HPE weist den Weg zum voll autonomen Rechenzentrum

Antonio Neri über das neue Greenlake und neue Storage-Lösungen (Foto: Harald Weiss)
Mit Primera setzt HPE neue Massstäbe beim Storage. Die Systeme kontrollieren sich selbst, und darüber hinaus die gesamte Systemumgebung. Ausserdem folgt HPE mit Greenlake vergleichbaren On-Prem-Angeboten. Das zeigte sich in Las Vegas.
 
HPE hat auf der "Discover"-Kundenveranstaltung in Las Vegas auf zwei Gebieten bedeutende Ankündigungen getätigt: die neue Storage-Familie Primera sowie eine Erweiterung des Greenlake-Angebotes.
 
Besonders interessant ist die neue Storagefamilie Primera. Herausragend ist zunächst die Verfügbarkeit, die von HPE mit 100 Prozent garantiert wird. Darüber hinaus nutzt Primera die Monitordaten von InfoSight, mit denen Primera auch Probleme erkennen kann, die ausserhalb des eigenen Systems angesiedelt sind. "90 Prozent aller Probleme treten oberhalb der Storage-Ebene auf, also im Netzwerk, den Servern oder der Virtualisierung. Mit der integrierten KI-basierten InfoSight-Software kann Primera auch potenzielle und echte Schwierigkeiten in diesen Ebenen erkennen und umgehend vorbeugende Massnahmen anstossen", erläuterte Milan Shetti, Senior Vice President für den Storage-Bereich, den Leistungsumfang der neuen Plattform. "Unsere Speicher-Einheiten schauen sich inzwischen sehr genau die Daten an, die darauf abgelegt werden; wir können heute bereits anhand von Datenmustern erkennen, zu welchen Applikationen diese Daten gehören", sagte Till Stimberg, Director Hybrid IT Category für die DACH-Region.
 
Basierend darauf erkennt das System beispielsweise Flaschenhälse in den Einstellungen. "Wir geben konkrete Handlungsempfehlungen an das RZ-Management. Beispielsweise darüber, wie der Hypervisor, die CPU oder der Hauptspeicher konfiguriert werden sollten, um mehr Leistung zu erzielen“, so Stimberg weiter. Ziel sei es, auf diese Art einem voll autonomen Rechenzentrum näher zu kommen.
 
Greenlake für die On-Prem-Cloud
Der zweite bedeutende News-Bereich an der HPE-Messe betraf die Greenlake-Plattform. "Ab 2022 werden wir unser komplettes Produkt-Portfolio 'as-a-Service' anbieten", sagte HPE-CEO Antonio Neri. Dieses auf Greenlake basierende Angebot ist ähnlich dem, was Dell EMC mit "VMware Cloud on Dell EMC" und Amazon mit "Outposts" bereits vorgestellt haben.
 
Es gibt aber ein paar Unterschiede: Bei AWS wird On-Prem die gleiche Hard- und Software eingerichtet, die auch in der AWS-Cloud verfügbar ist. Das bedeutet eine völlig friktionslose Verschiebung von Anwendungen zwischen On-Prem und der AWS-Cloud. Bei Dell EMC kommt On-Premise nur bei deren Hardware zum Einsatz und Verschiebung von Anwendungen erfolgt über VSphere.
 
HPEs Ansatz ist unabhängiger und basiert auf nahezu gleichartigen Kooperationen mit Google, Microsoft und Amazon. "Die Kunden wollen Wahlfreiheit – vor allem, wenn es um den Auf- und Ausbau von Multicloud-Umgebungen geht", nennt Neri als Grund für die eher lockere Anbindung an die drei grossen Cloud-Plattformen.
 
In einem Punkt sind die Angebote von Amazon, Dell und HPE aber gleich: Eine Volumen-basierte Abrechnung von On-Prem-Leistungen kann nicht die Flexibilität einer echten Public-Cloud bieten. "Wer kurzfristig für eine Gen-Analyse 6000 Server für ein paar Stunden benötigt, kann das nicht mit Greenlake lösen", sagt Flynn Maloy, Vice President für das Service-Marketing bei HPE. So bedeutet eine Volumen-basierte Abrechnung, dass sich die Nutzung innerhalb einer vorher fest vereinbarten Bandbreite bewegt.
 
Auch ein direkter Preisvergleich auf Instances- oder Terabyte-Basis ist nicht möglich, denn die Volumen-basierten In-House-Preise beziehen sich nur auf die IT-Nutzung – nicht aber auf die damit einhergehenden Infrastrukturkosten, wie Strom, Klima und Räumlichkeiten. Alle damit verbundenen Fixkosten trägt der Kunde selbst.
 
Demgegenüber sind in den Cloud-Preisen alle diese Kosten enthalten. Somit fällt ein direktes Gegenüberstellen der Volumen-Preise immer zu Gunsten der In-House-Lösung aus.
 
Greenlake für KMUs
Greenlake ist bereits seit anderthalb Jahren im Markt wurde aber bislang hauptsächlich bei Grossunternehmen eingesetzt. Jetzt will HPE auch die kleineren und mittleren Unternehmen für Greenlake gewinnen. So kommt auch eine abgespeckte Version auf den Markt, mit der HPE nicht nur die KMUs, sondern vor allem auch den Channel für Greenlake gewinnen möchte. "Wir konnten soeben den ersten Greenlake-Auftrag gewinnen, und drei weitere sind noch in der Pipeline", sagt René Pfister vom Schweizer HPE-Partner Business IT und bestätigt damit die HPE-Strategie. (Harald Weiss)