"Gewisse Basis-Services sind Commodity, aber …"

Hanspeter Kipfer, Country Leader Oracle, über das Schweizer Cloud-RZ, ausländische Workloads, Lizenzkosten und Partner-Konsolidierung.
 
Das vor einigen Monaten angekündigte Schweizer RZ von Oracle geht wie vermutet im August in Zürich live. Dies bestätigt das Unternehmen.
 
Insider sagen, es sei bei Equinix angesiedelt, der Konzern bestätigt dies aber nicht. Auch wie gross die Fläche ist, bleibt offen. Auf Anfrage von inside-channels.ch antwortet Hanspeter Kipfer, Vice President Sales & Country Leader Switzerland: "Quadratmeter ist keine massgebliche Kenngrösse für unsere Cloud Regionen. Wir stellen Kapazitäten proaktiv aber basierend auf den Bedürfnissen unserer Kunden bereit."
 
Zu den Oracle Angeboten sagt Kipfer, in der Region Zürich sei das volle Spektrum von IaaS- und PaaS-Services von Anfang an verfügbar. "Der Kunde muss in der Cloud alles finden, was er heute on-premise nutzt. Deshalb reden wir von einer 'true Enterprise Cloud'. Der Enterprise-Kunde muss die Cloud nach seinen Bedürfnissen nutzen können. Andere Anbieter setzen primär auf Cloud-native Lösungen, womöglich sind darum erst rund 20 Prozent der Workloads in der Cloud. Künftig werden 80 Prozent laut Analysten in der Cloud sein. Cloud-native Services sind bei Oracle auch inkludiert, aber 'Enterprise Ready' heisst, dass ein Kunde Operations in die Cloud migrieren kann, ob als reine Cloud-Lösung oder als hybride Lösung vollständig integriert."

Finanzanalysten und Fachjournalisten sagen, Oracle hinkt den Hyperscalern hintendrein, scheint aber an Boden zu gewinnen, wenn man die letzten Zahlen anschaut. Was sagen Sie zum Schweizer Markt für Oracle? "Ich teile diesen Eindruck, aufgrund der Nachfrage. Wenn die Analysten mit 20 Prozent richtig liegen, dann bewegen wir uns noch immer sehr am Anfang der Cloudifizierung. Wir sind kein Early Adopter, sind aber als Fastest Follower im Markt. Wir haben mit der Oracle-Gen2-Cloud ein Alleinstellungsmerkmal geschaffen."
 
Als signifikante Argumente bringt Kipfer ein, es gebe keine Oversubscription-Thematik, garantierte Performance, SLAs auf Managebarkeit, Security Controls als integrierter Bestandteil jeglicher Services sowie die weltweit gross angekündigte "autonome Datenbank".
 
Warum kommt Oracle mit einem RZ überhaupt in die Schweiz? Nicht alle glauben, dass Swiss Cloud beziehungsweise Hosting in der Schweiz wirklich ein relevantes Businessmodell ist. Ist es eines für Oracle und warum? "Das ist eine gute Frage. Ich glaube, dass der Markt zu klein ist für einen Cloudanbieter, der ausschliesslich im Schweizer Markt tätig ist. Das liegt an den Kosten und Investitionen, die nötig sind, um diese Cloud Services nach internationalen und nationalen Standards anzubieten. Nennen Sie mich naiv, aber ich glaube auch, dass der Schweizer Brand weiterhin eine enorme Ausstrahlung hat. Viele ausländische Workloads werden in der Schweiz betrieben und in der Schweiz gibt es Branchen, die nach wie vor die Auflage erfüllen müssen, Kundendaten in der Schweiz zu belassen."
 
Nun laufen beispielsweise bei Banken Datenbanken hochperformant und sauber. Aber die Google-Cloud ist schon eröffnet, die Schweizer Azure Cloud wird in diesen Tagen offiziell gelauncht und ist bereits weitverbreitet. Aber Oracle-Kunden wie Avaloq haben sich für IBM-Cloud entschieden. Wo ist der Markt für Oracle Cloud? "Ich nenne keine Namen, Sie haben nur einzelne Applikationen genannt. Cloud ist ein weiter Begriff. Oftmals wird unter Cloud auch traditionelles Hosting und Housing verstanden. Das ist nicht, was wir unter Cloud verstehen."
 
