"Das Raiffeisen-Projekt war für uns sehr wertvoll"

Ein Tag, viele Ankündigungen von Avaloq. (Foto: zvg)
An der Community-Conference zeigte Avaloq die Roadmap und CEO Jürg Hunziker beantwortete Fragen. Zu vermerken gab es prominente An- und Abwesende.
 
"Future Ready" ist ein Schlagwort, dass Avaloq gut mag und häufig einsetzt. Es wurde denn auch am "Community Day" fleissig ins Blickfeld der Avaloq-Kunden projiziert. "Zukunftsfähig" ist ein "Zuckerbrot- und Peitsche"-Begriff und das Avaloq-Marketing dürfte befriedigt konstatiert haben, dass genau an diesem Tag ihre Bankkunden ein Zuckerbrot erhielten – der SMI knackte erstmals die 10'000er Marke – und die Peitsche: Facebook erläuterte der gestressten Finanzwelt, wie man mit "Libra" das Bankensystem aushebeln will.
 
"Zukunftsfähig" sei man inzwischen auch selbst geworden, so die Kernbotschaft zum Eingang von CEO Jürg Hunziker und der abschliessenden Keynote von Gründer Francisco Fernandez.
 
Zu den Argumenten, die für Avaloq sprechen, zählt Hunziker die jüngere Vergangenheit (fünf Neukunden 2018, den Einstieg ins Crypto- und Blockchain-Thema), aber auch die grossteils umgebauten eigenen Lösungen.
 
Im Gespräch mit inside-it.ch antwortete Hunziker auf die Frage, ob er mit fünf Neukunden zufrieden sei und warum: "2018 war ein erfolgreiches Jahr, in dem wir unsere starke Entwicklung fortgesetzt haben – und auch 2019 nimmt mit dem Go-Live der Raiffeisen sowie interessanten Neukunden in der Schweiz, in Asien und Europa einen erfreulichen Verlauf."
 
Insbesondere habe man den Schritt, so Hunziker, vom klassischen Lizenz-Business zum Service-Business geschafft. "80 Prozent der potentiellen Neukunden, die uns kontaktieren, sind an BPaaS oder SaaS interessiert – das heisst, wir haben zum richtigen Zeitpunkt auf die Service-Strategie gesetzt und in der Schweiz, der EU und Asien früh die nötige Maturität erreicht. Wir haben in unseren Service-Zentren die Voraussetzungen geschaffen, um weiter zu skalieren, zum Beispiel auf technischer Ebene", erklärt Hunziker. Vor zwei Jahren noch seien es nur 20 Prozent gewesen.
 
Dabei steht, wenn man den Chef hört und den Tag dabei war, das Wealth-Management-Segment im Fokus von Avaloq. Dies sei der Wachstumsmarkt für eine Bank, argumentiert Hunziker und weniger anfällig für Disruption als Retailbanken.
 
Gleichzeitig sieht sich der Software-Anbieter mehr und mehr in der Rolle eines Banken-Partners, der Industrie- und Businessmodelle transformieren hilft, und wirft eigene Strategieideen ins Publikum: Die Banken müssten Vermögensverwaltung demokratisieren, legt man den mehreren Hundert Kunden und Partnern ans Herz. Demokratisieren heisst dabei primär, dass man sich nicht nur auf die Reichen und Superreichen konzentriere, sondern Jüngere als Kunden akquiriere. Das seien die künftigen Reichen und die Akquise koste weniger.
 
Neben gerade aktuellen IT-Ansätzen ("Design Thinking", Microservices) soll auch das Ökosystem dazu den Vermögensverwaltern dazu verhelfen, für Millennials attraktive Services bieten zu können.
 
Ein prominenter Anwesender
Ziel ist es, die Avaloq-Kunden mit allen Tools auszurüsten, die sie irgendwann benötigen könnten, und alles nahtlos miteinander verknüpft und integriert. Auch die Kunden sollen mit ihrer Bank interagieren können wie mit einem Smartphone und dem App-Store.
 
Unter dem Namen "avaloq.one" sind nun von Avaloq geprüfte Fintechs und deren Lösungen auf einer Plattform verfügbar, ein "Web Banking Store" wird angekündigt. Was heisst das konkreter? Ist der Store nur nutzbar, wenn die Bank alles von Avaloq hat? Wenn sie beispielsweise Avaloq Core und Crealogix-E-Banking hat, aber nicht? "Der Web Banking Store ist eine langfristige Vision und als fester Bestandteil unserer Web-Banking-Funktionalität gedacht. Wenn ein anderes E-Banking im Einsatz sein sollte, müsste grundsätzlich der Anbieter dieses Systems die Funktionalität ermöglichen", erklärt ein Avaloq-Vertreter dazu.
 
