­ursachen Nettokosten

Zu Beginn der Ausbildung sind Informatik-Lernende kaum produktiv. Mit einer Weiterbeschäftigung können Betriebe die Ausbildungskosten kompensieren, so eine Kosten-Nutzen-Erhebung.
 
Für die Mehrheit der Betreibe in der Schweiz lohne sich die Ausbildung von Lernenden. Der Nutzen übertreffe meist die Kosten, heisst es in einer Mitteilung des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung. Im Schnitt aller Unternehmen und über alle Lernberufe hinweg betrage der Nettonutzen über 3000 Franken pro Jahr. Über die gesamte Ausbildungsdauer betrage der Nutzen für die Unternehmen 10'000 Franken bei den zweijährigen EBA- und den dreijährigen EFZ-Ausbildungen und über 8000 Franken bei der vierjährigen EFZ-Ausbildung, so die Ergebnisse einer Kosten-Nutzen-Analyse.
 
Informatik-Lehrlinge sind teuer
Es zeigen sich aber grosse Unterschiede zwischen den Berufsgruppen, wie aus der Kosten-Nutzen-Erhebung des Schweizerischen Observatoriums für die Berufsbildung hervorgeht. Im Lehrberuf Informatiker/in EFZ fallen demnach durchschnittliche Betriebskosten von insgesamt 123'000 Franken für die Ausbildungsbetriebe an. Demgegenüber erbringen die Lernenden produktive Leistungen im Wert von etwa 101'000 Franken.
 
Die Bruttokosten steigen im Verlauf der Informatik-Lehre von 27'710 Franken im ersten auf über 33'000 Franken im vierten Lehrjahr. Und erst im vierten Jahr entstehe ein Nettonutzen für die Betriebe. Unter dem Strich entstehen für die Lehrbetriebe Bruttokosten von über 20'000 Franken für die vierjährige EFZ-Ausbildung eines Informatik-Lehrlings.
 
Der zu Beginn der Ausbildung grösste Kostenpunkt sind die Personalkosten. Dabei seien vor allem die Arbeitsstunden der Ausbildner massgeblich. Hinzu kommen die Lohnkosten der Lehrlinge sowie weitere Kosten für Material. Ebenfalls ins Gewicht fallen würden Kursbeiträge, die viele Betriebe für das Basislehrjahr bezahlen.
 
Wie es weiter heisst, verbringen die Informatiklernenden zu Beginn ihrer Ausbildung noch sehr viel Zeit im Betrieb mit Übungen und würden selten für produktive Tätigkeiten eingesetzt. Nach Einschätzung der befragten Betriebe erzielen die Lernenden bei produktiven Arbeiten im ersten Lehrjahr auch nur einen Leistungsgrad von 18 Prozent im Vergleich zu einer ausgebildeten Fachkraft. Dieser Anteil steige auf 28 Prozent im zweiten und auf 57 Prozent im dritten. Schliesslich liege er im vierten Lehrjahr bei 73 Prozent.
 
Weiterbeschäftigung lohnt sich
Die Rekrutierung eines ausgebildeten Informatikers kostet gemäss der Kosten-Nutzen-Erhebung 46'000 Franken. Dabei eingerechnet sind die Kosten für Auswahlverfahren sowie die Einarbeitung. Dies seien sehr hohe Kosten im Vergleich zu anderen Berufen. Durch die Weiterbeschäftigung von Lernenden, statt der Rekrutierung über den externen Arbeitsmarkt, könnten die Betriebe im Schnitt pro Lehrverhältnis rund 19'000 Franken an solchen Rekrutierungskosten einsparen. Damit wiederum würden die Nettokosten der Ausbildung eines Lehrlings gedeckt.
 
Die Ergebnisse basieren auf der Kosten-Nutzen-Erhebung des Schweizerischen Observatoriums für die Berufsbildung, die das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI in Auftrag gegeben hat. (kjo)