Nach dem langen Streit: Auch Rapperswil, Gossau und Wil wählen Abacus

"Die externen Kosten haben wir vielleicht in acht Jahren wieder drin."
 
Abraxas Informatik und Abacus Research können heute gemeinsam einen Erfolg bekannt geben: Gossau, Rapperswil-Jona und Wil werden in Zukunft die Personal- und Finanzlösung von Abacus Research einsetzen. Die drei Gemeinden haben sich nach einer öffentlichen Ausschreibung für Offerten von Abraxas Informatik zur Implementierung und dem Betrieb der Abacus-Lösung entschieden.
 
Die drei Gemeinden aus dem Kanton St.Gallen hatten ihre jeweiligen Beschaffungsprojekte im Mai einzeln öffentlich ausgeschrieben, aber dabei zusammengearbeitet. Nun merken sie in einer eigenen Mitteilung an, dass sich die Zusammenarbeit als "sehr positiv" herausgestellt habe. Deshalb wollen sie die Zusammenarbeit auch bei der Umsetzung der beiden IT-Projekte fortsetzen.
 
Abraxas und Abacus hatten sich im Juli bereits in einer entsprechenden Ausschreibung der Stadt St.Gallen durchgesetzt.
 
Langer Konflikt
Dieser Ausschreibung voraus ging ein sehr langer Konflikt zwischen Abacus, der Verwaltungsrechenzentrum AG St.Gallen (VRSG) sowie den vielen St.Galler Gemeinden, denen die VRSG gehörte. Eine Kürzest-Fassung: Anfang 2014 protestierte der Abacus-CEO Claudio Hintermann mit scharfen Worten gegen die Beschaffungspraktiken der VRSG. Den Worten folgten Taten und Abacus ging ab Mitte 2015 gerichtlich gegen die St.Galler Gemeinden vor, welche die VRSG-Lösung ohne Ausschreibung beschaffen wollten. Seit Mitte des letzten Jahres ist die VRSG ein Teil von Abraxas. Und kurz darauf folgte eine Einigung im Beschaffungsstreit zwischen Abacus und den Gemeinden.
 
Moralische Genugtuung ja, aber auch finanziell lohnend?
Abacus hatte sich unter anderem für ein hartes Vorgehen entschieden, weil es der Geschäftsleitung sauer aufstiess, dass man aufgrund der Vergabepraktiken im eigenen Heimatkanton keine Chance auf Gemeindeaufträge hatte.
 
Nun ist die Genugtuung über die Entscheidungen der drei Städte und zuvor der Stadt St.Gallen bei Abacus entsprechend gross, wie uns Geschäftsleitungsmitglied Daniel Senn bestätigte. "Ja, das ist wirklich eine Genugtuung. Es zeigt uns einerseits, dass wir alles richtig gemacht haben. Und es zeigt auch, dass unsere Software in einer richtigen Ausschreibung eben konkurrenzfähig ist." Gleichzeitig, so Senn gegenüber inside-channels.ch, beweise dies auch, dass es eben früher wirklich falsch war, dass Abacus der VRSG keine Offerten einreichen durfte.
 
Aber hat sich die Sache auch finanziell gelohnt? Schliesslich musste Abacus für Anwälte und anderes sicher viel Geld ausgeben. Daniel Senn reagiert mit einem hörbaren Schmunzeln auf unsere entsprechende Frage. "Mit dem, was wir durch die vier Städte jetzt zusätzlich einnehmen, haben wir die externen Kosten in vielleicht acht Jahren wieder drin." Und Claudio Hintermann, der bei unserem Telefongespräch nicht weit entfernt sass, wirft im Hintergrund ein: "Hoffentlich!"
 
Abraxas hatte übrigens neben der Offerte für die Einführung und den Betrieb der Abacus-Lösung auch einsprechende Offerte für die von der VRSG stammende, auf Microsoft Navision basierende Lösung eingereicht, wie uns Mediensprecher Gregor Patorski bestätigte. Dazu kamen zwei weitere Offerten von zwei weiteren Unternehmen. Zur Höhe der engereichten Offerten können wir noch nichts sagen, weil die Zuschläge noch nicht auf Simap.ch zugänglich sind. (Hans Jörg Maron)
 
(Interessenbindung: Abacus ist ein wichtiger Werbekunde von inside-channels.ch und inside-it.ch.)