Infomaniak: "Wir wollen mit den US-Riesen konkurrieren"

Infomaniak hat Grosses vor: Das Genfer Hosting-Unternehmen will neue Märkte erschliessen und zugleich die US-Tech-Riesen konkurrieren, wie CEO Boris Siegenthaler zu 'Le Temps' sagte. Dazu werden zwei neue Rechenzentren gebaut. Ausserdem hat man in Genf einige neue Produkte in der Pipeline.
 
Im Oktober 2020 soll eine Bewilligung für ein drittes RZ im Kanton Genf beantragt werden. Zudem soll ein viertes entstehen, "wahrscheinlich an der Grenze zur deutschsprachigen Schweiz", hält Siegenthaler fest. Man nimmt aus Genf den deutschsprachigen Markt ins Visier.
 
Ganz neu ist das nicht: Im Winterthurer Technopark unterhält Infomaniak bereits ein Büro. Dass man den Deutschschweizer Markt aufmischen wolle, hatte der CEO bereits Ende 2017 gegenüber inside-channels.ch unterstrichen. Man plane nun zudem in den nächsten Monaten einen Hosting-Provider aus dem deutschsprachigen Raum zu übernehmen, so Siegenthaler zu 'Le Temps'.
 
Bislang stammen allerdings lediglich fünf Prozent der Kunden von Infomaniak aus der Deutschschweiz, während 90 Prozent aus der Westschweiz, Frankreich und Belgien ihre Leistungen beziehen.
 
Konkurrenz zu WeTransfer, Dropbox und Gmail
Neben ambitionierten Zielen im deutschsprachigen Raum soll auch Google und Co. die Stirn geboten werden. Die multinationalen Tech-Konzerne seien so mächtig wie Regierungen, sagt Siegenthaler, und er glaube, dass Kunden lokale Dienstleistungen nutzen wollten.
 
Dass die Hyperscaler ebenfalls RZ in der Schweiz errichtet haben, beunruhigt den Infomaniak-CEO nicht. Diese würden sich vor allem an Grossunternehmen richten, während seine Firme auf KMU abziele, mit denen letztes Jahr rund 70 Prozent des Umsatzes erzielt wurden.
 
Nachdem die Genfer Anfang dieses Jahres mit Swiss Transfer bereits eine kostenlose Konkurrenz zu WeTransfer und Co. auf den Markt gebracht hatten, will man nun eine Alternative zu Google Drive und Dropbox lancieren. Das wurde ebenfalls bereits Ende 2017 angekündigt, als das noch rund 80-köpfige Unternehmen rund 40 neue Entwickler zu diesem Zweck suchte.
 
Heute zählt Infomaniak rund 130 Angestellte. Diese arbeiten laut Siegenthaler auch an einem Konkurrenz-Produkt zu Gmail und Microsofts Outlook, das Anfang 2020 lanciert werden soll.
 
Erst Ende September hat Infomaniak in Genf ein neues Büro auf 1600 Quadratmetern eingeweiht. Nach eigenen Angaben hat man 2018 rund 20 Millionen Franken umgesetzt und etwa 90 Prozent des nicht bezifferten Gewinns in Forschung und Entwicklung investiert. (ts)