"Das ERP wird der Motor bleiben"

David Lauchenauer
Myfactory-CEO David Lauchenauer im Gespräch über den umkämpften Markt, die Perspektiven seines Unternehmens und das Geschäft mit Daten und Analytics.
 
23 Prozent Wachstum, einen Umsatzrekord und rund 350 neue Kunden im DACH-Raum, meldete das Schweizer Software-Haus Myfactory für das letzte Geschäftsjahr. Schon in den Jahren zuvor konnte der mittlerweile rund 50-köpfige Business-Softwarespezialist stark wachsen. Und auch für 2019 zeigte sich CEO David Lauchenauer im Gespräch mit inside-channels.ch betont optimistisch.
 
Offenbar macht Myfactory etwas richtig. Ein wichtiger Punkt sei die konsequente Ausrichtung auf die Cloud, wie Lauchenauer unterstreicht. Bereits als man zum Millennium mit der Entwicklung der Software anfing, schrieb man sich als Vision auf die Fahnen: "KMU-Software aus dem Internet". 2009, als der Cloud-Hype noch in der Ferne lag, lancierte das Unternehmen in der DACH-Region ein Cloud-ERP.
 
Seit 2012 schliesslich gibt es die Lösungen aus dem Haus Myfactory nur noch im SaaS-Modell. "Wir kriegen auch kaum noch Anfragen für Lizenzen", so Lauchenauer. Zudem wurde das Portfolio mittlerweile stark ausgeweitet und bietet Lösungen aus den Bereichen ERP, CRM, PPS, FMS, MIS und E-Commerce.
 
"Sprechen Sie mit jungen Entscheidern…"
Die Strategie brachte den Erfolg: Innert zwei Jahren nach dem Marktstart gewann Myfactory rund 50 Kunden für das Cloud-Angebot und konnte danach bis Ende 2012 auf 300 Firmen zulegen. Mittlerweile sind es im DACH-Raum und in den Benelux-Staaten rund 2000 KMU-Kunden. Dabei ist der Heimmarkt nach wie vor zentral: Mit fünf Millionen Franken erzielte Myfactory über 50 Prozent seines Umsatzes von 9,5 Millionen letztes Jahr in der Schweiz.
 
Und immer noch sieht Lauchenauer grosses Potential für die reinen Cloud-Lösungen im Markt: Er peilt wiederum 20 Prozent Wachstum an: "Immer noch sind viele Alt-Systeme im Einsatz, die den Anforderungen der Digitalisierung nicht standhalten und nicht Cloud-fähig sind."
 
Lauchenauer weiter: "Sprechen Sie mit jungen Entscheidern, die wollen heute fast immer in die Cloud". Die neue Generation der Manager würde die Vorteile von einfacher Skalierbarkeit, hoher Flexibilität sehen und wolle mit der Infrastruktur möglichst wenig zu tun habe. Zudem habe die Angst in Sachen Cloud deutlich abgenommen.
 
Direktgeschäft im umkämpften Schweizer Markt
Aber der ERP-Markt für Cloud-Lösungen ist hart umkämpft. Hier tummeln sich neben internationalen Grössen wie SAP, Oracle oder Sage auch lokale Anbieter wie Bexio oder Abacus. Andere Kundensegmente, andere Funktionalitäten, geringerer Umfang, wiegelt Lauchenauer im Gespräch ab. Zudem sei der einfache Wechsel zwischen Public- und Private-Cloud, die Myfactory biete, ein Alleinstellungsmerkmal. Die lange Erfahrung mit Cloud-Lösungen und KMUs zählt der CEO ebenfalls als Vorteil auf.
 
Infrastrukturseitig sind Swisscom und ProCloud hierzulande die Partner der Wahl. "Die Swissness ist den Kunden enorm wichtig", so Lauchenauer. Es sei absolut zentral, dass die Daten in der Schweiz gehalten würden.
 
In Deutschland sorgen über 100 Partner für das Wachstum. In der Schweiz hingegen erzielt Myfactory 95 Prozent des Umsatzes im Direktgeschäft. Das Unternehmen zählt in der Schweiz mit Mobiletrend, Infinitenet und QDS-Now nur gerade drei Partner. Dies sei historisch gewachsen, sagt Lauchenauer, aber man sei natürlich offen für Partner und habe auch klare Regelungen, die Kannibalisierung verhindern würden. Aktiv auf der Suche ist das Unternehmen aber nicht.
 
Wachstum und Perspektiven sollen auch über innovative Ansätze erreicht werden: So dreht sich das Gespräch mit dem Myfactory-Chef auch um Daten, Analytics, KI und IoT. "Das ERP wird der Motor bleiben, aber wir müssen intelligente Module einbinden können", so Lauchenauer. Man stehe hier zwar noch am Anfang, Myfactory habe aber schon Projekte umgesetzt.
 
Als Beispiel nennt der CEO eine Partnerlösung für die Optimierung der Tourenplanung mittels KI. Diese soll Fahrtzeiten, Distanzen, Wartezeiten, Servicedauer aber auch Öffnungszeiten binnen Sekunden für die Planung von Touren berücksichtigen können, wirbt Myfactory. Die Lösung wurde dieses Jahr entwickelt und kann seit Juni in das ERP integriert werden. (Thomas Schwendener)