New Business: Hitachi Vantara und die grosse Welt von Big Data

Rafael Botor. Bild: ts
"Über ein Drittel des Umsatzes machen wir mit IoT, Analytics, Data Governance und Cloud-Services", sagt Rafael Botor, Chef von Hitachi Vantara Schweiz, im Gespräch.
 
"Der Betreiber eines Skigebiets will wissen, wie die Leute anreisen. Er will wissen, ob ein Kind oder ein Mensch mit Beeinträchtigung den Lift besteigt. Er will wissen, ob nach Betriebsschluss noch Leute auf der Piste sind. Die Besucher möchten Echtzeit-Infos über das Skigebiet. Und alles zusammen soll die Operationen effizienter machen." Das sagt Rafael Botor, CEO von Hitachi Vantara Schweiz, im Gespräch auf der inside-channels.ch-Redaktion.
 
Botor beschreibt damit ein reales Projekt seiner Firma. Und er verspricht: "Für all diese Cases bieten wir eine Lösung". Man habe dafür alle notwendigen Elemente im Haus: Von den Sensoren über die Analytics- aber auch Data-Governance-Lösungen bis hin zur Datenhaltung.
 
Der ehemalige IBM-Mann lenkt erst seit Februar 2019 die Geschicke der hiesigen Ländergesellschaft von Hitachi Vantara. Und auch sein Unternehmen ist jüngeren Datums. Im September 2017 wurde die Einheit aus Hitachis Storage-Tochter Hitachi Data Systems (HDS), den IoT-Spezialisten der Hitachi Insight Group und der Analytics-Tochter Pentaho geschaffen. In der Schweiz zählt das Unternehmen über 100 Angestellte an drei Standorten.
 
Ab 2020 soll auch Hitachi Consulting in Hitachi Vantara integriert werden. Davon verspricht sich der Mutterkonzern eine Beschleunigung des digitalen Business. Weiter äussert man sich zu Auswirkungen in der Schweiz seitens des Unternehmens nicht, da der Prozess noch ganz am Anfang stehe.
 
Druck im Storagegeschäft: "Wir sind einer der Leader"
Die Kombination der Geschäftseinheiten lässt schon erahnen, was auch Botor am Beispiel des Skigebiets illustriert: "Daten werden immer wichtiger". Mit dem Merger könne man nun die Anforderungen der Kunden in Sachen Daten-Business besser bearbeiten, sagt der Wirtschaftsingenieur, und relativiert zugleich ein wenig: "Wir sind in einer guten Transformation, aber das braucht natürlich auch Zeit".
 
Ganz ohne Druck wurden Merger und Transformation nicht angestossen: Der frühere Schweiz-Chef von Hitachi Vantara, Daniel Dalle Carbonare, erklärte letztes Jahr in einem Interview mit 'Moneycab', dass man mit den Storage-Systemen Marktführer sei, aber nur noch mit geringem Wachstum rechne.
 
Rafael Botor gibt sich bescheidener: "Wir sind einer der Leader für Storage-Systeme im High-End-Bereich", sagt er und betont, das Storage-Geschäft laufe nach wie vor gut. Aber man wolle sich eben von "Von Data Center Centric zu Data Centric" entwickeln.
 
Wo HDS Storage-Produkte insbesondere im High-End-Bereich lieferte, soll nun eine durchgängige Lösung für das Daten-Geschäft zur Verfügung gestellt werden: Storage, Anreicherung, Analyse und schliesslich – so lautet zumindest die Zielsetzung – Monetarisierung.
 
Zugleich betont Botor, dass für das Daten-Geschäft die Daten-Haltung überhaupt erst die Grundlage schaffe. Storage bleibe also auch unter diesem Aspekt das Rückgrat von Hitachi Vantara.
 
Cloud? "Das Potential für RZ-Optimierungen wird unterschätzt"
Zu Geschäftszahlen äussert sich der Manager nicht. Das einzige was ihm zu entlocken ist: Man mache bereits über einen Drittel des Umsatzes mit den neuen Themen, wozu Botor aber neben IoT, Data Governance und Analytics auch das Cloudgeschäft zählt.
 
Erst im letzten Oktober hat Hitachi Vantara die Akquisition von Rean Cloud, einem Spezialisten für die Migration von Applikationen in die Public Cloud, abgeschlossen. Man sieht hier Potential. So betont auch Botor, dass das Service- und Solutions-Geschäft "sehr stark" wachse, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Auch den Namen "eines globalen Kunden aus der Schweiz", den man kürzlich für einen weltweiten Storage-as-a-Service-Deal gewonnen habe, gibt er nicht preis.
 
Botor meldet aber auch Vorbehalte in Sachen Cloud-Euphorie an: Migration in die Public Cloud ohne differenzierte Strategie? Das sei keine gute Idee, stattdessen zahle sich eine hybride Strategie aus. Und man müsse sich immer den konkreten Usecase anschauen: "Wenn man eine High-End-Private-Cloud optimal auslastet sowie das Management und die Governance im Griff hat, kann sie auch günstiger sein, als eine Public Cloud", so Botor. Dies habe sein Unternehmen etwa kürzlich in einem Benchmark im Pharmasektor festgestellt.
 
"Ich bin auch der felsenfesten Überzeugung, dass die Strategie 'cloud-only' problematisch ist", so Botor weiter. Man unterschätze heutzutage oftmals das Potential für Optimierungen im eigenen Rechenzentrum. Die Lösung von Hitatch Vantara ist, wie man es häufig hört: Eine hybride Strategie.
 
Partner sind eine "Herzensangelegenheit"
Für deren Umsetzung braucht man kompetente Partner. Diese seien eine Angelegenheit des Herzens, sagt Botor. "Wir sind nur mit dem Wissen und den Kompetenzen der lokalen Partner erfolgreich". Einerseits wolle man die bestehenden Mitstreiter auf der "Reise" unterstützen und andererseits neue Partner gewinnen.
 
Besonders bei RZ-Themen hat Hitachi Vantara ein grosses Ökosystem. Dies bleibt laut dem Schweiz-Chef wichtig. "Ich habe die Ambition, die Partnerumsätze stärker wachsen zu lassen", so Botor. Die Zahlen zum Direkt- und Indirekt-Geschäft will man seitens Hitachi Vantara indes nicht nennen.
 
Das neue Geschäft erfordert aber auch neue Partner-Modelle. Botor versichert, dass das Channel-Programm von Hitachi Vantara für die neuen Services "enabled" sei.
 
Zudem würden nun auch andere Kategorien spannend und insbesondere Sektorenwissen wichtig. Neben den klassischen Integratoren sei das Komplett-Angebot etwa auch spannend für Facility-Manager oder Ingenieur-Dienstleister.
 
Hier kommen auch die Ressourcen und das Know-how des riesigen japanischen Mutterhauses Hitachi ins Spiel. Der Konzern setzte letztes Jahr im Bereich Elektronik, Infrastruktur und Maschinenbau rund 85 Milliarden Dollar um. Hitachi hat eigens eine Abteilung für die engere Zusammenarbeit der Units eingerichtet.
 
Davon sollen auch Hitachi Vantara und seine Partner profitieren, verspricht sich Botor. Die Firmenvision für das intelligente Skigebiet geht also weit über die Lösungen der Storage-Daten-Tochter hinaus und umfasst deren Kombination mit dem breiten Portfolio von Hitachi. (Thomas Schwendener)