Basel-Stadt kämpft mit Software-Problemen

Verschiedene Ämter des Kantons hadern mit Datenbank-Inkompatibilitäten und langen Antwortzeiten bei der Dokumentenerstellung.
 
Auf der Website des Einwohneramtes Basel-Stadt findet sich seit einiger Zeit ein dezenter Hinweis: "Aufgrund eines neuen Software-Systems muss momentan noch mit Verzögerungen und Wartezeiten gerechnet werden."
 
Auf Nachfrage bestätigt man seitens des Amtes, dass es sich um ein grösseres Problem handelt: Betroffen sind die Neuentwicklung einer workflowgesteuerten und durchgängigen elektronischen Geschäftsfallverwaltung sowie die Standardeinwohnerlösung Loganto. Arbeiten sollten mit den Lösungen die Einwohnerämter der drei Gemeinden Basel, Riehen und Bettingen sowie das Migrationsamt, das Amt für Wirtschaft und Arbeit und die Staatskanzlei.
 
Offenbar gibt es verschiedene Baustellen. Mediensprecher Toprak Yerguz nennt gegenüber inside-it.ch die "Faktoren mit der grössten Auswirkung". Dazu zählen lange Antwortzeiten bei der Dokumentenerstellung und die "üblichen" Inkompatibilitäten zwischen verschiedenen Datenbanken. Schliesslich nennt Yerguz als wichtigen Faktor: "Die Komplexität einer Fachanwendung mit mehreren Systemkomponenten unterschiedlicher Softwareanbieter für Workflowsteuerung, Outputmanagement, Dossierverwaltung, Scanning, Dokumentenerstellung, etcetera".
 
Lieferant der Lösung ist Abraxas. Gemeinsam mit dieser habe man eine Bestandesaufnahme durchgeführt und einen Plan für das Einspielen mehrerer Patches erstellt, von denen die ersten bereits eingespielt wurden. "Die Wartezeiten konnten im Vergleich zu den ersten Wochen nach der Einführung bereits wieder verkürzt werden, auch wenn sie noch nicht das Niveau erreicht haben, welches wir uns zum Ziel gesetzt haben", so Yerguz.
 
Loganto wurde von VRSG bis 2014 entwickelt und in die Fusion mit Abraxas eingebracht. Sämtliche Personendaten würden in der Lösung integriert geführt, alle anderen Abteilungen und Dienststellen nutzten die gleichen Daten, schreibt Abraxas. Auf Nachfrage bittet man seitens des IT-Dienstleisters, dass man sich für Auskünfte zu diesem Projekt an den Auftraggeber Kanton Basel-Stadt wende. Das St. Galler IT-Haus hält lediglich fest: "Die Kernapplikation Loganto Einwohner ist als Saas-Lösung bei über 180 weiteren Städten und Gemeinden im Einsatz – ohne Probleme."
 
Von Seiten Basel-Stadt heisst es, dass die neue Lösung etappenweise eingeführt wurde: Start mit dem Modul für das Amt für Wirtschaft und Arbeit im August 2017, anschliessend das Migrationsamt im November 2017 und danach die Einwohnerämter und die Staatskanzlei im Februar 2019. Das Modul für die Einwohnerämter und die Staatskanzlei hätte bereits im Oktober 2018 eingeführt werden sollen, doch es kam zu Verzögerungen. Die neusten Probleme bestehen nun offenbar hauptsächlich seit der Einführung des Moduls für die Einwohnerämter und für die Staatskanzlei. Aber Yerguz beschwichtigt: "Ein Grossteil ist mittlerweile gelöst". (ts)