Ist das der Turnaround bei Oracle?

Oracle schliesst eine weitgehende Cloud-Partnerschaft mit Microsoft und verbindet seine Plattform mit Azure.
 
Erst letzte Woche wurden aus dem Hause Oracle weitere Entlassungen im Cloud-Bereich vermeldet. Dies nachdem schon länger darüber berichtet wird, dass es beim Datenbank-Giganten im Cloud-Geschäft klemmt. Nun könnte sich eine Wende abzeichnen: Oracle hat nämlich mit Microsoft eine Partnerschaft geschlossen. Künftig sollen Kunden die Cloud-Dienste der beiden Tech-Konzerne nahtlos miteinander verbinden können. Seitens der Konzerne spricht man gar von einem One-Stop-Shop für alle nötigen Services.
 
Konkret sollen die beiden Plattformen über eine direkte Netzwerkverbindung und eine gemeinsames Identity- und Access-Management verbunden werden. Dadurch soll nicht nur die Migration vereinfacht, sondern auch die Kombination von Cloudangeboten ermöglicht werden. Als Beispiel nennt Microsoft in einer Mitteilung die nahtlose Verbindung von Azure Services wie Analytics und KI mit Oracles Autonomous Database. Auch sollen etwa Oracle-Anwendungen wie JD Edwards oder die E-Business-Suite problemlos in Azure genutzt werden können, verspricht Microsoft.
 
Zum Start wird es erstmal im Osten der USA eine schnelle Netzwerkverbindung geben, wo das Oracle-RZ Ashburn mit Azure US East connected wird. Weitere Regionen sollen folgen, für Europa wurde noch nichts Konkretes preisgegeben.
 
Für Microsoft ist die Kooperation vor allem als Ausweitung ihrer Partner-Landschaft zu sehen. Die Nummer Zwei im Cloud-Bereich pflegt etwa mit SAP, Adobe aber seit Mitte Mai auch mit Sony Partnerschaften. Für Oracle bedeutet die Kooperation aber mehr: Denn der Datenbank-Spezialist erhält Zugang auf die Cloud-Infrastruktur eines der Hyperscaler.
 
Dies könnte auf einen Strategie-Wechsel hindeuten. Bislang hatte man seitens Oracle immer betont, dass man mit den Hyperscalern AWS, Azure und Google mithalten wolle und könne. Der Konzern hat aber nie wirklich Luft unter die Flügel gekriegt und wird in den Analysten-Zahlen unter die Kategorie "andere" subsumiert.
 
Gerüchten zufolge soll es über die Strategie Uneinigkeiten gegeben haben: Als etwa Cloud-Chef Thomas Kurian im November das Unternehmen verlassen hatte, hiess es, dass er Oracle-Applikationen über konkurrierende Cloud-Anbieter verkaufen wollte. Dagegen habe sich aber Larry Ellison damals gewehrt. Offenbar soll dies nun aber mit der neusten Partnerschaft doch geschehen.
 
Aus gut unterrichteten Kreisen ist zu vernehmen, dass sich Oracle im August für eine Schweizer Cloud bei Equinix einmieten will. Keines der beiden Unternehmen wollte die Informationen bestätigen. (ts)