Soreco bricht mit einer Lohnsoftware in die Cloud-Welt auf

Soreco-Geschäftsführer Claude Sieber (oben) und Leiter Verkauf & Marketing Walter Wyss.
Soreco setzt auf den "Motor" der Lohn­buchhaltung von Klara. Dort trifft das Schweizer Softwarehaus auf die alte Bekannte Axon.
 
Vor etwas über drei Jahren übernahmen die beiden Soreco-Veteranen Claude Sieber und Walter Wyss in einem Management-buy-out das Softwarehaus Soreco. Dies nachdem die Traditionsfirma vom Besitzer Axon Active filetiert worden war: Der HR-Geschäftsbereich wurde an die deutsche P&I verkauft, das Business Process Management an Axon Ivy veräussert. Heute informierte Soreco-Geschäftsführer Sieber zusammen mit Marketing- und Verkaufsleiter Wyss über die Strategie und ein neues Produkt.
 
Das neue Produkt heisst Soreco.Payroll und ist eine Cloud-Lösung für das Lohnwesen. Eine Lohnbuchhaltung gab es eigentlich auch aus dem "alten" Soreco-Haus und zwar in jenem Teil der an P&I gegangen war. Offenbar hatte die deutsche Firma aber vor allem Kunden gekauft, die man perspektivisch in die eigene Welt holen will, so zumindest konnte man Aussagen der beiden Soreco-Manager deuten. Deshalb musste sich Soreco nach neuen Partnern umsehen und führte viele Gespräche – ohne einen passenden Gegenpart zu finden.
 
Heute gaben Sieber und Wyss bekannt: Die neue Cloud-Lösung basiert auf Klara. "Klara ist der Motor unserer Lösung", so Sieber. Aber man habe diverse Funktionalitäten angebaut und richte sich damit ganz im Gegensatz zu Klara weiterhin an mittlere und grosse Firmen. Das sei eine Win-Win-Situation, unterstrich Sieber. Soreco.Payroll könne man auch über den Widget-Store von Klara beziehen, zugleich bringe man viele Leute über die eigene Lösung in den Store.
 
Mit 1,5 Millionen Franken und alten Bekannten
Lanciert wurde Klara 2016 von der Axon-Gruppe sowie von Investoren. Von jener Axon, die Soreco 2011 übernommen und vier Jahre später filetiert hatte. Der Klara-CEO Renato Stalder war von von 2003 bis 2014 CEO von Soreco und wechselte dann zu Axon Ivy. Man kannte sich also. Es habe bereits eine funktionierende Partnerschaft gegeben, erklärte Soreco-CEO Sieber.
 
Beteiligt ist die heutige Schweizer Soreco an Klara nicht. Man habe sich aber vertraglich abgesichert. So sei das Recht auf den Betrieb der notwendigen Software-Teile von Klara gesichert worden, auch falls sich die Verhältnisse ändern, versicherte Sieber.
 
1,5 Millionen Franken hat das rund 30-köpfige Unternehmen in die bislang einjährige Entwicklung von Soreco.Payroll gesteckt. Mittlerweile stehen drei Bestandskunden in den Startlöchern, um die Lösung in Betrieb zu nehmen, wenn sie im Januar produktiv geht.
 
Weitere Firmen hätten bereits den Vertrag unterzeichnet, davon zählten zwei mehr als tausend Mitarbeiter, unterstrich GL-Mitglied Walter Wyss. Er rechnet künftig mit acht bis zehn Projekten pro Jahr. Sieber pflichtete im bei und ergänzte, dass man bei Soreco im Bereich Lohnwesen mehr Potential sehe als im klassischen Fibu-Bereich.
 
Und man will auch Richtung Cloud: So ist Soreco.Payroll eine Cloud-Lösung und im Service-Modell zu beziehen. "Wir waren überrascht, wie positiv die Rückmeldungen zum Cloud-Ansatz von Seiten unserer Kunden waren", so Sieber. Gehalten würden die Daten ausschliesslich in der Schweiz bei Exoscale.
 
Public Cloud, Privat Cloud aber auch On Premises
"Mit Soreco.Payroll stellen wir die Weichen für die weitere Unternehmensentwicklung", so Sieber. Dies vor allem in Hinblick auf den Vertrieb im Service-Modell. Die Zukunft kostet auch etwas: Vier Millionen Franken wurden seit dem MBO 2015 in die Entwicklung neuer Lösungen investiert, so der CEO.
 
Dazu zählt auch die vergleichsweise weniger gewichtige Spesen-App Xpenses, mit der sich von überall mobile und rein digital die Spesen erfassen und verwalten lassen. Damit streckt Soreco seine Fühler auch in die App-Welt aus. Expenses soll ab November im Apple App Store und bei Google Play erhältlich sein. Für die Spesen-Lösung zähle Soreco derzeit acht bis zehn Kunden, von denen einige über 100 Mitarbeiter beschäftigten, wie Wyss betont.
 
Noch vor etwas über drei Jahren hiess es aus dem Hause Soreco: "Wir werden analysieren, wie sich der Markt entwickelt und wie wir uns im Cloud-Markt positionieren wollen". Nun bestätigt Sieber auf Nachfrage, dass man sich bei Soreco auch intensiv Gedanken macht, die ganze Soreco.Line in die Cloud zu hieven. Eine Roadmap gebe es dafür aber derzeit nicht. Und klar sei, dass man zwar über Private und Public Cloud nachdenke, aber auch künftig auf Kundenwunsch On Premises ausliefern werde, versichert Sieber. (Thomas Schwendener)