Microsoft wagt sich zurück in den Smartphone-Markt

Mit einem aufklappbaren Android-Gerät wollen die Redmonder wieder im Smartphone-Geschäft mitmischen.
 
Drei Jahre nach dem Rückzug aus dem Smartphone-Geschäft kündigt Microsoft die Rückkehr an. An einer Veranstaltung in New York präsentierten die Redmonder das "Surface Duo", ein Dual-Screen-Gerät, das zur Weihnachtssaison 2020 auf den Markt kommen soll, wie verschiedene Medien von der Veranstaltung berichten.
 
Das Gerät soll sich dabei stark von klassischen Smartphones abheben: Es ist ausgestattet mit zwei je 5,6-Zoll grossen Displays, die zu einem grossen Bildschirm aufgeklappt werden können. Es handelt es sich also nicht um ein biegsames Gerät, wie bei Samsung oder Huawei. Diese Bildschirme können grosse Probleme bereiten – Samsung musste den Start seines Modells Galaxy Fold um Monate verschieben. Heute gab der südkoreanische Hersteller bekannt, das Galaxy Fold 5G am 18. Oktober in der Schweiz auf den Markt zu bringen.
 
Microsoft setzt für das Surface Duo auf klassische LCD-Displays mit Metallscharnieren und dünnem Rand. So soll der Eindruck einer einzigen grossen Arbeitsfläche vermittelt werden. Als Betriebssystem kommt Googles Android zum Einsatz, in einer nicht genauer spezifizierten "modifizierten Version". Allerdings, verspricht Microsofts Hardware-Chef Panos Panay, würden "alle Android-Apps" auf dem Gerät laufen.
 
Das Duo bekommt auch einen grossen Bruder, das Neo, mit zwei aufklappbaren 9-Zoll-Displays sowie dem neuen Windows 10X, das das Arbeiten mit zwei Bildschirmen optimieren soll. Angekündigt sind zudem kompatible Geräte mit Windows 10X auch von Herstellern wie Asus, Dell, HP oder Lenovo.
 
Ein teures Abenteuer
Microsoft verlor mit seinem 2010 lancierten eigenen mobilen Betriebssystem Windows Phone stetig Marktanteile an Android und iOS. Nokia schien der Retter, um Microsoft doch noch im Smartphone-Markt zu etablieren. Es folgte zunächst eine Partnerschaft, um Windows auf Nokia-Geräten zu platzieren. 2013 schliesslich boxte der abtretende CEO Steve Ballmer die 9,5 Milliarden schwere Übernahme von Nokia durch.
 
Die Akquisition wurde ein finanzielles Desaster in Milliardenhöhe, tausende Mitarbeiter verloren ihre Jobs, das Nokia-Investment wurde mit dem Ausstieg aus dem Smartphone-Markt vollkommen abgeschrieben.
 
Ein Gerät für den Business-Einsatz?
Kann es Microsoft nun gelingen, im Smartphone-Bereich Fuss zu fassen? Floppt das Surface Duo, wird es zumindest nicht so teuer wie der Nokia-Deal, aber es würde das Unternehmen trotzdem schmerzen. Ausserdem würde es an Nadellas Ruf als "Microsofts Turnaround King" nagen, wie 'Bloomberg' kommentiert.
 
Die aktuelle Produktpalette von Surface-Laptops und -Tablets richtet sich an das obere Ende des Marktes – Firmenanwender und Gadget-Enthusiasten. User könnten beim Surface Duo nahtlos zwischen geschäftlichen und privaten Aufgaben hin- und herwechseln, betonten Microsoft-Manager während der Präsentation gemäss Berichten. Ein Anwender könnte auf einem Bildschirm Videochatten während er auf der anderen Seite im Internet surft, wird der Hardware-Chef Panay zitiert. (Katharina Jochum, mit Material von Keystone/sda)