New Business: Trivadis stürzt sich auf das Data Analytics Business

Gerald Klump und Ana Campos
Wohin will die neue Doppelspitze des Schweizer IT-Dienstleisters? Was heisst dies für die Firmenstruktur und Mitarbeitende? Die beiden Co-CEOs im Gespräch mit inside-channels.ch.
 
Der Erzählung nach wurde Trivadis vor 25 Jahren auf einer Autobahnraststätte nahe dem solothurnischen Egerkingen ins Leben gerufen. Im selben Jahr bezogen die drei Gründer ein 15 Quadratmeter kleines Büro in einem Einfamilienhaus und begannen mit dem Beratungsgeschäft – damals noch unter dem Namen "SQL Consult".
 
Heute zählt Trivadis rund 700 Mitarbeitende an 16 Standorten in der DACH-Region sowie in Dänemark und Rumänien. Der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich in einem repräsentativen Glasbau im zürcherischen Glattbrugg. Hier hat die Geschäftsleitung inside-channels.ch zum Gespräch empfangen.
 
Der Zeitpunkt passt: Seit September 2018 hat Trivadis eine neue Doppelspitze. Und mit der Ernennung von Ana Campos und Gerald Klump zu Co-CEOs wurde auch die Organisation des grossen Schweizer IT-Dienstleisters umgekrempelt: Mit neuen Regionen näher zum Kunden, mit neuen Geschäfts-Feldern zu innovativen Projekten und mit neuer Struktur zu agileren Prozessen, so das Versprechen. Wir haben nachgefragt, wie es mit Strategie und Transformation vorangeht und welche Geschäfts-Perspektiven sich eröffnet haben.
 
Die Zahlen von Trivadis können sich sehen lassen: Der Oracle-Platinum- und Microsoft-Gold-Partner setzte letztes Jahr 118 Millionen Franken um. Etwa 71 Millionen davon wurden in der Schweiz erzielt. Man sei auf gutem Wege, betonen Klump und Campos unisono und offenbaren grosse Pläne für die Zukunft: So dreht sich das Gespräch immer wieder um die Themen Managed Services und Daten-Analyse und intelligente Daten-Nutzung, die bereits einiges zum Umsatz beitragen sollen.
 
"Wir wollen die Daten-Plattformen mit Services anreichern"
Mit Managed Services machte Trivadis bereits 2016 über 22 Millionen Franken Umsatz. "Dieses Jahr wollen wir die Marke von 30 Millionen deutlich übersteigen", erklärt Klump. Der Diplom-Informatiker kennt sich auf dem Gebiet aus: Er stiess bereits vor 20 Jahren als Oracle-Berater zum Unternehmen und wurde 2013 als Head of Managed Services mit dem Aufbau des Geschäfts-Bereichs betraut. "Ich sehe es immer noch als mein Kind", sagt er.
 
In den letzten Jahren habe man sich auf zwei Business-Cases fokussiert, in denen man grosses Wachstumspotential sehe: Einerseits das Betreiben und das Lifecycle-Management von Daten-Plattformen. Andererseits aber auch von Lösungen, die darauf aufbauen. "Wir wollen nicht bei den Plattformen stehenbleiben, sondern diese mit Services anreichern", unterstreicht Klump. Zusätzlich sichere man die Qualität der Daten, ergänzt ihn Campos.
 
Gemeinsam mit Swisscom soll eine neue Lösung auf den Markt kommen, die von Trivadis gemanaged wird. Am Database-as-a-Service-Angebot arbeitet derzeit ein agiles Team nach SAFe Standards. Der auf Oracle-Technologie basierende Service soll im September ausgerollt werden. Und er werde auch für kleinere Kunden attraktiv sein, da man in der Cloud-Lösung nur bezahle, was man tatsächlich brauche, verspricht Klump.
 
Spezialisiert auf den Mittelstand und grosse Kunden blieben zwar hybride Cloud-Modelle nach wie vor gängig. Vor allem die grossen Unternehmen wählten sehr differenziert ihre Umgebungen aus. Aber man sieht bei Trivadis in der Cloud eine grosse Perspektive: "Damit sind wir für die Zukunft gerüstet", sagt Klump. Neben der Zusammenarbeit mit Swisscom setzt man bei Trivadis schon lange auf Microsoft. Und man erwartet, dass die Azure Cloud im Schweizer Markt sehr stark an Bedeutung gewinnen wird.
 
Rohdiamanten, Geschäftsdaten und Hype-Themen
Neben den klassischen transaktionalen Daten-Plattformen fragten die Kunden besonders im Grosskunden-Bereich immer mehr auch nach analytischen Daten-Plattformen. Klump betont: Man sehe hier einen klaren Wandel im Markt.
 
Die neue Strategie und Struktur würden dieser Veränderung entsprechen, unterstreicht Campos, die Anfang 2017 als HR-Chefin bei Trivadis eingestiegen ist. Neben den Consulting Services und den Managed Services wurden die Bereiche Platform Factory und Solution Factory ins Leben gerufen.
 
