Armasuisse zahlt 85 Millionen für Hilfe bei der S/4HANA-Transformation

Trotz (oder wegen?) der Grösse des Auftrags gab es nur einen Anbieter in der Ausschreibung.
 
Armasuisse, die Beschaffungsorganisation des VBS, hat Mitte April einen grossen SAP-Dienstleistungsauftrag ausgeschrieben: Für das Projekt "ERP FINBE" wurde ein Dienstleister beziehungsweise eine Bietergemeinschaft gesucht, welche Armasuisse und dem ganzen VBS in den kommenden zehn Jahren bei der Migration auf SAP S/4HANA helfen kann.
 
Die grosse Herausforderung im Bereich SAP Systeme für die gesamte Bundesverwaltung, schrieb Armasuisse in der Ausschreibung, werde die Migration auf die neue Technologie S/4HANA sein. Beim Projekt "ERP FINBE" sollen laut Armasuisse die Supportprozesse im Bereich Finanzen und Beschaffung im Rahmen der betriebswirtschaftlichen Steuerung optimiert werden –- dabei geht es um technische und funktionale Anpassungen in der aktuellen Systemumgebung – und die Integration der Prozesslandschaft in das Rechnungswesen der Armee sichergestellt werden.
 
Gewonnen hat den Auftrag nun eine Bietergemeinschaft, bestehend aus Novo BC als Führer des Konsortiums und BearingPoint Switzerland als Partner. Der Preis beträgt 84,6 Millionen Franken.
 
"Gewonnen" ist allerdings bei dieser Ausschreibung etwas irreführend. Denn obwohl in der Schweiz Dutzende von IT-Dienstleistern aktiv sind gab es laut dem Zuschlag nur eine einzige Offerte für diesen Auftrag.
 
Die Grösse des Auftrags – und die dafür benötigte grosse Zahl an Fachkräften – sowie die lange Vertragslaufzeit dürfte ein Faktor gewesen sein, dass nur eine Bietergemeinschaft wagte, eine Offerte einzureichen.
 
Daneben haben wohl auch die von Armasuisse geforderten Nachweise und einige weitere Klauseln eine Rolle gespielt. So mussten Anbieter zeigen können, dass sie in den letzten fünf Jahren bereits mindestens zwei Projekte im Finanz- oder Beschaffungsbereich erfolgreich durchgeführt und umgesetzt haben, in denen bestehende Prozesse unter SAP R/3 nach S/4HANA transformiert wurden. Angesichts der Tatsache, dass noch nicht sehr viele Unternehmen und Organisationen diese Migration absolviert haben, eine recht hohe Anforderung.
 
Zudem mussten sich die Anbieter nicht nur verpflichten, über die ganze Laufzeit hin genügend qualifiziertes Fachpersonal zur Verfügung stellen zu können. Im Bedarfsfall muss der Anbeter zudem noch in der Lage sein, innert lediglich einer Woche Ersatz bieten zu können. Ein Grund dafür kann beispielsweise längere Krankheit, Kündigung, ein langer Urlaub oder mangelnde Qualifikation einer eingesetzten Person sein. (Hans Jörg Maron)