Amazon sagt Oracle nicht leise "Adieu", sondern mit knallenden Korken

75 Petabyte habe man an Daten migriert, feiert sich Amazon selbst.
 
"Amazons Kunden-Business hat gerade seine letzte Oracle-Datenbank deaktiviert", meldet ein AWS-Evangelist per Blogpost. Der Konzern publizierte gar ein Video der Aktion und dem offenbar unausweichlichen Champagner.
 
Die Migration an sich ist seit einiger Zeit bekannt, da sie mehrere Jahre dauerte und 75 Petabyte an internen Daten umfasste, die in fast 7'500 Oracle-Datenbanken gespeichert waren. Involviert waren über 100 AWS-Teams von Produkten wie Alexa oder Kindle.
 
"Im Laufe der Jahre stellten wir fest, dass wir zu viel Zeit mit der Verwaltung und Skalierung von Tausenden von Oracle-Legacy-Datenbanken verbringen", so eine Begründung für den Schritt. In Bullet-Points rechnet der AWS-Evangelist vor, dass man auch viele US-Dollar spare. Allein 60 Prozent der früheren Datenbankkosten würden wegfallen, trotz der Oracle-Sonderkonditionen, die man gehabt habe.
 
Glaubt man Oracle-Gründer Ellison, konnte sein Datenbank-Konzern jährlich 200 Millionen Dollar bei AWS fakturieren.
 
Ebenso im hohen zweistelligen Prozentbereich seien die Latenz von Consumer-Applikationen und der Admin-Overhead reduziert worden, so der Blogpost von AWS.
 
Konkretere oder gar mit Oracle-Aussagen vergleichbare Anhaltspunkte zu Cores, Lizenzfragen, Geld, Zeit und Herausforderungen gibt es im Blogpost keine. Zu den üblichen Schwierigkeiten wie "Refactor" oder "Replace" etcetera schweigt der Konzern.
 
Nur am Rande sei man an die eigenen Grenzen gestossen: Nicht migriert wurden nämliche einige Applikationen von Dritten, welche "zu eng" an Oracle gebunden seien, heisst es zu den Herausforderungen.
 
Im November 2018 hatte Andy Jassy, CEO von AWS, deklariert, dass AWS sein letztes Oracle Data Warehouse zu Beginn des Monats abgeschaltet hatte. Bis Ende 2018, so hatte AWS vorgerechnet, würden 88 Prozent der Oracle-Datenbanken und 97 Prozent der kritischen Datenbanken auf die hauseigenen Produkte Aurora und Dynamo DB migriert.
 
Im Kontext von Oracles Q2-Zahlen 2018 hatte Gründer Larry Ellison zur Kundenabwanderung laut 'CNBC' gesagt: "Lass mich sagen, wer nicht von Oracle wegzieht. Ein Unternehmen, von dem Sie gehört haben, hat uns in diesem Quartal weitere 50 Millionen Dollar gegeben, um Oracle-Datenbank- und andere Oracle-Technologien zu kaufen. Diese Firma ist Amazon." Zu diesem Zeitpunkt war Amazon, seit der Gründung ein Oracle-Kunde, allerdings mit der Migration beschäftigt.
 
Nun ist man sogar vor dem angekündigten Termin – erstes Quartal 2020 – fertigeworden. (mag)