SwissICT: Präsident stellt Vertrauensfrage und kündigt Bundesrat an

SwissICT-Geschäftsführer Christian Hunziker an der GV.
In einer kurzweiligen GV präsentierte sich der grösste Schweizer Informatik-Verband SwissICT anders als in den Vorjahren. Zum ersten war es der erste GV-Auftritt des neuen Geschäftsführers Christian Hunziker.
 
Zum zweiten launchte der Verband eine neue Website mit neuer Technologie-Basis und neuem Partner. Drittens erhielten die Fachgruppen viel Raum, um sich und die eigenen Aktivitäten und Pläne zu präsentieren. Alles diente dazu, den Mitgliedern aufzuzeigen, dass man neben Bilanz, Budget und Decharge einen "überarbeiteten" Verband bieten könne. Und der langjährige Verbandspräsident Thomas Flatt stellte fast schon nebenbei die Vertrauensfrage.
 
Hunziker sagte, man müsse die Fachgruppen – von "Innovation" über "Lean, Agile, Scrum" bis zu "Smart Generations" und ICT50+ – entlang der Wertschöpfungskette von IT-Anbietern und Anwendern verstehen. In vielen Tätigkeiten könne man aktuell schon Aktivitäten und Networking-Möglichkeiten bieten. Von Open Innovation reicht das Themenspektrum des Fachverbands bis hin zu "Employability", im Digital Performance Marketing hat man ebenfalls schon erste Schritte versucht.
 
In einem Teilnehmer-Poll wollte der Verband dann schliessenswerte Lücken herausfinden: Die Mitglieder entschieden sich dafür, dass sich SwissICT künftig auch den Themen "IoT" und "Managementprozessen in der digitalen Welt" widmen solle.
 
Gleichzeitig hat der Verband, der seit 1.1.2017 von über 2800 Einzel- und Firmenmitgliedern auf aktuell offiziell "über 2500" geschrumpft ist, auch in die Mitgliederbindung investiert. Eine kostenlose Rechtsauskunft für Mitglieder und diverse kommerzielle Angebote sollen zu alter Grösse verhelfen.
 
Der statuarische Teil verlief äusserst harmonisch. 100 Prozent Zustimmung erhielten sämtliche Traktanden, auch wurden gleich fünf bisherige Vorstände per Akklamation in corpore wiedergewählt.
 
Die Zustimmung erfolgte, obwohl SwissICT mit der Gründung von gleich zwei Aktiengesellschaften für einen Verband ungewohnte Schritte macht. Beide Firmen sollen selbsttragend werden, aber speziell der Digital Economy Award, der Nachfolger des Swiss ICT Awards, ist weit davon entfernt.
 
Die Fusion Swico-Simsa bedeutet nämlich auch, dass SwissICT den Award ohne Verbandspartner finanzieren muss. Ein Risiko, dass Thomas Flatt dazu bewog, die anwesenden Mitglieder offiziell um Stellungnahme zu bitten: "Wer ist einverstanden, dass wir 100'000 bis 200'000 Franken in den Aufbau des 'Digital Economy Awards'-Startups stecken, auch wenn man diese Mitgliederbeiträge möglicherweise abschreiben muss?", fragte Flatt.
 
100 Prozent kommentarlose Zustimmung erhielt er als Bestätigung des Verbandskurses und dies ohne Enthaltungen. Zur bedingungslosen Unterstützung des Unterfangens trug wohl auch die beruhigende Wirkung der verfügbaren flüssigen Mittel von SwissICT bei.
 
Ausserdem konnte Flatt ankündigen, dass Bundesrat Guy Parmelin seine Teilnahme zugesagt habe. Dies wäre unseres Wissens das erste Mal, dass ein Bundesrat an einem ICT- und Digitalisierungs-Preis teilnimmt. Parmelins Vorgänger Johann Schneider-Ammann und Doris Leuthard hatten sich jeweils für unabkömmlich erklärt.
 
Einnahmeseitig rechnet der Verband mit einer schwarzen Null bei leicht rückläufigen Mitgliedereinnahmen. Aber SwissICT geht davon aus, man werde den Trend umkehren können.
 
Hunziker kündigte auf dem Weg dahin neben neuen Fachgruppen auch neue Produkte und Mitgliederbenefits an, ohne Details zu nennen. (mag)
 
Interessenbindung: Wir sind Medienpartner des Swiss ICT Symposium des Verbands und präsentieren einen Talk als Programmpunkt.