Fachkräftemangel: Das tun Hersteller für ihre Partner

Wenn Channel-Partner neue Mitarbeiter suchen, leisten einzelne Hersteller konkrete Hilfe. Wir haben nachgefragt wie.
 
Der Fachkräftemangel macht nicht nur den Herstellern, sondern auch ihren Partnern im Channel zu schaffen. Welche Unterstützungsmöglichkeiten bestehen, ist kürzlich an den Job-Scouting Days vom Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zürich (AWA), dem kantonalen RAV und Microsoft illustriert worden. inside-channels.ch hat eine kleine Umfrage gestartet, um weitere Ansätze aufzuzeigen, mit denen Hersteller ihren Partnern helfen, neue Mitarbeitende zu finden. Konzerne wie Oracle und AWS machten keine Angaben, für andere scheint die Unterstützung des Channels bei der Mitarbeitersuche Neuland zu sein.
 
Nicht so hingegen bei Arrow. Die Aktivitäten des Distis, um Abhilfe beim Fachkräftemangel der Partner zu schaffen, sind auf der Webseite abrufbar. Derzeit würden mindestens 30 Prozent der Partner Fachkräfte suchen. Der Distributor hat für sie einen sogenannten Ressourcen-Service aufgeschaltet. Damit helfe man Partnern, fehlende Mitarbeiter temporär zu ersetzen. Deshalb habe man "eine Allianz mit einem international tätigen Personaldienstleister in den Bereichen IT und Engineering geschlossen", heisst es dort. "Mit uns finden sie qualifizierte Fachkräfte für ihre Projekte. Je nach Bedarf und Ihren Vorgaben stellen wir Ihnen passende Experten vor", so Arrow.
 
Netcloud – die Partnersicht
Der Systemintegrator Netcloud vermisst ähnliche Hilfestellungen. Dort arbeitet man unter anderem als Partner von Herstellern wie Cisco, NetApp und AWS. Patrick Hempele verantwortet Verkauf und Marketing in der Geschäftsleitung von Netcloud. Er erklärt, dass weder Cisco noch NetApp über Programme wie die Jobscouting Days für die Partner verfügen: "Aber die Idee wäre gut", wie er anfügt.
 
Zumindest Cisco fördere aber den Nachwuchs mit der eigenen Networking-Academy, so Hempele weiter. Was AWS diesbezüglich mache, könne er zwar nicht beurteilen. Doch Cisco bringe – wenn auch für den eigenen Bedarf – regelmässig neue Talente in die Schweiz. Das sei auch gut so, schiebt er nach. Man müsse aber wissen, dass sich Hersteller und Partner oft bei der Personalfrage und -suche stark unterscheiden.
 
Generell gilt, so der Netcloud-Mann: "Von den Herstellern erwarten wir attraktive Lösungen, ein spannendes, zukunftsgerichtetes Portfolio. Darauf aufbauend ist der Bedarf an professionellen Schulungen gross. Die Hersteller machen das sehr gut."
 
Schwer zu sagen sei hingegen, wie viele Stellen offen sind bei den Schweizer Partnern von Cisco, NetApp und AWS: "Wir sind auf der Suche nach Talenten in sämtlichen Bereichen dieser genannten Hersteller". Da Netcloud Managed-Services, Cloud und Cyber-Defence forciere, sei man in diesem Umfeld verstärkt auf der Suche nach Mitarbeitenden und "wir haben in diesem Jahr sehr viele Talente für uns gewinnen können", sagt Hempele.
 
Cisco
Bei Cisco Schweiz selbst bestätigt man, dass bei den Partnern der Fachkräftemangel real sei. Ein eigenes Programm, um Schweizer Partnern bei der Personalsuche zu unterstützen, existiere aber nicht. Hingegen setze man auf Schulungen für den IT-Nachwuchs, um die Attraktivität der IT-Berufe zu stärken. Mit der CyberSecurity-Academy habe Cisco ein Bildungsprogramm für ICT-Profis im Bereich Cybersecurity in der Schweiz gestartet. Sie dient auch als Vorbereitung zum Cybersecurity-Specialist mit eidgenössischem Fachausweis. Und die Inhalte der Cisco-Networking-Academy sind auch auf der Bildungsplattform educationdigital.ch zugänglich, betont man bei Cisco Schweiz.
 
Red Hat
Auch Léonard Bodmer, Schweiz-Chef von Red Hat, bestätigt, dass die Personalsuche für Red Hat und seine Partner eine Herausforderung ist. Eigene Job-Such-Aktionen für die Partnerlandschaft unterhalte man nicht. "Aber", unterstreicht Bodmer, "dank dem Umstand, dass Red Hat und auch die gesamte Open Source Community stetig neue Technologien entwickelt, sind neue Talente identifizierbar und nicht nur 'alte Hasen' werden angezogen". Ausserdem veranstalte man unregelmässig Webcasts, mit denen die gesamte Community adressiert werde, fügt er an.
 
HP
Bei HP teilt der für die DACH-Region zuständige Pressesprecher Heiko Witzke ebenfalls mit: "Bei der Personalsuche unterstützen wir unsere Partner nicht". Aufgrund "unserer Erfahrung ist dies auch nicht gewünscht", fügt er an: "Viele Partner würden dies als einen Eingriff in Ihre Entscheidungshoheit als eigenständiges Unternehmen sehen".
 
Witzke ergänzt allerdings, dass HP seine "Partner sehr intensiv bei der Mitarbeiterentwicklung" unterstützt. Gemeint seien aber nicht nur Produktschulungen, sondern auch "klassische Vertriebsschulungen, Webinaren und Treffen" sowie die HP-University mit einer Vielzahl weiterer Trainings. Wichtige Qualifizierungen könne man zu speziellen Vertriebsaufgaben wie dem Lösungsverkauf oder zu grundsätzlichen Themen wie Cyber-Sicherheit erwerben, verdeutlicht er die Bandbreite des Weiterbildungsangebots für Partner.

SAP
Beim Software-Riesen SAP betont man zunächst einmal, dass es "einen regen Austausch mit unseren Partnern zu offenen Positionen von beiden Seiten" gebe. Neben dem direkten Dialog biete man den Partnern auch die Gelegenheit, sich im Rahmen regelmässig stattfindender Networking-Veranstaltungen für externe Talente als SAP-Partner zu präsentieren. "Dies soll auch den Kandidaten ermöglichen, das Spektrum von hochqualifizierten Jobangeboten besser auszunutzen", sagt Simon Hammer, Leiter Mittelstand und Mitglied der Geschäftsleitung bei SAP (Schweiz).
 
Allerdings müsse man auch beachten, dass "nicht nur unsere Partner Bedarf an SAP-Fachkräften haben, sondern auch unsere Kunden in der Schweiz. Hier werden wir zukünftig ebenfalls verstärkt den Austausch suchen", Stephanie Freise, Leiterin Kommunikation bei SAP Schweiz. Auf die Frage nach der Anzahl offener Stellen bei den Schweizer Partnern, zögert man bei SAP: "Hier eine konkrete Zahl zu nennen ist schwierig. Wir schätzen aber aufgrund des Wachstums bei unseren Partnern, dass wir hier von mehreren Tausend Stellen sprechen, welche aktuell oder in naher Zukunft zu besetzten sind." (Volker Richert)