Rein in die Cloud, raus aus der Cloud

Aber dann wieder rein? Gemäss einer Studie scheinen Unternehmen weltweit dieses Jahr wieder vermehrt eigene RZs oder Private Clouds zu nutzen.
 
Das Marktforschungsunternehmen Vanson Bourne hat im Auftrag von Nutanix zum zweiten Mal IT-Entscheider in 24 Ländern auf allen Kontinenten nach ihrer Nutzung unterschiedlicher IT-Infrastrukturen befragt, von traditionellen Rechenzentren über Private Clouds bis zu Public Clouds. Das durchaus überraschende Ergebnis: Zum Zeitpunkt der aktuellen Umfrage Mitte 2019 scheinen die Befragten wieder vermehrt traditionelle Rechenzentren genutzt zu haben. Und zwar ganz entgegen der Mitte 2018 geäusserten Absichten. Damals ging knapp die Hälfte der Befragten davon aus, dass ihre Nutzung traditioneller RZ-Ressourcen 2019 zurückgehen werde, zugunsten von Public Cloud oder Multi Cloud. Stattdessen stieg der Anteil der RZ-Nutzer per Mitte 2019 um 12 Prozent, während der Anteil der Hybrid-Cloud-Nutzer um 5,4 und der der Multi-Cloud-Nutzer um 1,5 Prozent sank.
 
Unterschieden nach den Arten von Anwendungen scheinen insbesondere Business-Applikationen wie ERP und CRM (+20,5 Prozent), Datenbanken (+15,8 Prozent), virtualisierte Desktops und Apps (+14,7 Prozent), Analytics und BI (+13,5 Prozent) und Backup/Recovery-Lösungen (+11,1 Prozent) wieder zurück ins heimische Rechenzentrum geholt worden zu sein.
 
Insgesamt haben 73 Prozent der Unternehmen mindestens eine Applikation aus der Cloud zurück auf On-Premises-Infrastrukturen migriert.
 
Eine grundsätzliche Umkehrung des Trends hin zur vermehrten Nutzung von Cloud- oder Hybrid-Cloud-Infrastrukturen ist dies aber kaum. Wahrscheinlich handelt es sich eher um ein vorübergehendes Phänomen, wie auch die Studienautoren glauben. Der Grund könnte eine gewisse Desillusionierung sein, spekulieren sie. Die Flexibilität und Agilität, die Hybrid- oder Multi-Cloud-Strategien versprechen, seien heute immer noch erst im Entstehen begriffen. Und zudem fehle vielen Unternehmen das entsprechende Know-how: Rund ein Drittel der Unternehmen erklärte, sie hätten keine Hybrid-Cloud-Skills im eigenen Unternehmen.
 
Die Zukunft scheint hybrid
Laut weiteren Ergebnissen der Umfrage sehen sich die Beteiligten auf jeden Fall weiterhin grundsätzlich auf dem Marsch in die Cloud, mehrheitlich basierend auf einer Hybrid-Cloud-Infrastruktur. 73 Prozent der Befragten gab an, in den kommenden drei Jahren sowohl neue als auch bestehende Applikationen auf eine Public-Cloud-Plattform migrieren zu wollen.
 
Laut den Aussagen dürfte zudem der Anteil der Unternehmen, die gar keine Cloud-Ressourcen nutzen, in den beiden nächsten Jahren weiter drastisch sinken. Dieses Jahr sind es noch knapp ein Viertel. Im kommenden Jahr wird dieser Anteil laut der Prognose der Studienautoren auf 6,5 Prozent, im Jahr danach auf noch 3 Prozent fallen.
 
85 Prozent sehen in einer hybriden Cloud, also einer Mischung von Private- und Public-Cloud-Ressourcen, ihr bevorzugtes IT-Betriebsmodell. Unter anderem wohl genau darum, weil dieses Modell zumindest theoretisch eine einfache Rücknahme von Apps aus einer Public Cloud verspricht. Dies kann sowohl aus technischen als auch aus ökonomischen Gründen erfolgen.
 
Allerdings sind nur rund die Hälfte der Befragten überzeugt, dass ein hybrides Cloud-Modell alle ihre Bedürfnisse erfüllt. Und immerhin mehr als ein Drittel findet, dass sie eigentlich auch mit einem traditionellen RZ rundum zufrieden wären.
 
An der Umfrage zum Enterprise Cloud Index von Nutanix haben sich dieses Jahr 2650 IT-Entscheider aus Unternehmen aller Branchen und Grössenordnungen in 24 Ländern beteiligt. Darunter befanden sich auch 50 Befragte aus der Schweiz. (Hans Jörg Maron)