So hilft Microsoft seinen Partnern bei der Mitarbeiter­suche

Allein bei den Schweizer Microsoft-Partnern sind 15'000 Stellen offen. Einen Vorschlag zur Abhilfe haben die Walliseller von den Behörden übernommen.
 
Seit einem Jahr geht Microsoft Schweiz im Rahmen sogenannter Job-Scouting Days neue Wege, um die Channel-Partner bei der Suche nach Mitarbeitern zu unterstützen. Die dritte solch Veranstaltung fand Ende September statt. Organisiert wurde sie einmal mehr zusammen mit dem Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zürich (AWA) und dem kantonalen RAV. Die Behörden setzen das Konzept seit Jahren schon in anderen Branchen ein.
 
Wie akut der Personalmangel ist, muss hier kaum erklärt werden. Laut Microsoft sind im hiesigen Partner-Ökosystem über 15'000 Stellen offen. Marianne Janik, CEO von Microsoft Schweiz, spricht von einem Problem, "das uns alle betrifft" und deshalb gemeinsam mit den Partnern anzupacken sei. Sie spielt damit auf die Prognosen von ICT-Berufsbildung Schweiz an, wonach 2026 in der ganzen Schweiz rund 40'000 ICT-Fachkräfte fehlen werden. Und Janik mahnt vor den Folgen, da fehlende Fachkräfte den digitalen Wandel und damit das Wachstum der Schweizer Wirtschaft bremsen würden.
 
Am letzten Job-Scouting Day waren 83 Stellensuchende und Vertreter von 17 Partnern von Allgeier und der Ambit Group über BaseVision bis hin zu Netrics, Vision-Inside und UMB in Wallisellen vertreten. Partner und Veranstalter zeigten sich auf Anfrage von inside-channels.ch zufrieden. Roland Wörndle, Lead Talent Acquisition der Zürcher Software-Schmiede Elca Informatik, war das zweite Mal vor Ort. Er lobt das professionelle Vorgehen.

Vorab habe man beim RAV in Oerlikon die Dossiers möglicher künftiger Mitarbeiter anschauen können und Empfehlungen abgegeben. Das RAV habe dann die vorselektionierten Aspiranten zu der Veranstaltung aufgeboten. Dort sei man in einem zwanzigminütigen Gespräch in Kontakt mit den Kandidaten gekommen. Ausserdem habe man auch mit Kandidaten sprechen können, die von anderen Unternehmen ausgewählt worden seien. Insgesamt, so Wörndle, eine sehr gute Erfahrung, die sich für Elca gelohnt habe. Man habe "eine kompetente Frau gefunden". Auch bei der ersten Teilnahme habe man jemanden für das Unternehmen gewinnen können.
 
Neu war an der Veranstaltung in Wallisellen diesmal, dass auch die Stellensuchenden im Voraus ein Onlinetraining absolvierten, das Microsoft anbot. Sie konnten sich also vor dem eigentlichen Event spezifische Kenntnisse zu Microsoft-Produkten aneignen.
 
Mit an Bord der Bemühungen um neue Mitarbeiter ist Digicomp als Schulungspartner für die Entwicklung digitaler Kompetenzen. Dort können die vermittelten Kandidaten eine Weiterbildung auf ihrem Fachgebiet absolvieren, erklärt man bei der hiesigen Dependance des Software-Riesen.
 
Für RAV-Berater Renato Moretti ist der letzte Job-Scouting Day bereits wieder ein Erfolg, konnte er doch schon drei feste Anstellungen von Teilnehmern verzeichnen. Dabei habe die Auswertung der Veranstaltung noch gar nicht stattgefunden, wie er anfügt. Erst in diesen Tagen stünden die Nachfragen bei den Microsoft-Partnern an. Der RAV-Mann erwartet denn auch weitere Festanstellungen. Durchschnittlich seien an den vorgängigen zwei Job-Scouting Days rund die Hälfte der beteiligten Stellensuchenden zu einem Vorstellungsgespräch oder einem Probetag eingeladen worden.

Für Moretti ist klar, dass sich das Konzept, dass man in anderen Branchen schon seit einigen Jahre verfolge, inzwischen auch in der IT-Branche bewährt habe. Die Zusammenarbeit mit Microsoft werde "unbedingt weitergeführt" und im nächsten Frühling gehe der vierte Job-Scouting Day über die Bühne. (Volker Richert)