UNO warnt vor tiefer digitaler Kluft und "aggressiven" Tech-Giganten

Die globalen Unterseekabel. Grafik: UNCTAD
Ein Bericht zeigt die Verteilung der digitalen Kräfte auf dem Planeten. Die Schweiz spielt laut UNO in zwei Bereichen vorne mit.
 
Kürzlich ging in Genf die UNO-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) über die Bühne. In deren Rahmen wurde erstmals ein Bericht zur digitalen Ökonomie veröffentlicht. Dieser zeigt eine tiefe Kluft zwischen den Ländern und Regionen.
 
"Wir müssen zusammenarbeiten, um die digitale Kluft zu schliessen", sagte Uno-Generalsekretär António Guterres. Mehr als die halbe Welt habe keinen oder nur begrenzten Zugang zum Internet. Wenn es so weitergehe wie bisher, werde dies zu weiterwachsender Ungleichheit beitragen.
 
Sollte aber eine Lösung gefunden werden, sieht die UNCTAD grosses Potential in der Digitalisierung. So sollen in der etwas breiter gefassten Definition bereits über 15 Prozent des Welt-BIP in der digitalen Ökonomie geschaffen werden.
 
Die USA und China sprinten davon
Die zunehmende Bedeutung des Digitalen illustriert die UNO-Konferenz am Datenverkehr: Über das IP seien 1992 etwa 100 GB pro Tag gemessen worden, 2017 sei dieser Verkehr dann auf über 46'000 GB pro Sekunde angestiegen. Und für das Jahr 2022 erwartet die UNCTAD über 150'000 GB pro Sekunde. Dies beruhe grossteilig auf der Einführung neuer Technologien, mit deren Hilfe sich eine völlig neue "Daten-Wertschöpfungskette" entwickelt habe, so die Mitteilung. Profiteure davon seien vor allem die USA und China.
 
So hielten Firmen in den beiden Ländern etwa drei Viertel aller Patente zur Blockchain-Technologie, wobei der Löwenanteil auf das Konto von China gehe. Bedeutender noch: 50 Prozent der Ausgaben für das IoT würden in den beiden Ländern getätigt. Der Marktanteil des Cloud-Computing seitens USA und China betrage 75 Prozent des weltweiten Volumens – was wohl vor allem auf die Hyperscaler AWS, Microsoft, Google, IBM und Alibaba zurückzuführen ist.
 
Die UNCTAD hat weitere Bereiche wie KI, Automation, 3D-Printing und 5G untersucht. Die Befunde sind ähnlich, wenngleich sie teilweise etwas abweichen. In Sachen 5G-Adaption etwa prognostiziert der Bericht für Europa im Jahr 2025 den zweiten Platz hinter den USA.
 
Die Schweiz: Viele RZ und reger Export von ICT-Services
Die Schweiz taucht auch in einer Grafik auf: Hierzulande sollen nämlich mit 75 Stück zwei Prozent der globalen Colocation-RZs stehen. Zum Vergleich: Der Gigant USA stellt 40 Prozent, während etwa Deutschland auch nur vier Prozent und China gleich viele beherbergt wie die Schweiz. Datengrundlage lieferte der UNCTAD die Data Center Map,
Globale Verteilung der Colocation-RZ nach UNCTAD. Grafik: UNCTAD
die schlicht die reine Anzahl festhält.
 
Zudem findet sich die Schweiz in einer weiteren Statistik weit vorne: Der Anteil der ICT-Services am gesamten Export von Dienstleistungen aus der Schweiz sei hoch. Mit über zehn Prozent belegt die Schweiz laut UNCTAD 2017 den 11. Rang hinter China. Auf Platz eins findet sich Irland, Europa-Hauptsitz vieler grosser US-Techfirmen, gefolgt von Indien und Finnland.
 
Techgiganten sichern aggressiv die Marktstellung
Die USA und China vereinen zusammen 90 Prozent des Marktwertes der 70 grössten Unternehmen mit digitalen Plattformen auf sich – darunter die "Superplattformen" von Microsoft, Apple, Amazon, Google, Facebook, Tencent und Alibaba. Diese vereinen zwei Drittel der Marktkapitalisierung auf sich. Ganz Europa bringt unter anderem mit Zalando, Spotify und Yandex gerade mal 3,6 Prozent des Marktwerts auf die Waage, wie dem Bericht zu entnehmen ist.
 
Die Uno mahnt: "Diese Unternehmen festigen ihre Wettbewerbspositionen aggressiv, auch durch den Erwerb potenzieller Wettbewerber und die Expansion in komplementäre Produkte oder Dienstleistungen, durch Lobbyarbeit in nationalen und internationalen Politikkreisen und durch den Aufbau strategischer Partnerschaften mit führenden multinationalen Unternehmen".
 
Weite Teile der Welt als Rohdaten-Lieferanten
Die Schaffung von Wohlstand in der Digitalwirtschaft sei stark auf die Vereinigten Staaten und China konzentriert, während vor allem Afrika und Südamerika in dieser Hinsicht abgeschlagen seien, heisst es in dem Bericht. Für die letztgenannten sieht die UNO die Gefahr, dass sie zu blossen Lieferanten von Rohdaten degradiert werden.
 
Die Lösungsvorschläge aus Genf: Man müsse eine "alternative Konfiguration der digitalen Wirtschaft" finden. Konkret schlägt die UNO staatliche Richtlinien, Gesetzte und Vorschriften vor. Zudem sollen neue Wege zur lokalen Wertschöpfung gefunden werden.
 
Der umfassende Bericht (PDF) kann von der Website der UNCTAD heruntergeladen werden. (ts mit Material von Keystone-sda)