Verhaltene Reaktionen auf Broadcom-Symantec-Übernahme

Der Chipproduzent Broadcom will das Firmenkundengeschäft von Symantec übernehmen. Dies teilt der Konzern mit. Man zahle dafür 10,7 Milliarden Dollar in bar.
 
Vor kurzem hatte es noch geheissen, eine Übernahme sei an unterschiedlichen Preisvorstellungen gescheitert. Jetzt gab es also doch noch eine Einigung. Wie beide Unternehmen soeben mitgeteilt haben, soll der Kauf bis spätesten im Januar 2020 über die Bühnen gegangen sein.
 
Der Kaufpreis von 10,7 Milliarden Dollar ist das 36-fache Betriebsergebnis des im Juli abgelaufenen Geschäftsjahres 2019 der Symantec-Sparte, hat 'Forbes' errechnet. Dies während Symantec mit Firmenkunden rund 50 Prozent des Umsatzes erzielte. Die Sparte ist also bis anhin nicht sehr lukrativ.
 
Das Enterprise Security-Geschäft von Symantec steht unter Druck, bedingt durch "technische Probleme mit dem Cloud-Produkt des Unternehmens und sinkenden Einnahmen bei KMU-Kunden", hielt ein Nasdaq-Analyst schon bei den Übernahmegerüchten fest. So dass die Gründe von Symantec für den Verkauf nachvollziehbar scheinen.
 
"Diese Transaktion erweitert nicht nur die Präsenz von Broadcom im Bereich der Infrastruktursoftware, sondern stärkt auch unsere Position als eines der weltweit führenden Unternehmen für Infrastrukturtechnologie, sowohl im Hard- als auch im Softwarebereich", begründete Hock Tan, CEO von Broadcom, die Transaktion während eines Gesprächs mit Analysten. "Wir planen, die Marke Symantec in das Broadcom-Portfolio aufzunehmen, während das Privatkundengeschäft von Symantec getrennt bleibt und umbenannt wird."
 
Wo genau die Vorteile der Übernahme liegen, ist den Kommentatoren nicht klar. Manch einer sieht sich Intel deren 2011 erfolgte Übernahme von McAfee, die wenig Früchte trug.
 
Möglicherweise kann Broadcom aber durch die Fusion von Symantec mit CA Kosteneinsparungen und einem klareren Kundenfokus erzielen, meinen andere Analysten. Auch die Investoren von Broadcom reagierten bis anhin nicht enthusiastisch, diejenigen von Symantec hingegen begrüssten die Übernahme.
 
Der Broadcom-CEO sagte, er erwarte, dass die Firma im kommenden Jahr 29 Prozent ihres Gesamtumsatzes mit Software erzielen werden, gegenüber prognostizierten 22 Prozent im Jahr 2019.
 
Im vergangenen Jahr hatte Broadcom das US-Softwareunternehmen CA für 18,9 Milliarden Dollar gekauft und 2017 Brocade. Die geplante Übernahme des Konkurrenten Qualcomm war dagegen am Veto des US-Präsidenten Donald Trump gescheitert. Hier dürfte Trump wohl nichts zu bemängeln haben, denn Broadcom hat seither den Hauptsitz von Singapur nach Kalifornien verlegt.
 
Übrigens lautet der neue Name für das Symantec-Consumerbusiness "Norton Lifelock".
 
Update (12.8.2019): Bevor der Verkauf über die Bühne geht, soll Symantec planen, sieben Prozent der Belegschaft, also 800 FTE abzubauen sowie lokale Büros und RZs zu schliessen, meldet 'CRN'. (mag)