Inventx steigt mit KPT in den Syrius-Markt ein

Gregor Stücheli, Inhaber & Geschäftsführender Partner, Inventx.
Mit dem grossen Krankenversicherer als Erstkunden will Inventx gegen Swisscom und Centris antreten. Inhaber Gregor Stücheli erklärt die Hintergründe.
 
2018 kündigte KPT an, von CA Technologies auf Syrius von Adcubum wechseln zu wollen. Nun ist klar, wer Syrius betreiben soll und das ist eine Überraschung. Inventx werde den Aufbau, das Application Management und den Betrieb von Syrius und dessen Umsystemen übernehmen, so eine Mitteilung.
 
Unseres Wissens ist Syrius noch nicht wirklich cloudfähig, soll aber mit dem nächsten Release in Containern ausgeliefert werden können. Zudem ist Inventx im Krankenversicherungsmarkt ein neuer Player. "Inventx baut im Rahmen des KPT-Projektes PaaS für Syrius auf", erklärt Gregor Stücheli am Telefon. "Das Projekt beinhaltet Transition Services, Migrationsservices, die Infrastruktur und das Datenbank- und App-Management", präzisiert der Inventx-Inhaber und geschäftsführende Partner.
 
Noch ist man bei KPT und bei Inventx noch am Anfang eines länger dauernden Projekts. "Aktuell haben wir eine Auslegeordnung und Vorbereitungs-Workshops gemacht und Varianten diskutiert. Aber es ist noch nicht final definiert, wie die Schnittstelle KPT-Inventx genau aussieht. Die Aufteilung wird so sein, wie es für KPT Sinn macht", so Stücheli. In maximal sechs Monaten werde die Aufteilung detailliert definiert sein.
 
Die neuen Partner gehen auch nicht mit dem ersten Release des neuen Syrius völlig in die Cloud, die neue KPT-Kernversicherungslösung werde nach und nach cloudfähig.
 
Ostern 2021, so der Plan, will man produktiv gehen, und vermutlich in einer Hybrid-Variante. "Unsere Cloud-Infrastruktur ist spezifisch auf die Bedürfnisse von stark regulierten Branchen ausgerichtet. Sie ist so aufgebaut, dass das Monitoring von klassischer IT und Cloud bei Inventx zusammengeführt wird", sagt Stücheli, "denn in der Corporate IT werden wir noch lange diese Co-Existenz sehen". Entsprechend wirbt Inventx mit hybridfähigen Lösungen um Kunden.
 
Schon heute weiss Inventx, dass man für das KPT-Projekt die hauseigene DevOps-Plattform ix.AgileFactory einsetzen kann, sobald Syrius cloudfähig ist.
 
KPT ist ein spezieller Kunde für Inventx, denn die Krankenkasse bedeutet gleichzeitig den Markteintritt der St. Galler in einen neuen Markt. Entsprechend stolz zeigt sich Stücheli, dass man sich im Pitch als "Nobody" durchsetzen konnte und dies mit einer Standard-Software, welche für beide Unternehmen Neuland ist.
 
Wer verloren hat, ist unbekannt, man darf Centris und Swisscom vermuten.
 
Beide neuen Partner müssen und wollen nun Syrius-Know-how aufbauen. Inventx kündigt an, ein "Application Management Competence Center" für Syrius zu lancieren. "Wir werden signifikant in den branchenspezifischen Wissensauf- und -ausbau investieren", so die Firma. Damit will man fähig werden, nicht nur Application Operations zu bieten, sondern den fachlichen Betrieb von Syrius samt Parametrisierung und Badge-Steuerung. "Das ist unser USP", erklärt Stücheli. "Wir wollen nicht nur physischer näher am Kunden sein, sondern den Kunden viel enger involvieren und unsere automatisierten Schnittstellen nutzen".
 
In anderen Worten, KPT soll "nur" der erste Syrius-Kunde von mehreren werden? "Ja! Wir sehen das in einem zehn-Jahres-Horizont", so Stücheli. "Das Center soll Synergien bieten. Es ist vergleichbar mit Avaloq- oder Finnova-Modellen." Entsprechend wäre es für Inventx interessant, wie Swisscom und Centris ein "Trusted Full Service Providing Partner" von Adcubum zu werden? "Ja, das ist die Zielsetzung", bestätigt Stücheli.
 
"Dann bin ich extrem zufrieden!"
Was macht denn den Syrius-Markt so interessant? "Syrius hat 12 Kunden! Wenn wir nur einen Teil von ihnen dank einem erfolgreichen KPT-Projekt von uns überzeugen können, dann bin ich extrem zufrieden!", ruft Stücheli ins Telefon.
 
Aber hat Inventx eine Chance gegen heutige Syrius-System-Betreiber, im speziellen Centris und Swisscom? "Im Bankenmarkt haben wir mit vier Banken angefangen, heute sind es 38 Kunden. Auch wenn das abgedroschen klingt: Wir sind äusserst kundenorientiert und agil. Genau deswegen kamen wir in unserem Kernmarkt gegen andere Provider so weit, wie wir es geschafft haben. Bei Krankenkassen ist noch Platz für einen dritten Provider."
 
Technologische und regulatorische Grundlagen seien bei der eigenen ix.Cloud integriert, betont er. Mit dem Kunden Swiss Life, Azure im eigenen RZ und zertifizierten Engineers habe man diese erarbeitet. Und in Sachen Datenvertraulichkeit und Datenintegrität, für Versicherungen zentral, sei man ebenso fit. Dank den Bankkunden muss Inventx sowieso höchste Verfügbarkeit bieten können.
 
"Inventx erfüllt bereits heute die spezifischen Anforderungen an einen Outsourcer im Bereich der Datenverarbeitung mit sensiblen Daten. Im Rahmen der Angebotsphase wurden diesbezügliche Abklärungen mit Bezug der Krankenversicherungsbranche vorgenommen. Mit den heutigen eingesetzten Mitteln können somit auch die spezifischen Vorgaben vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) erfüllt werden," fügt Stücheli an.
 
Er hat mit Inventx auch schon weitergehende Pläne. "Mittelfristig will die Firma eine "Open Health Insurance Plattform" aufbauen, um nach dem Vorbild des Finanzsektors InsurTech-Integrationen anbieten zu können. Für die kommenden ein bis eineinhalb Jahre aber will man die Syrius- und Cloud-Transformation von KPT, eine der zehn grössten Krankenkassen der Schweiz, erfolgreich umsetzen. "KPT ist unser Hauptfokus, wenn wir das gut machen, werden wir auch weitere Krankenkassen überzeugen." (Marcel Gamma)