Huawei Schweiz weist US-Vorwürfe zurück

Huawei Schweiz hat Vorwürfe von US-Aussenminister Mike Pompeo zurückgewiesen, wonach China durch das Telekomunternehmen in der Schweiz Spionage betreibe. Die Vorwürfe seien absurd, erklärte der Vizepräsident von Huawei Schweiz, Felix Kamer, gegenüber 'Le Temps'.
 
Pompeo hatte in einem Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung' die Schweiz vor den Risiken bei einer Annäherung mit China gewarnt. "Wenn China Ihnen Informationstechnologie anbietet, sollten Sie sich bewusst sein, dass der entsprechende Hersteller von Mitgliedern der Kommunistischen Partei kontrolliert wird", hatte er erklärt.
 
Falls die Schweiz chinesische Technologie verwende, so der US-Aussenminister in der 'NZZ', lieferten die Schweizer ihre Informationen direkt an die Kommunistische Partei Chinas. "Da gibt es keine Privatsphäre", mahnte Pompeo.
 
Felix Kamer reagierte im Interview mit der Westschweizer Tageszeitung: "Niemand hat Zugang zu den Daten, die über unsere Telekommunikationsgeräte übertragen werden: weder wir noch Dritte. Wir haben noch nie eine Hintertür in unsere Geräte und Software eingebaut, um einen solchen Zugang zu ermöglichen, das macht keinen Sinn."
 
Es gehe hier um einen von den USA begonnenen Handelskrieg, so Kamer weiter. "Wir sind in ständigem Kontakt mit unseren Kunden in der Schweiz, um sie laufend über die aktuelle Situation zu informieren. Die grössten von ihnen haben volles Vertrauen in uns."
 
Zur Strategie von Huawei sagte Kamer: "Wir entwickeln seit etwa zehn Jahren über unsere Tochtergesellschaft HiSilicon eigene Chips und verfügen über eine starke interne Erfahrung. Wir werden uns einem amerikanischen Embargo widersetzen, sei es bei der Soft- oder der Hardware."
 
Während Australien und Neuseeland Huawei vom Aufbau ihrer 5G-Netze ausgeschlossen haben und Grossbritannien einen Entscheid vertagt hat, kooperiert nun Russland mit dem chinesischen Unternehmen. Dieses soll demnach in diesem und nächsten Jahr beim Pilotstart des schnellen 5G-Datennetzes in Russland helfen. Eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnete der russische Telekom-Anbieter MTS mit Huawei.
 
Huawei Schweiz Vizepräsident Kamer sieht die Mitarbeit von Huawei am Schweizer 5G-Netz nicht in Gefahr: "Der Geheimdienst des Bundes hat kürzlich gegen ein Verbot von Huawei entschieden. Unsere Position zur Cybersicherheit ist sehr stark."
 
Weiter betonte Kamer erneut das beabsichtigte Engagement von Huawei in der Schweiz: "Wir werden mit der ETH Zürich, der EPFL und anderen Universitäten zusammenarbeiten, um Forschungsprojekte in den Bereichen Physik, Nanotechnologie, Materialien und künstliche Intelligenz zu starten. In der Schweiz wird es kein einzelnes Huawei-Forschungszentrum geben, sondern Projekte im ganzen Land." (paz/Keystone-sda)