Vergrault 2FA-Pflicht auch Schweizer E-Commerce-Kunden?

Die EU verschärft die Vorschriften für E-Commerce-Anbieter. Ab dem 14. September müssen alle Online-Shops in der EU für Kreditkarten sowie Paypal und Co. eine sogenannt "starke Kundenauthentifizierung" anbieten. Wer für mehr als 30 Euro einkauft, muss dies künftig mittels einer 2-Faktor-Authentifizierung (2FA) autorisieren. Ausgenommen sind der Kauf per Rechnung sowie das Lastschriftverfahren.
 
Die Idee dahinter ist einleuchtend: Betrügern soll das Leben schwer gemacht werden. Kunden wie auch Shop-Betreiber sollen dagegen geschützt werden. Doch unter einigen E-Commerce-Anbietern macht sich Unmut breit, wie die 'Sonntagszeitung' berichtet. Sie sorgen sich, dass die Kunden ausbleiben könnten. Denn mit den neuen Massnahmen für die Sicherheit wird das Shopping deutlich komplizierter. Und Bequemlichkeit ist beim Online-Einkauf ein wichtiges Kriterium.
 
Die Schweiz dürfte von der Umstellung auch betroffen sein: Zum einen ist nicht anzunehmen, dass kleinere Online-Shops in der EU spezielle Logins für Schweizer Kunden anbieten. Zum anderen wird offenbar auch hierzulande über die Einführung der 2FA im E-Commerce-Bereich diskutiert. Dies berichtet die 'Sonntagszeitung' mit Verweis auf mehrere E-Commerce-Anbieter.
 
Neben dem schwindenden Komfort gibt es ein weiteres Problem: Noch seien nämlich viele Online-Händler und Zahlungsdienstleister schlecht auf die Umstellung vorbereitet, hielt die 'Financial Times' kürzlich fest. In einer Studie der Zahlungsplattform Stripe ist von einem möglichen Schaden von 57 Milliarden Euro die Rede – alleine für 2020.
 
Thomas Lang vom E-Commerce-Berater Carpathia befürchtet auch, dass durch die Sicherheitsmassnahmen das Online-Einkaufen unattraktiver würde. Allerdings würden hierzulande noch immer 80 Prozent der Kunden per Rechnung bezahlen, relativiert er. Und falls die neue Regelung in Kraft tritt, könnten dies künftig noch mehr werden. (ts)