Grosse Verhandlungsmacht für Oracle-Kunden?
Kipfer bestätigt, dass für Oracle die Kooperation mit Microsoft von spezieller Relevanz auch im Schweizer Markt sein wird: "Sie wird massgebend sein für die Weiterentwicklung des Cloud-Marktes. Die Kooperation setzt Standards und macht es wegen der Interoperabilität für Kunden möglich, in die Cloud zu gehen. Microsoft für das Front Office und Oracle für das Backoffice bieten enorme Vorteile. Deshalb sind die Reaktionen sehr überwältigend!"
 
Alle 23 "Oracle-Branchen" versichert Kipfer, Banken, Versicherungen auch die öffentliche Hand, seien an den Oracle-Cloud-Angeboten interessiert. Die Post, Expersoft Systems und Orange Business Services nennt Oracle als Schweizer Cloud-Kunden neben schon bekannten Namen, insbesondere dem CERN und SGS.
 
Nun dürfte sich die Cloud zur Commodity entwickeln, Datenbank ist heute schon Commodity. Das heisst, dass primär der Preis entscheidet und Oracle ist klassisch teuer. "Commodity?" fragt Kipfer zurück. "Nicht alles ist notwendigerweise Commodity. Es gibt gewisse Basis-Services, die Commodity sind, aber businesskritische Applikationen und Service-Levels werden den Unterschied machen. Wir sind mehr als kompetitiv im Pricing, Verfügbarkeit, Skalierbarkeit und garantierter Performance. Wir scheuen keinen Vergleich."
 
Trotzdem dürfte bei Oracleprodukten die Verhandlungsmacht für Kunden im Cloud-Bereich gross zu sein. Man kann beispielweise Oracle leichter ersetzen als Microsoft-Produkte. Eine Strategie dagegen könnte sein, dass der Konzern nachsichtiger ist mit Nachzahlungen wegen Lizenzverstössen, wenn der Kunde in ein Oracle-Cloud-Bundle investiert. "Wir müssen alle Kunden gleich bedienen", sagt Kipfer. "Die IP ist unser Asset, um eigene Interessen zu vertreten und gleichzeitig gilt das Fairness- und Gleichheitsprinzip im Kundenumgang. Wenn Kunde in Engpässe kommt, weil er nicht genug Lizenzen hat oder wegen Workloads in Lizenzengpässe kommt, dann hiess das früher eine Lizenz nachzukaufen. Entweder auf Exadata das Datenhaltungsregime konsolidieren von 10 auf 1, oder Workloads in die Cloud migrieren. Sie können Workloads von on-premise über Cloud Instanzen im kundeneigenen Rechenzentrum bis in die Public Cloud provisieren und skalieren. Damit lässt sich Datenwachstum bewältigen. Unser Universal Credit Preismodell inklusive BYOL macht das möglich."
 
"Wir sind sehr aktiv"
Die Schweizer Oracle-Cloud sei technologisch fertig, ebenso das Partnerprogramm. Nun gibt es heute schon nur noch eine überschaubare Anzahl Managed Partner in der Schweiz. Laut Mitteilung können hiesige Partner, insbesondere genannt werden Accenture, Arrow und Trivadis, lokal auf die Oracle Cloud-Infrastruktur zurückgreifen.
 
An der Oracle OpenWorld in London erklärte Javier Torres, Oracles VP Alliances and Channels EMEA, inside-channels.ch: "Zum einen führt das Cloud-Modell zu weniger und besseren Partnern, und es konzentriert sich zum andern auf diejenigen, die wirklich etwas bewirken." Kommt es zu einer weiteren Konsolidierung bei Schweizer Partnern? "Die Konsolidierung meint traditionelle Partner. Wenn ein Geschäftsmodell sich ändert und ans Ende kommt, dann sind auch traditionelle Partner weniger gefragt. Cloud schafft für Oracle eine ganz neue Kategorie von Partnern, die cloud-native Innovationsprojekte bewältigen, aber auch Kunden bei der Migration in die Cloud unterstützen. Wir erwarten hier eine starke Expansion auch in der Schweiz. Wir sind in diesem Bereich sehr aktiv." (Marcel Gamma)