HP streicht bis zu 9000 Stellen

Der US-Konzern kündigt eine Reorganisation an. In den nächsten drei Jahren baut HP bis zu 16 Prozent der Stellen ab.
 
HP kündigt an, in den nächsten drei Jahren weltweit zwischen 7000 und 9000 Stellen abzubauen. Dies soll durch Entlassungen, freiwillige Kündigungen und Frühpensionierungen geschehen. Ende 2018 beschäftigt der Konzern rund 55'000 Mitarbeitende weltweit. Damit streicht der US-Hersteller rund 16 Prozent aller Stellen.
 
Die Kosten für die Umstrukturierung belaufen sich auf etwa eine Milliarde Dollar, wie aus einer knappen Mitteilung hervorgeht. Per Ende des Geschäftsjahres 2022 erhofft sich HP Einsparungen von einer Milliarde Dollar.
 
Wie sich diese Ankündigung auf die Schweiz auswirkt, ist derzeit noch unklar. Zu den einzelnen Landesgesellschaften könne man zum jetzigen Zeitpunkt keine Auskunft geben, so Heiko Witzke, HP-Unternehmenssprecher für die DACH-Region, auf Anfrage von inside-channels.ch.
 
"Ein Grossteil der Einsparungen wird bei den Corporate Functions und im Back-Office-Bereich anfallen", sagt CFO Steve Fieler im Interview mit dem 'Wall Street Journal'. Aus der Schweizer Channel-Szene ist zu hören, dass auf die hiesige Verkaufsorganisation keine Änderungen zukommen sollen und auch Managing Director Adrian Müller bleibe an Bord.
 
"Wir sehen erhebliche Chancen, um Shareholder Value zu schaffen, und wir werden dies erreichen, indem wir unsere Führung weiterentwickeln, Branchen disruptieren und die Art und Weise, wie wir arbeiten, aggressiv verändern", wird der abtretende CEO Dion Weisler zitiert.
 
Neues Vertriebsmodell für Printer und Tinte
HP bekam in den vergangenen Quartalen den Rückgang im Printing-Supply-Geschäft – lange eine Cashcow – zu spüren. Um das Wachstum wieder anzutreiben, plane HP neue Wege, die Produkte zu verkaufen, so das Unternehmen während einer Pressekonferenz. Ausserdem wolle der Konzern mehr Services bieten, wobei dies nicht näher ausgeführt wird, schreibt das 'Wall Street Journal'.
 
In der Vergangenheit verkaufte HP die Drucker relativ günstig und verdiente dann gutes Geld mit Tintenpatronen. "Dieses Modell war sinnvoll, als es darum ging, mehr Privatnutzer zu gewinnen", wird der derzeitige Printing-Chef und zukünftige CEO Enrique Lores zitiert. Aber die Gewohnheiten hätten sich verändert. Kunden würden ihre Tintenpatronen vermehrt von günstigeren Anbietern kaufen und hätten insgesamt weniger Bedarf. Als "schmelzenden Eiswürfel" bezeichneten Analysten das Business vor wenigen Tagen, wie 'Bloomberg' schreibt.
 
Deshalb plane HP das Vertriebsmodell zu ändern. Man werde Kunden weiterhin die Möglichkeit bieten, vergünstigte Drucker zu kaufen. Dann sollen sie aber daran gebunden sein, Tinte von HP zu kaufen. Das sei nicht anders als Smartphones, die an einen bestimmten Anbieter "gebunden" seien. Kunden können sich aber auch für den Kauf von Druckern zu einem höheren Preis entscheiden, der es ihnen ermöglichen würde, Tintenpatronen von Drittanbietern zu verwenden, so Lores gemäss 'Wall Street Journal'.
 
HP wolle ausserdem damit beginnen, die Basistechnologie des Ink Jet Printings zu verkaufen, unter anderem an die Gesundheits- und Kosmetikindustrie, heisst es weiter.
 
Führungswechsel steht bevor
Der Schritt erfolgt, während HP sich auf den ersten Führungswechsel seit dem Split von HPE vorbereitet. Im August teilte HP mit, dass Weisler seinen CEO-Posten im November räumen wird. Ebenfalls im August gab HP auch eine neue Vertriebsstruktur bekannt: Das Unternehmen soll künftig nicht mehr in drei Regionen organisiert sein, sondern zehn geographische Märkte bearbeiten, die jeweils von neu ernannten Geschäftsführern verantwortet werden sollen.
 
HP nähert sich gerade erst einem Ende 2016 angekündigten Restrukturierungsprogramms, das bis zu 5000 Arbeitsplätze beseitigen könnte. (kjo)