Freenet hält UPC-Deal für "unfair" und bestätigt seine Opposition

In aller Deutlichkeit hat Sunrise-Grossaktionär Freenet noch einmal betont, dass er sich gegen den gegen den Kauf von UPC durch Sunrise stemmen wird. Der Kaufpreis von 6,3 Milliarden Franken für die Kabelnetzbetreiberin sei zu hoch, erklärte Freenet-Chef Christoph Vilanek jetzt gegenüber der Nachrichtenagentur 'AWP'. Freenet werde auf der ausserordentlichen Sunrise-Generalversammlung im Herbst gegen die geplante Kapitalerhöhung von 4,1 Milliarden Franken zur Finanzierung des Kaufes stimmen, so Vilanek weiter.
 
Damit könnte der Deal auf der Kippe stehen. Denn die deutsche Freenet hält rund einen Viertel der Sunrise-Aktien. Das alleine reicht zwar nicht, um den Deal scheitern zu lassen. Aber weil auf einer Generalversammlung nie alle Aktionäre anwesend oder vertreten sind, hat das Freenet-Votum eine beträchtliche Macht.
 
Überraschend kommt diese abermalige Ankündigung von Freenet nicht. Die Bedenken von Freenet sind schon seit April bekannt und noch vor gut einem Monat hatte Vilanek erklärt, dass man schon am 24. Januar den Sunrise-Verantwortlichen gegenüber klar kommuniziert habe, "dass wir den Deal mitsamt seiner Finanzierungslogik in dieser Form nicht gutheissen können".
 
Sunrise hat bei dem Deal aber nicht nur ein Problem mit Freenet. Denn Anfang Juni hat auch die eidgenössische Wett­bewerbs­kommission (Weko) gemeldet, die geplante Übernahme werde einer genauen Überprüfung unterzogen. Es bestehe nach ersten Abklärungen der Verdacht, dass der Zusammenschluss auf verschiedenen Märkten eine marktbeherrschende Stellung begründen oder verstärken könnte.
 
Gleichwohl scheint Zuversicht bei Sunrise zu herrschen. Jedenfalls wird in einem Kommentar zur Stellungnahme von Freenet unterstrichen, dass man nach wie vor davon überzeugt sei, "dass die Übernahme von UPC Schweiz eine stärkere und wertvollere Sunrise schafft, die von einer überzeugenden strategischen Logik profitiert". Man habe aber die "Ankündigung von Freenet zur Kenntnis genommen", gegen die Kapitalerhöhung zu stimmen".
 
Zudem verweist Sunrise auf die letzten Quartalsergebnisse von UPC Schweiz, die "mit dem Turnaround-Plan von Liberty Global übereinstimmen und sogar leicht über den Erwartungen liegen". Im Rahmen der Veröffentlichungen der Zahlen des zweiten Quartals in der nächsten Woche, werde man weiter über die UPC-Übernahme informieren, heisst es am Schluss des Statements.
 
Freenet sieht viele Risiken
Freenet bemängelt die aktuellen Transaktionsbedingungen als sehr unausgewogen und nachteilig für alle Sunrise-Aktionäre. Der Kaufpreis und die zugrunde gelegte Unternehmensbewertung für UPC Schweiz seien zu hoch, insbesondere angesichts des angespannten Marktumfeldes, dem die Kabelnetzbranche ausgesetzt sei. Auch rechtfertige die operative Entwicklung von UPC den Kaufpreis nicht. "Im Sinne einer für alle Sunrise Aktionäre fairen Transaktion sollte der Kaufpreis reduziert werden", forderte Freenet.
 
Auch die Verteilung der Synergien bei der Transaktion seien falsch, sagte Vilanek. Der Kaufpreis impliziere, dass potenzielle Synergien in Höhe von 1,3 Milliarden Franken im Vorfeld an die bisherige UPC-Besitzerin Liberty Global gezahlt würden. Allerdings hätten die Aktionäre von Sunrise die Risiken einer Trendwende der Performance von UPC Schweiz genauso zu tragen wie die damit verbundenen Integrationsrisiken. Dabei müssten sie jedoch einen Grossteil des möglichen Wertschöpfungspotenzials abgeben, schrieb Freenet in einem Communiqué: "Im Sinne einer für alle Sunrise Aktionäre fairen Transaktion sollte Liberty Global Aktionär des fusionierten Unternehmens werden und einen geringeren Anteil an den zu erzielenden Synergien erhalten."
 
Zudem forderte Freenet eine Reduktion der Kapitalerhöhung. Die geplante Bezugsrechtsemission übersteige die Marktkapitalisierung von Sunrise und belaste die bestehenden Sunrise-Aktionäre in einem unangemessenen Umfang. "Im Sinne einer für alle Sunrise Aktionäre fairen Transaktion sollte der angestrebte Fremdkapitalanteil deutlich erhöht werden", verlangte Freenet. Schliesslich wird auch noch die Struktur der Finanzschulden kritisier. Denn die Übernahme der UPC-Anleihen könne zu erheblichen Risiken für Sunrise und ihre Aktionäre führen: "Im Sinne einer für alle Sunrise Aktionäre fairen Transaktion sollte Liberty Global die UPC-Anleihen nach der Transaktion behalten."
 
Solche Zugeständnisse zu machen, sei für Sunrise-Aktionäre nachteilig, heisst es bei Freenet weiter. Sei Sunrise doch hervorragend im Markt positioniert und verfüge über exzellente Perspektiven als eigenständiges Unternehmen. (vri/Keystone-sda)