Zürcher Gemeinde-Software auf dem Prüfstand

Quelle: Publics ICT Umfrage 2019
Das Beratungshaus Publics hat einmal mehr die Qualität von Software und Dienstleistungen für die Gemeinden im Kanton Zürich untersucht.
 
Wie vor drei Jahren hat der IT-Berater Publics auch dieses Jahr wieder bei den Gemeinden im Kanton Zürich die Anzahl und Qualität der Hauptanwendungen sowie die Anzahl und Qualität der IT-Dienstleister abgefragt. Von den gemäss der IG ICT-Mitgliederliste angefragten 149 Gemeinden haben 79 oder gut die Hälfte (53 Prozent) den gesamten Fragebogen ausgefüllt.

Abgefragt habe man diesmal auch die Anzahl der Endgeräte, schreiben die Spezialisten, die Städte, Gemeinden, Schulen und öffentliche Institutionen herstellerunabhängig bei Ausschreibungen, Projektcontrolling und Verträgen beraten.
 
Am Ende hätten "verblüffend ähnliche" Resultate wie 2016 gestanden, heisst es in dem Papier, dass inside-it.ch vorab vorliegt. Gleichwohl zeigen sich bei genauer Betrachtung insbsondere in Sachen Zufriedenheit markante Unterschiede.
 
Vorab zu den Gerätezahlen: In den meisten Gemeinden (40 Prozent) werden maximal 20 Endgeräte betrieben. Weitere 20 Prozent unterhalten bis 50 und 15 Prozent bis zu 100 Endgeräte. 22 Prozent verfügen über grössere Infrastrukturen mit zwischen 100 und 500 Endgeräten und nur die restlichen drei Prozent der Befragten gaben an, über mehr als 500 Devices zu verfügen. Übrigens bevorzugen die meisten Gemeinden (64 Prozent) noch den Einkauf der Hardware. Mehrheitlich auf Mietmodelle setzen erst 30 Prozent.
 
Publics folgert aus diesen Zahlen, dass die zumeist eher kleinen IT-Volumen in den Gemeinden "zwingend auf externe Unterstützung bis hin zum Fulloutsourcing angewiesen" sind. Dabei sei zu beachten, dass zwar die Vor- und Nachteile von intern verfügbaren IT-Ressourcen immer wieder diskutiert würden, doch existiere für den richtigen Entscheid bisher kein Patentrezept.
 
Allerdings brauche "jede Organisation zumindest für das Management der Ressourcen (Budget, Zahlungen) internes Personal. Und auch die Grössten können nicht alles selber machen und müssen für 2nd Level Support, Systemsupport, Systembau und so weiter oft Externe beiziehen."
 
Das sei deshalb "völlig ok so", weil die "Systeme so kompliziert geworden sind, dass kein Team allein alles verstehen kann", resümieren die Studienverfasser.
 
Marktanteile: Software-Anbieter
Bei den Hauptanwendungen hiess es 2016 noch, dass Nest/Abacus, Ruf und VRSG praktisch gleich viele Kunden haben und sich den Markt fast gleichmässig teilen. Das hat sich inzwischen nicht zuletzt durch die Übernahme der Ruf-Produkte GeSoft und WWSoft durch Axians und die Fusion der VRSG mit Abraxas deutlich verändert. Während Nest/Abacus rund sechs Prozent Marktanteil verliert und heute noch bei 31 Prozent der Zürcher Gemeinde zum Einsatz kommt, haben die beiden Ruf-Produkte 11 Prozent eingebüsst. Auch unter Axians, die bisher im Kanton Zürich nicht vertreten war, haben die Ruf-Produkte "weiter Marktanteil verloren" und kommen heute noch auf je zehn Prozent für GeSoft und WWSoft. Vor drei Jahren hatte noch 13 Prozent der Gemeinden auf GeSoft und 18 Prozent auf WWSoft gesetzt.
 
Gewinner bei den Marktanteilen sei Abraxas/VRSG mit heute 46 Prozent, da VRSG "während der grossen Ablösewelle von Ruf-Produkten meistens die Nase vorn" hatte. Das sei "aber alles noch vor der Fusion" gewesen. Bemerkenswert ist zudem, dass auch die Lösungen der Dialog Verwaltungs Data profitieren konnten und inzwischen drei Prozent am Zürcher-Markt
Quelle: Publics ICT Umfrage 2019
halten.
 
