Warum Hiag Data aus dem Cloud-Business aussteigt

Der CFO der Mutterfirma beantwortet einige Fragen zu Geld und den Gründen, andere nicht. Und Noser Health schildert die Sicht eines Partners.
 
Hiag steigt aus dem Cloud-Business aus, dies meldet die Hiag-Gruppe, welche eigentlich im Immobiliengeschäft tätig ist.
 
Dafür gebe es zwei Gründe: Erstens den Ausstieg von Six aus einer Partnerschaft für eine Schweizer Finanzcloud schon in der Evaluationsphase. Zweitens lasse sich der Plan, ein Multicloud-Angebot für Banken oder Versicherung aufzubauen, nicht verwirklichen. Die "Öffnung des Projekts für weitere qualifizierte Partner" sei nicht im vorgegebenen Zeitrahmen realisierbar.
 
Das Projekt sei aus einem gescheiterten Immobilienprojekt hervorgegangen, hatte Hiag-CEO Martin Durchschlag gleich bei der Lancierung gesagt. Microsoft-Schweiz-Chefin Janik erklärte inside-channels.ch damals eine Hürde für den Newcomer: Microsoft werde preislich keine Rücksicht auf Partner mit eigenen Infrastrukturen nehmen. Für Partner gebe es genug Business-Chancen als Managed Service Provider.
 
Was oder wer sind Hindernisse für die Öffnung? "Dazu können wir nichts kommunizieren", sagt Laurent Spindler, CFO der Hiag Holding auf Anfrage.
 
Er bestätigt, dass man rund 90 Millionen Franken in den Aufbau der Tochterfirma Hiag Data investiert hat. Hiag Data schrieb auch von Anfang an nur rote Zahlen. 2018 mussten Wertberichtigungen von 16,5 Millionen Franken vorgenommen werden, so Spindler. Das sei in der Aufbauphase gewesen.
 
Der Verlust wurde offenbar immer grösser. "Im ersten Halbjahr 2019 wird der Verlust deutlich grösser als die im Vorjahreszeitraum ausgewiesenen 9 Millionen Franken ausfallen", sagte der Finanzchef im Juni zu 'Finanz und Wirtschaft'.
 
Hat Hiag die nötigen technologischen Ressourcen unterschätzt oder sind die internationalen Tech-Konzerne wie Google, AWS, Microsoft, Oracle oder IBM im Schweizer Markt schon übermächtig? "Um weiter zu machen, wären grosse Investitionen nötig gewesen für uns als Immobilienfirma. Wir haben deshalb Partner gesucht und das kam nicht zustande", so Spindler. Eine konkrete Summe will er keine nennen.
 
Mit dem Ende der Multicloud-Idee muss auch die Tochterfirma Hiag Data reorganisiert werden. Was dies konkret für Mitarbeitende heisse, müsse man erst definieren, so Spindler. "Der Verwaltungsratsentscheid ist soeben erst gefallen und wir müssen Kunden bedienen." Anfangs September werde man konkreteres kommunizieren können.
 
Was geschieht mit Kunden und Partnern: "Wir haben sehr wenige Kunden und diskutieren das Vorgehen mit ihnen." Dasselbe gelte für Noser Health sowie Interxion, die beides Lieferanten von Hiag Data seien.
 
Noser Health, ein Hiag-Data-Partner seit Dezember 2016, nimmt auf Anfrage schriftlich Stellung: "Der Ausstieg von HIAG Data aus dem Multicloud-Segment, beeinflusst Noser Health (Service-Marke der Noser Engineering AG) nicht. Wir setzen die erfolgreiche, strategische Ausrichtung im Health-Segment fort und bauen unsere langjährigen Erfahrungen in den Bereichen Consulting, Innovationsprojekte und Integrationsprojekten weiter aus, um unseren Kunden aus dem Gesundheitswesen im Thema Digitalisierung zum Unternehmenserfolg zu verhelfen." Bei der Bekanntgabe der Partnerschaft hatte Noser Health versprochen, man könne "neu Spitälern, Gemeinschaftspraxen und Gesundheitsinstitutionen eine Lösung anbieten, die auf einem Private Network basiert das zu 100% in Schweizer Hand ist".
 
Künftig will sich der Hiag-Konzern auf das traditionelle Geschäft mit der Immobilienentwicklung konzentrieren. Dieser Fokus ist auch bald konkret sichtbar: Der neue CEO, Marco Feusi, ist ein reiner Immobilienspezialist. Er muss sich bei Stellenantritt Anfangs 2020 nur noch am Rande in Themen wie ProLiant-Server oder IaaS-Verrechnungsmodelle einarbeiten. (mag)