Microsoft verteuert Software-Lizenzen für Nutzung auf Amazon und Co.

Mit den Versprechen, "die Unterscheidung zwischen lokalen respektive traditionellen Outsourcing- und Cloud-Services zu klären, und konsistentere Lizenzbedingungen für mandantenfähige und dedizierte gehostete Cloud-Services zu schaffen", hat Microsoft begonnen, seine Lizenzbedingungen zu ändern. Ab Oktober sollen sie Gültigkeit haben. Inwieweit die Lizenzänderungen tatsächlich nur nachteilig sind, ist offen.

So sollen in der Folge Angebote für Unternehmens-Software billiger werden, wenn sie auf den Dedicated-Servern von Azure laufen, also physische Server auf der Azure Cloud genutzt werden, die nicht mit anderen geteilt werden.
 
Gleichzeitig allerdings verteuert sich durch die Änderungen Microsoft-Software, wenn sie in einer Cloud von konkurrierenden Dienstleistern betrieben wird. Denn Vor-Ort-Lizenzen, die ohne Software Assurance und Mobilitätsrechte erworben wurden, können dann nicht mehr mit dedizierten gehosteten Cloud-Services von sogenannten "Listed Providern" wie "Microsoft, Alibaba, Amazon (einschliesslich der VMware Cloud auf AWS) und Google" verwendet werden, heisst es neu. Dass Microsoft selbst auf der Liste steht, ist der soeben ebenfalls neu eingeführten "Single-Tenant" genannten Service-Option des Azure Dedicated Host geschuldet.
 
Vordergründig sind die Lizenzanpassungen zwar als einfache Aktualisierung deklariert, um einem sich ändernden Markt gerecht zu werden. Doch der klare Kostenvorteil für den Betrieb von Microsoft-Software auf Azure zeigt, dass es um mehr geht.
 
Das betonen jedenfalls mit guten Gründen Konkurrenten von GCP (Google Cloud Platform) und AWS. Microsoft versuche auf ungeschickte Weise, Kunden auf Azure zu zwingen, heisst es bei AWS. Man versuche es mit uralten Methoden aus den 90er Jahren, so Google. Es sei schwer, einer Firma zu vertrauen, die die Preise erhöht und die Wahlfreiheit einschränkt, kritisiert Amazon weiter.
 
Indem Microsoft es erschwere oder gar unmöglich mache, eigene Lizenzen mitzubringen, würden Kunden gezwungen, die Software entweder über SPLA zu mieten oder Lizenzen mit Software-Versicherung inklusive jährlicher Servicegebühr zu kaufen. Es sei nicht das erste Mal, dass Microsoft subtile Änderungen an seiner Lizenzierung vorgenommen habe, schiebt man bei AWS nach. Denn bereits im vergangenen Jahr sei die Option entfernt worden, SQL Server-Lizenzen für die Verwendung mit dem Amazon Relational Database Service (RDS) zu verwenden.
 
Inwieweit die Lizenzänderungen tatsächlich nur nachteilig sind, ist offen. Erste Partner von Microsoft, AWS und GCP wittern auch Chancen: Einer von ihnen erklärt auf 'CRN', zwar würden "absolut zusätzliche Kosten und Compliance-Overheads für die Migration und Wartung von IaaS-Workloads zu wettbewerbsfähigeren Cloud-Anbietern" geschaffen. Doch das gelte nur für die nahe Zukunft.
 
Tatsächlich stecke darin auch ein Geschenk für "leistungsstarke, zukunftsorientierte IT-Organisationen". Denn Microsoft mache es mit der Single-Tenant-Option einfacher, die Kosten für die Transformation von Legacy-Anwendungen und -Diensten zu rechtfertigen, statt diese einfach in die Cloud zu verlagern. Neu könnten Transformationen initiiert werden, die gerade in hochgradig regulierten Unternehmen "eine schnellere und breitere Einführung nativer Cloud-Funktionen vorantreiben und gleichzeitig die Abhängigkeit von Legacy-Plattformen mit ihren unzähligen Sicherheits-, Compliance-, Performance- und Verfügbarkeitsrisiken verringern" würden. (vri)