Unter ersterem wird die Daten-Plattform verstanden: transaktionale und analytische Daten-Plattformen, das Cloud-Geschäft und die Security. Der Bereich Solution Factory umfasst dann die individuelle Entwicklung von Anwendungen und Lösungen für die Kunden mit deren gesammelten Daten, erklärt Campos.
 
Man habe sich schon länger in diese Richtung entwickelt, aber als neue Geschäftsführung lege man den Fokus noch stärker darauf. "Wir haben jeden Baustein unseres Unternehmens analysiert und überprüft", so die Co-Chefin. Dabei habe man nicht nur die Entwicklung des Marktes, sondern auch gesellschaftliche Trends in die Überlegungen einbezogen. Campos: "Unser Ziel ist heute ganz anders als bei der Gründung von Trivadis vor 25 Jahren."
 
Und die Co-Chefin weiter: "Wir haben uns vom Consulting zu einem umfassenden Dienstleister entwickelt." Neben der Beratung wird auch die Plattform bereitgestellt und betrieben. Man biete heute alles aus einer Hand, dabei sei die Involvierung der Kunden besonders wichtig: "Wir wollen uns nicht einfach nur beauftragen lassen, sondern entwickeln die Lösungen gemeinsam mit unseren Kunden." Diese erhalten nicht nur die geeignete Expertise, sondern auch die komplette Plattform, von der Bereitstellung über das Refinement bis zur intelligenten Nutzung der Daten.
 
"Wir wollen uns schliesslich zum digitalen Datenveredler wandeln", sagt Campos. Man will den Daten-Rohstoff zu einem Diamanten schleifen. "Turning Data into Business." So will das IT-Haus dem Anspruch der Kunden nachkommen, aus den Daten Mehrwert zu gewinnen.
 
Man setze dazu aber nicht per se auf Hype-Themen wie Machine Learning, wenn diese gar nicht benötigt würden oder nicht implementiert werden könnten. Stattdessen nennt Campos einen Entwicklungsansatz, der für Trivadis zielführend ist: "Welche Kunden-Probleme und Herausforderungen sollen gelöst werden? Was geben die Daten her? Und was ist schliesslich die dafür geeignete Lösung?"
 
"Wir haben viel in soziale Kompetenzen investiert"
Um den neuen Herausforderungen gerecht zu werden, musste auch die Unternehmenskultur weiterentwickelt werden. Zum einen befähigen die beiden CEOs die Mitarbeitenden zu mehr Partizipation und Selbständigkeit ein, wie sie betonen. So gebe es zwar nach wie vor verschiedene Bereiche mit Leadership, aber zugleich ein grosses Mass an Autonomie im Handeln der Angestellten.
 
Zum anderen wurde der Gender-Pay-Gap beseitigt: Frauen und Männer verdienen auf derselben Position mit dem gleichen Hintergrund gleich viel. Viel anpassen habe man aber nicht mehr müssen, wie Campos anmerkt. Auch die beiden CEOs verdienen gleich viel.
 
Zugleich ist ein Viertel der erweiterten Geschäftsleitung mit Frauen besetzt. "Wir haben die Positionen aber nicht nach Quote besetzt, sondern die besten Leute gewählt", betont Campos. Man müsse allerdings in der männlich dominierten IT-Szene schon etwas investieren, um an die richtigen Frauen zu kommen.
 
"Die Transformation schreitet gut voran", bilanziert Klump. Man habe es natürlich als ursprüngliches Beratungsunternehmen mit sehr selbstorganisierten Mitarbeitenden zu tun. Die "Macher-Mentalität" sei eine Stärke, aber zugleich auch eine potenzielle Schwäche. Denn man müsse die Ressourcen bewusst zusammenführen, da die Mitarbeitenden die Ärmel hochkrempeln und die Dinge selbst in Angriff nehmen wollten. Eine der grössten Herausforderungen sei deshalb für Trivadis nach wie vor, 16 eigenständige, relativ geschlossene Einheiten in ein offenes, ganzheitliches Unternehmen zu transformieren, erklärt Campos.
 
Und was heisst eigentlich Führung im agilen Zeitalter, fragt sie rhetorisch. Man wolle bei Trivadis keine Floskeln produzieren, sondern der Veränderung gerecht werden. Campos: "Wir werden nicht nur technische, sondern auch soziale Kompetenzen weiterentwickeln, die in IT-Projekten immer wichtiger werden. Darin haben wir viel investiert."
 
Damit sieht sich das Chef-Gespann gut aufgestellt für die Zukunft: So will man neben dem bereits erwähnten Commitment für Swisscom und Oracle auch zum Microsoft-Azure-Partner Nummer 1 werden. Ein neuer Standort sei im Moment nicht geplant. Man wolle nicht wie früher durch Expansion in neue Länder und Standorte wachsen, sondern durch die Festigung und Ausweitung des innovativen Business, das man initiiert habe, betonen beide. (Thomas Schwendener)