Huawei: Der schwere Weg, die Unschuld zu beweisen

Das Cyber Security Lab von Huawei in Dongguan, China.
Huawei steht mit dem Rücken an der Wand. Der Konzern muss sich deshalb öffnen und mehr Transparenz beweisen. Dazu gehören auch bislang als Tabu geltende Einblicke in Tests und Labors.
 
Der chinesische Telekommunikationsriese Huawei hat seine weltweiten PR-Aktivitäten deutlich ausgeweitet. Hintergrund sind die zunehmenden Bedenken, dass seine TK-Systeme eine Backdoor besitzen, über die die chinesische Regierung die gesamte installierte Infrastruktur abhören, manipulieren oder auch gar abschalten könnte. Die USA haben Huawei bereits von der Liste der TK-Lieferanten gestrichen und fordern Ähnliches von Partnerländern. Der Bann der USA geht inzwischen soweit, dass auch die in den USA beheimateten Huawei-Zulieferer keine Geschäfte mehr mit dem chinesischen TK-Giganten tätigen sollen. Das würde etwa 1200 Zulieferer betreffen, die mit knapp 70 Huawei-Gesellschaften Business betreiben.
 
CEO: "Wir werden unseren Job richtig machen!"
Huaweis sonst eher zurückgezogen agierender CEO und Gründer Ren Zhengfei bestreitet seit Monaten in einer Reihe von Interviews und Podiumsdiskussionen mit ausländischen Medien alle Vorwürfe. Doch er deutete bereits an, dass man sich auf schwere Zeiten vorbereiten muss. In einer E-Mail an die 'Financial Times' schrieb er unter anderem: "Wir werden unseren Job richtig machen." Das wird von Analysten als klares Commitment gedeutet, wonach Huawei mit Hochdruck an seiner US-Unabhängigkeit arbeitet. "Huawei kann seine Zukunft nur dadurch sichern, dass man vom US-Supply unabhängig wird", war der Kommentar von Dan Wang, Analyst bei Gavekal Dragonomics, zu der E-Mail von Zhengfei.
 
Lab-Chef: "Wir haben nichts zu verheimlichen"
Dass die westlichen Bedenken völlig unbegründet seien, wurde in der vergangenen Woche gegenüber einer kleinen Gruppe an deutschen Journalisten wiederholt. "Es gibt in unseren Systemen keine Backdoors für die Regierung", versicherte Wang Jin, Director von Huaweis Cyber Security Lab in Dongguan. Jin hatte sein hermetisch abgeriegeltes Lab für die Journalisten geöffnet, um sie von der Ernsthaftigkeit seiner Aussage zu überzeugen. In diesem Labor können die Huawei-Kunden, also die grossen nationalen TK-Betreiber wie hierzulande Swisscom oder Sunrise die Geräte auf Herz und Nieren testen; auch eine Quellcode-Inspektion ist hierzu möglich. "Wir haben absolut nichts zu verheimlichen – es gibt nirgendwo eine Backdoor", sagte Jin fast beschwörend.
 
Britischer Geheimdienst: "Wir haben nichts gefunden."
Der Vertrauensgewinn ist auch dringend nötig. Vor allem bei 5G will man die Führungsposition weiter ausbauen. Schon jetzt hat man 50 5G-Verträge in 30 Ländern abgeschlossen und insgesamt 150'000 Basisstationen ausgeliefert. Bis Ende dieses Jahres sollen es dann 500'000 sein. Folglich haben schon viele TK-Gesellschaften und sogar Geheimdienste die Huawei-Produkte in den Test-Labors unter die Lupe genommen. "Am härtesten
Huawei öffnet das Cyber Security Lab für Journalisten.
waren die Tests des englischen Nachrichtendienstes GCHQ, sie haben alle erdenklichen Einbruchsmethoden versucht, haben den Quellcode inspiziert und sich genauestens unsere Testprotokolle angesehen", sagt John Suffolk, Huaweis Cyber Security Officer. Doch trotz der immensen Anstrengungen hätten die Engländer keine Backdoor, durch die die Geräte manipuliert werden könnten, gefunden.
 
Hank Stokbroekx, Vice President bei Huaweis Enterprise Group, fordert deshalb mehr Sachlichkeit in den Diskussionen. "In den Niederlanden wurde von der Regierung ein Kriterienkatalog für die Beschaffung der 5G-Infrastruktur aufgestellt. Dieser gilt für alle Anbieter gleichermassen – und an den werden wir uns genauestens halten. So eine Vorgehensweise halte ich für vorbildlich", schwärmt er über die Pläne der Holländer.
 
Auch Zulieferer werden unter die Lupe genommen
Die Tests des Huawei-Labors beziehen sich nicht nur auf die eigenen Geräte und Programme, sondern auch auf die Zulieferer. "Unser erstes Augenmerk richtet sich naturgemäss immer zuerst auf alles das, was uns angeliefert wird und dann von uns verbaut werden soll. Erst wenn wir hundertprozentig sicher sind, dass uns da nichts Gefährliches untergeschoben wird, geben wir grünes Licht für die Nutzung und den Einbau", so Jin weiter. Auch hierzu gebe es umfangreiche Produkttestes die in Zusammenarbeit mit den Lieferanten erarbeitet und ausgeführt werden.
 
Schweiz hält Huawei die Treue
In der Schweiz ist Huawei bereits seit längerem vertreten. Der Hauptsitz befindet sich in Köniz bei Bern, nur einen Steinwurf vom Hauptsitz der Swisscom entfernt. Laut Huawei beschäftigt man in der Schweiz insgesamt 350 Mitarbeiter. Bislang haben sich die Schweizer Telcos loyal gegenüber Huawei geäussert. Sunrise meint, dass die Diskussionen politischer Natur seien und Swisscom sagte, dass man über keine Informationen verfüge, welche die Sicherheitsbedenken gegenüber Huawei untermauern würden. Ähnlich ist die Situation in Deutschland, wo die USA ganz erheblichen Druck ausüben und sogar mit dem Abkoppeln von geheimen US-Informationen gedroht haben. Doch Arne Schönbohm, Präsident des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) gibt sich von dem Drängen der Amerikaner unbeeindruckt. "Für so gravierende Entscheidungen wie einen Bann braucht man Belege, doch diese gibt es nicht", lautet seine Einschätzung der Situation.
 
Die Gerüchteküche brodelt
In Ermanglung an soliden Fakten blühen die weltweiten Spekulationen und Gerüchte über dieses Thema. So gibt es die Ansicht, dass US-Präsident Donald Trump Huawei nur deshalb diffamieren würde, weil die Chinesen nicht bereit seien, Backdoors für den US-Geheimdienst NSA einzurichten. Andere sind der Meinung, dass es sich nur um eine Retourkutsche handelt, weil einstmals Cisco in China mit den gleichen Argumenten verbannt wurde, wie jetzt Huawei in den USA. (Harald Weiss)