Bechtle kauft jetzt auch Alpha Solutions

Mit der Übernahme der St.Galler mutiert der deutsche IT-Dienstleister zu einem der grössten ERP-und CRM-Spezialisten in der Schweiz.
 
Bechtle baut hierzulande seine Position im Microsoft-Dynamics-Markt deutlich aus. Mit Alpha Solutions verfügt der deutsche IT-Dienstleister und -Händler nun über fast 140 Mitarbeitende im ERP- und CRM-Umfeld. Das, nachdem bereits Anfang 2018 der Horgener ERP-Spezialist Acommit übernommen worden war. Damit spielt Bechtle in diesem Marktsegment in der Schweiz nun in der gleichen Liga wie etwa Boss Info, von der soeben erst der NAV-Spezialist Daneco übernommen wurde.
 
Wie Bechtle mitteilt, verlässt mit der Akquisition Daniel Popp, der Alpha Solutions im Jahr 2000 gründete und Mehrheitsaktionär war, das Unternehmen. Popp habe mit dem Verkauf eine Nachfolgelösung gefunden. Der 2003 zu Alpha Solutions gestossene und seit 2012 als Geschäftsführer amtende Stefan Heim bleibe hingegen weiter an Bord. Auch der Firmenname bleibe erhalten, schreibt Bechtle, man wolle sich mit dem "ausgezeichneten Spezialistenteam sowohl regional wie auch fachlich" verstärken, heisst es aus der Chefetage des neuen Besitzers.
 
Alpha Solutions hat zuletzt einen Umsatz von 11,2 Millionen Franken erzielt und beschäftigt 74 Mitarbeiter in St. Gallen und Zürich. Zum Verkaufspreis wurden keine Angaben gemacht. Acommit beschäftigte bei der Übernahme rund 60 Mitarbeitende und hatte 2017 einen Umsatz von 14 Millionen Franken erwirtschaftet.
 
Wie Heim in einem kurzen Telefonat mit inside-channels.ch erklärt, würden zwischen den beiden nun zu Bechtle gehörenden Dynamics/NAV-Spezialisten nur relativ kleine Überschneidungen bestehen was Kunden und Branchen anbelange. Während Alpha Solutions stark im Produktionsumfeld unterwegs sei und nur zu einem kleinere Teil im Grosshandel, fokussiere Acommit insbesondere das Retail-Business. Die Portfolios würden sich gut ergänzen, so Heim.
 
Heim sieht den Verkauf als Chance zu wachsen. Es sei ein Zeichen der Zeit, erklärt er, dass es kleinen Partnern von grossen Herstellern immer schwerer falle, die wachsende Komplexität von ERP- und CRM-Projekten zu stemmen. Wer technologisch vorne dabei sein will, muss sich Wachstumspotentiale erschliessen. Das kann über Zukäufe kleiner NAV-Partner geschehen oder eben, wie nun bei Alpha Solutions durch den Verkauf an einen grossen Partner wie Bechtle, der viele Synergiemöglichkeiten eröffne.
 
Ähnliche Überlegungen dürfte sich auch der neue Besitzer gemacht haben, denn Bechtle betont die Möglichkeiten, die man sich mit dem St. Galler Microsoft-Gold-Partner über ein nun noch breiteres IT-Lösungsspektrum erschliesse. Davon würden in Zukunft nicht zuletzt die eigenen Systemhäuser profitieren.
 
Auf die Frage, wie denn dieser Zukauf in die Strategie "One Bechtle" passe, die Schweiz-Chef Hanspeter Oeschger kürzlich angekündigt hat, fällt die Antwort nicht ganz klar aus. Denn der ERP- und CRM-Bereich mit Alpha Solutions und Acommit steht zum grossen Teil ausserhalb dieser Strategie und sei auch nicht Oeschger als Bereichsvorstand Managed Services unterstellt, erläutert Pressesprecherin Sabine Brand auf Anfrage. Verantwortlich sei mit Andreas Staudigel der Bereichsleiter für Anwendungslösungen. Ganz abgetrennt von der One-Bechtle-Strategie sei das Geschäft der Dynamics-Spezialisten gleichwohl nicht, schiebt Brand allerdings nach. Denn die Dynamics/NAV-Lösungen sollen künftig eben auch von der Kundschaft der Systemhäusern genutzt werden.
 
Wer mehr über die erstaunliche Geschichte der vor über 35 Jahren als Ein-Mann-Firma gestartet Bechtle erfahren will, sollte sich unser Video-Interview "Auf ein Bier mit… Thomas Olemotz" nicht entgehen lassen. (vri)