SBB verliert externe Nutzer des Glasfaser­netzes

Mit 9000 Kilometern ist das Glasfasernetz der SBB eines der grössten in der Schweiz. Restkapazitäten werden an externe Kunden vermietet.
 
Wer bei den SBB nach dem aktuellen Stand der externen Nutzung des Glasfasernetzes entlang der Bahngleise fragt, muss sich mit der Antwort begnügen, dass über konkrete Kundenverträge keine Auskunft gegeben werden könne. Zwar ergeben sich aufgrund "der normierten Kabeldimensionen Restkapazitäten von freien Glasfasern, die – als Beitrag zur Finanzierung der Bahninfrastruktur – an externe Partner vermietet werden", wie Oli Dischoe, Sprecher des Bundesbetriebs, erklärt. Doch wie hoch dieser Beitrag zur Finanzierung der Bahninfrastruktur ausfällt, will man bei den SBB nicht bekanntgeben.
 
Vielmehr betont Dischoe, die "primäre Nutzung des Glasfasernetzwerkes erfolgt für die Bahn- und eigene Geschäftskommunikation sowie für die Bahnstromsteuerung." Die verfügbaren Restkapazitäten seien schweizweit unterschiedlich, fügt er an, und würden jeweils im Rahmen von Einzelprojekten individuell abgeklärt. Das werde auch in Zukunft so bleiben.
 
"Keine Frage der Kostendeckung"
Das heutige Glasfasernetz der SBB ist gemäss Unternehmensangaben über 9000 Kilometer lang. Zu den Kosten mache man keine Angaben. Und auch zu Markt, Kunden oder der Anzahl der Mitarbeiter der SBB-Abteilung Infrastruktur Telecom will das Unternehmen keine Details nennen.
 
Erste Glasfaserkabel seien in den 1990er-Jahren verlegt worden, wobei die Investitionen im Rahmen von Bahn- und Kapazitätsausbauten getätigt worden seien. Dabei sei man nicht in eine Vorleistung gegangen, wird betont, sondern wolle vielmehr vorhandene Restkapazitäten vermieten. "Sämtliche Leistungen für Drittkunden werden durch die Kunden im Rahmen der geschlossenen Verträge ohne Belastung von Bundesgeldern abgegolten", so Dischoe.
 
Die Frage der Kostendeckung stelle sich nicht, fügt das Unternehmen an. Denn das Glasfasernetz sei ein integraler Teil der Bahninfrastruktur und für einen sicheren und zuverlässigen Bahnbetrieb notwendig und entsprechend dimensioniert.
 
Glasfaser-Kunden verloren
Aus der Branche ist zu hören, dass die Nutzung für Dritte zu teuer sei. Als Nachteil wird zudem angemerkt, dass die SBB-Glasfaser in den Bahnhöfen endet. Von dort ab müsse man sie dann aber mit weiteren Partnern an die benötigten Orte bringen.
 
Auffällig in dieser Sache ist allerdings, dass kaum jemand in der Branche seinen Namen in den Medien lesen will. Immerhin berichtet Fredy Künzler, CEO von Init7, von seinen langezurückliegenden Erfahrungen mit den SBB: "Als Init7 vor über zehn Jahren bei den SBB nachfragte, wurde uns in einem persönlichen Gespräch beschieden, dass man an solchen 'Kleinkunden' kein Interesse habe." Und er fügt an, dass Init7 heute Darkfiber für mehr als eine Millionen Franken pro Jahr von verschiedenen Lieferanten miete, "jedoch nicht von der SBB".
 
Seit Mitte September ist bekannt, dass der Konkurs von Datahub Networks eröffnet wurde. Der 2016 für zehn Jahre mit gleichlanger Verlängerungsoption geschlossene Vertrag der Firma mit den SBB dürfte damit hinfällig geworden sein. Hinzu kommt der Ausstieg von Hiag Data aus dem Cloud-Business. Damit verlieren die SBB zwei externe Kunden. Insidern zufolge habe auch der Service-Provider Colt seine Kapazitäten auf dem SBB-Netz deutlich reduziert.

Zudem steht der Merger von Sunrise und UPC an, die beide SBB-Kunden sind. Es kann davon ausgegangen werden, dass auch im Bereich Glasfasernutzung Synergien ausgeschöpft werden können. Angekündigt hat Sunrise jedenfalls, man erwarte, über alle Bereiche hinweg jährlich 280 Millionen Franken einsparen zu können. (Volker Richert)