Zufriedenheit: Software-Anbieter
Einigermassen ernüchternd stellt Publics zunächst einmal fest, dass die "Zufriedenheit mit den Hauptapplikationen noch nie sehr hoch" war und erklärt: "In einem so engen Markt mit so wenigen Anbietern ist die Konkurrenz offenbar nicht gross genug, um Spitzenleistungen hervorzubringen".
 
Nest/Abacus sei "jetzt allein an der Spitze, trotz Verlusten gegenüber 2016": Die "andern waren einfach noch schwächer", interpretiert die Studie folgende Ergebnisse.
 
So kommen auf der Schulnotenskala nur Nest/Abacus und Dialog mit den Noten 4,6 und 4,5 auf noch halbwegs gute Resultate. Abraxas/VRSG hingegen sei von der Note Sehr Gut (5,3) auf vier regelrecht eingebrochen. Es liege jetzt mit den Axians-Ruf-Produkten gleichauf, die "schon 2016 das Schlusslicht bildeten". Bei Abraxas sei hauptsächlich die neue FIS-Finanzlösung, vor allem auch im Zusammenhang mit der HRM2-Umstellung kritisiert worden. "Zusätzlich sei auch der Support seit der Fusion schlechter geworden", schreibt Publics.

Marktanteile: Dienstleister
Ganz anders sehe die Situation bei den Dienstleistern aus. Die Anbieterauswahl sei erheblich grösser, was sich am insgesamt breiteren Angebot ablesen lasse. OBT bleibe mit 18 Prozent (minus zwei Prozent) Marktleader. Fasst man die Angaben zu Axians und Axians/Ruf zusammen, folgt Axians auf Platz zwei mit 15 Prozent (plus fünf Prozent). Dann platziert sich Caddline mit elf Prozent (plus zwei Prozent) auf Platz drei. Abraxas /VRSG kommen auf neun Prozent (plus vier Prozent) und ihnen folgt das Wetziker RIZ mit acht Prozent (plus vier Prozent). Dann folgen diverse kleinere Anbieter, wobei hier insbesondere Baggenstoss mit zwei Prozent Marktanteil und Dynawell mit vier Prozent erwähnt seien.
 
Zufriedenheit: Dienstleister
Denn diese beiden Dienstleister erhielten in der Befragung die Bestnote sechs. "Das bedeutet, dass alle, wirklich alle antwortenden Kunden, sehr zufrieden sind mit den Leistungen".
 
Baggenstos, Dynawell und Caddline mit der Note 5,8 seien zwar früher schon sehr gut gewesen, "jetzt sind sie noch besser geworden". Auch das RIZ auf Platz vier habe sich gegenüber 2016 sehr gesteigert.
 
OBT hingegen blieb stabil bei der Note 4,9: "Kein Spitzenwert, aber eine sichere Sache", wertet Publics. Weiter heisst es dann, Abraxas/VRSG habe sich etwas verbessert, offenbar hätten sich "die Dienstleistungskunden im Kanton Zürich unterdessen stabilisiert".
 
Unerwartet tief bewertet worden sei hingegen AXC: "Nach einem schnellen und erfolgreichen Markteintritt im Kanton Zürich konnten die Qualitätserwartungen offenbar nicht erfüllt werden. "Nur noch Ruf zusammen mit dem Nachfolger Axians habe schlechtere Noten erhalten. Von einem sich nach der Übernahme abzeichnenden Wandel sei "hier noch nichts sichtbar".
 
Kurz zusammengefasst heisst es in dem Papier, die "besten Anbieter sind die Unabhängigen, die nicht nur im Zusammenhang mit einer bestimmten Hauptanwendung arbeiten".

Das Fazit der Publics-Umfrage deutet sich bereits im Titel an: "Der Markt ist in Bewegung - nicht nur zum Guten". So heisst es denn bei der Autorengruppe um Theo Altorfer: "Ein Niedergang (Ruf) kann (hoffentlich) gestoppt werden durch eine Übernahme, während eine andere Übernahme (VRSG) eher in die gegenteilige Richtung verläuft. Und alte Hasen, die ständig mit den Qualitätsbewertungen haderten (RIZ), spielen wieder in der Spitzengruppe mit." (vri)