Technisch sei man sehr weit, so die Botschaft am Kundentag in Präsentationen. Die Core-Plattform ist SaaS- und Cloud-Ready. Man betreibe die Core-Plattform u.a. im SaaS in Produktion für mehrere Kunden und für den Bereich BPaaS (wie "BPO" bei Avaloq heisst) arbeite man mit IBM im Private-Cloud-Bereich. "Bis Ende 2019 werden wir 90 Prozent der Avaloq Core Daten und Funktionalität – inklusive der Kundenerweiterungen – als REST APIs zur Verfügung stellen. Unsere neuen Microservices haben alle komplette REST APIs," so die Kurzfristplanung.
 
Gerade im Cloud-Bereich konstatierte man einen prominenten Anwesenden: Google-Cloud, soeben als Finma-konform erklärt, nämlich war als Event-Sponsor und an einem kleinen Stand vertreten. Man habe ein gemeinsames Kundenprojekt, so die Begründung. Was wie wo wann? Die beiden Partner halten sich bedeckt: Das Projekt sei relativ klein und, so Hunziker, "die Zusammenarbeit steht noch am Anfang. IBM Schweiz ist wie angekündigt unser Partner für die 'Banking Cloud', die wir in der Schweiz und in Asien aufbauen". Zu anderen Public-Cloud-Partnerschaften, sei es Azure oder Oracle, gab es nichts zu sagen.
 
"Kein ganz neues Geschäftsfeld"
Auf der Roadmap, so zeigt sich, will man künftig auch mit Data Analytics und Machine-Learning-Dienstleistungen Geld verdienen. "Wir investieren viel Geld", heisst es dazu auf der Bühne und kündigt für das vierte Quartal eine "Data Insights"-Plattform an. Bauen Sie damit ein neues Service-Geschäftsfeld/Profitcenter auf? CEO Hunziker sagt: "Wir werden unsere Lösungen in Zukunft erweitern und damit unseren Kunden ermöglichen, die hervorragende Datenqualität und -konsistenz unserer Lösungen noch zielgerichteter einzusetzen. Das wird mit der Data Insights Plattform beginnen. Das ist kein ganz neues Geschäftsfeld – aber eine wichtige Weiterentwicklung."
 
Auch im Cryptobereich kündigt Avaloq an, wolle man rasch vorankommen: Ende 2019 soll Avaloq Crypto-Assets managen können, dank einem Projekt mit Metaco und der Gazprombank Schweiz.
 
Drittes auffälliges Projekt ist etwas, was Avaloq etwas rätselhaft "Hotcopy" nennt und nach "Copy-Paste" für eine Standardbank klingt. "Kurz gesagt, lässt sich das Gerüst einer bei einer Bank schon bestehenden SaaS- oder BPaaS-Lösung in sehr kurzer Zeit 'kopieren' und mit den Daten einer neuen Bank beleben – insofern passt der Begriff 'Standardbank' recht gut. Dies ist eine Methode, eine Bank sehr schnell live zu bringen. Auch wenn eine Bank unsere Lösung z.B. in einem neuen Land oder Geschäftsbereich schnell in Betrieb nehmen möchte, ist eine Hotcopy eine gute Option", erklärt ein Avaloqvertreter. "Sehr schnell" heisse neun bis zwölf Monate, wird versprochen.
 
Ein grosser Abwesender
Einen grossen Abwesenden gab es: Raiffeisen. Natürlich lobte man sich selbst in ein, zwei Sätzen für das Projekt "Rainbow". "Wir sind sehr stolz und jetzt ist es vorbei", heisst es bei Avaloq zum einen. Zum anderen hat sich Avaloq das geistige Eigentum ("IP") gesichert und Raiffeisen das Nutzungsrecht erhalten. Ausser der Aufforderung "Request a Demo" in einem 30-Sekundenvideo erhält Raiffeisen viel weniger Präsenzzeit als Blockchain beispielsweise. Was nun, ausser Eigenlob und Erleichterung?
 
Was macht Avaloq nun mit der IP? Wer sind Ihre Zielmärkte dafür? Wie hoch gewichtet Avaloq dies im Vergleich zu Blockchain als Geschäftsfeld? "Das Raiffeisen-Projekt war für uns sehr wertvoll, weil wir einerseits noch mehr Erfahrung im Retail-Banking-Bereich gesammelt haben, aber auch was Grösse und Komplexität angeht. Das ist in allen unseren Märkten ein Vorteil. Das gilt auch für Crypto-Fähigkeit – das braucht es einfach, um unsere Kunden zukunftsfähig zu machen", antwortet CEO Hunziker.
 
Da wäre es dann wieder, das magische Wort: "Zukunftsfähig". (Marcel Gamma)