Open-Source-Lizenzen: Wie wehren sich Anbieter gegen Hyperscaler?

Die Open-Source-Dienstleistungsbranche ist auf dem Vormarsch, der Markt dürfte sich laut den Marktanalysten von CB Insights bis 2022 fast verdoppeln.
 
Die grossen Open-Source-Übernahmen – IBM-Red-Hat oder Microsoft-Github – deuten auf weitere relevante Veränderungen hin. Nicht zu vergessen ist der Trend, dass die in Sachen Contributors erfolgreichsten OSS-Projekte von den grössten Tech-Konzernen stammen. Von Google (TensorFlow), Facebook (React Native) oder Microsoft (Visual Studio Code). Und weil dem so ist, stellen sich die Marktforscher die Frage, wohin die Branche steuert und haben auch gleich eine Antwort darauf. "Here’s Where The $33B Industry Is Headed", so der grossspurige Titel des 23-seitigen Papiers.
 
Speziell die Cloud-Giganten hätten von Open-Source-Projekten profitiert, so CB Insights. "In den letzten Jahren haben Cloud-Anbieter den Quellcode von populären Projekten mit minimalen Änderungen (falls überhaupt) kopiert, die Software umbenannt und sie den Kunden als proprietären Service angeboten", so die Autoren des Papiers.
 
Deshalb hätten Open-Source-Anbieter weniger liberale Lizenzpraktiken für Teile ihrer Software eingeführt, um ihr Geschäft zu schützen. Genannt werden Redis, Elastic oder MongoDB. Dies habe bei der Community Ärger und Unsicherheit ausgelöst.
 
Auf der Gegenseite habe AWS beispielsweise in Konsequenz einen "Amazon Elasticsearch Service" auf den Markt geworfen und damit Elastic nachhaltig verärgert. Dabei geht es um viel Geld, AWS verdiene jährlich 100 Millionen Dollar mit dem Elastic-Service allein bei den Top-100-Kunden.
 
Das Vorgehen der Hyperscaler – kopiere den Source Code und gib ihm einen neuen Namen – sei zu lukrativ, als dass sie es ändern würden. So stünden Open-Source-Software-Services vor "einer schwierigen Entscheidung: loyal zur Community stehen oder den Missbrauch durch Cloud-Anbieter einschränken?"
 
Die Antwort auf die Frage sei unklar, aber manches deute darauf hin, dass Elastic und andere zu neuen Lizenzmodellen greifen werden, um ihre Einnahmequellen aus OSS-Projekten zu sichern. Die Autoren rechnen auch damit, dass mit neuen Lizenzmodellen experimentiert werde. Was wiederum das Leben von Entwicklern, OSS-Nutzern und Cloud-Kunden nicht erleichtern dürfte.
 
Der Report kann gegen Angabe von Personalien heruntergeladen werden (PDF) (mag)