Hat das VBS bei der Entwicklung einer App abgekupfert?

Daniel Sulser, Inhaber des Schwyzer Startups Perform Fun, sieht sich hintergangen. Er erhebt happige Vorwürfe gegen die Schweizer Armeespitze und das VBS: "Irreführung, Spionage, Täuschung". Dies berichtet die 'Weltwoche'.
 
Sulser und seine Firma haben eine Coaching-App für ein individuelles Fitnesstraining entwickelt. Diese wollte er auch in Zusammenarbeit mit der Schweizer Armee ausrollen. Daraus wurde aber nichts. Stattdessen liessen die Armee und das Bundesamt für Sport (Baspo) eine eigene Lösung entwickeln, um angehende Rekruten mental und physisch auf die Aushebung und die RS vorzubereiten.
 
Dabei hatte 2015 laut 'Weltwoche' alles harmonisch begonnen: Sulser unterbreitete sein Konzept der Armee und dem Baspo. Von deren Seite sah man "allenfalls einen Bedarf". Und man stellte dem Startup-Gründer ein Pilotprojekt in Aussicht, nachdem dieser im November 2015 sein Konzept detailliert vorgestellt hatte.
 
Allerdings hatte Armasuisse damals den Auftrag für eine entsprechende App bereits vergeben. Im Oktober wurde ein Zuschlag an Crealogix, Apps with Love und FabWare für deren Realisierung erteilt. Die Firmen hatten Leistungen zwischen 1,5 und 2,9 Millionen Franken für den Gesamtauftrag inklusive Option für drei Jahre offeriert. Entwickelt wurde die Lösung schliesslich von Apps with Love, wie dem Twitteraccount der Berner Firma zu entnehmen ist.
 
Dennoch lud man Sulser ein, der von Ausschreibung und Zuschlägen laut eigenen Aussagen nichts wusste. Der Startup-Mann sieht darin eine Täuschung; einen Schachzug, um sein Produkt auszuspionieren. Denn nach einem Vergleich der VBS-App "ready – fit for #teamarmee" und seiner eigenen Lösung "Perform Fun" war für Sulser klar: Die Armee hat bei ihm abgeschaut.
 
Er hält gegenüber inside-it.ch fest, dass die App des VBS eine identische Struktur, samt Inhaltskonzept aufweise wie Perform Fun: Von der Themenauswahl über die Übungen bis hin zu Animationen, die man teilweise 1 zu 1 übernommen habe. "Wir waren 2015 absoluter Leader im Bereich", so Sulser. Und statt auf Perform Fun zu setzen, habe man das "Rad wiedererfinden lassen". Mit dem Wissen aus der Projektpräsentation, den Konzeptinformationen sowie mit den bereits seit 2016 veröffentlichten Apps, sagt Sulser.
 
Der Chef von Perform Fun liess dies nicht auf sich beruhen und gelangte an die Armeeführung. Diese wies seine Vorwürfe zurück: "Im Jahre 2015 bestand von Seiten der Armee noch kein Bedürfnis für eine sport- und rekrutierungsspezifische Applikation", zitiert die 'Weltwoche' aus einem Brief von Armeeausbildungschef Daniel Baumgartner an die Adresse von Sulser. In jenem Jahr hatte allerdings ein Armee-Vertreter gegenüber dem Startup-Gründer anderes gesagt. Zudem war 2015 der Zuschlag an die drei App-Entwickler ergangen.
 
Sulser hakte mehrmals nach. Stand der Dinge: Bundesrätin Viola Amherd äusserte sich im August 2019 mit Bezug auf einen Brief aus den Federn des Armeechefs und des Baspo-Direktors abschliessend: "Ich habe die Angelegenheit durch mein Generalsekretariat prüfen lassen und kann Ihnen mitteilen, dass ich unserem Schreiben vom 14. Juni nichts hinzuzufügen habe", zitiert die 'Weltwoche' daraus.
 
Sulser sieht sich nach wie vor hintergangen. Klagen will er derweil voraussichtlich nicht. Er könne sich einen langwierigen Rechtsstreit gegen diesen übermächtigen Gegner nicht leisten. Er hoffe aber nun auf Politik und Medien und dass das VBS vielleicht doch noch auf eine Zusammenarbeit setze, sagte er uns. (ts)