Ricoh übernimmt IT-Solutions-Provider Lake Solutions

Mitinhaber und CEO Walter Borgia erklärt, warum er verkauft, warum an Ricoh und was dies für Kunden und Mitarbeiter heisst.
 
Ricoh übernimmt die Walliseller Lake Solutions vollständig. Dies melden die Unternehmen.
 
Der Schweizer ICT-Solutions-Provider wird in Ricoh IT Services integriert und damit Teil des internationalen Netzwerks des japanischen Milliardenkonzerns. Die ehemaligen Eigentümer sowie die Geschäftsleitung von Lake Solutions bleiben in ihren bisherigen Funktionen im Unternehmen, halten die Firmen fest.
 
Aus Sicht von Ricoh sei dies "ein logischer Schritt in der strategischen Umsetzung von Ricoh zum One-Stop-Spezialisten in den Bereichen Managed Print Services (MPS), IT Services und Enterprise Content Management", so die Mitteilung. In der Tat will Ricoh im Schweizer Markt endlich abheben mit IT-Services, ergänzend zu Printing und Print-Services. Der Konzern will auch in der Schweiz als IT Service Provider positioniert sein. International scheint dies zu gelingen, laut Eigenangaben trage IT Services global 20 Prozent zum Konzernumsatz bei.
 
Die Übernahme von Lake Solutions dürfte Ricoh in der Schweiz stärken. Aber warum gibt Lake Solutions die Unabhängigkeit auf und verkaufen die beiden Inhaber, Alfio Lazzari und Walter Borgia, ihre Anteile? Borgia, CEO von Lake Solutions, erklärt: "Dank dem Zusammengehen mit Ricoh, einem etablierten und starken Unternehmen im Technologieumfeld, können wir unsere aktuelle Strategie weiter ausbauen und beschleunigt umsetzen."
 
Auf Anfrage von inside-channels.ch erklärt er, dass Grösse und Wachstum im Schweizer Markt entscheidend sei für das Überleben. "Wer nur reinen Handel betreibt, ohne Cloud und ohne Managed Services, wird es künftig sehr schwer haben", sagt Borgia. "Was man Kunden alles bieten muss ist zudem kostenintensiv. Nun haben wir mit Ricoh als starkem strategischen Partner das nötige Gewicht im Markt."
 
Neben der Businesstransformation gibt es aber einen zweiten Grund, 20 Jahre nach der Firmengründung zu verkaufen: Man kann den Verkauf auch als ersten Schritt einer Nachfolgeregelung betrachten, erklärt Mitinhaber Borgia. "Wir haben uns als Eigentümer auch gefragt, wie geht es weiter mit uns?"
 
Er freue sich sehr über die Übernahme durch Ricoh, betont Borgia, "das Konstrukt macht Spass!" Er nennt mehrere Gründe dafür. Zum einen könne man Kunden neue Services bieten und damit Mehrwert. Das gelte speziell auch für Schweizer Kunden, die international tätig seien.
 
Zweitens gebe es zwischen Ricoh und Lake Solutions keine wesentlichen Überschneidungen im Portfolio. "Es muss also nicht zuerst eine anspruchsvolle interne Bereinigung gestartet werden", so Borgia. An einen Mitbewerber wollten die Eigentümer nicht verkaufen, sagt der CEO.
 
Drittens bleibe Lake Solutions eine eigenständige Firma, die Strategie verändere sich nicht und das nötige Wachstum sei möglich. "Wir haben ein sehr gutes Konstrukt aufgebaut".
 
Aber was hat die vergleichsweise kleine Lake Solutions mit 70 Mitarbeitenden vom Konzern Ricoh und dessen Absichten überzeugt? Das Vorbild liegt in Italien, wo Ricoh mit NPO Sistemi einen vergleichbaren IT Service Provider übernommen hat und bewiesen hat, dass die viel beschworenen Synergien erzielt werden können und eine Übernahme für alle Involvierten Sinn macht.
 
"Die Firmenkultur ist nicht in Gefahr"
Was sagen die rund 30 Lake-Solutions-Partner dazu? Einer, HPE Schweiz, ist sehr zuversichtlich. Carlo Giorgi, Country Manager von HPE in der Schweiz in einer internen Information: "Ich kenne die Ricoh-Aktivitäten aus meiner Tätigkeit bei HPE Italien, wo Ricoh mit NPO Sistemi einen etablierten IT Service Partner übernommen und sehr erfolgreich weiterentwickelt hat. Mit der Übernahme der Lake Solutions hat Ricoh nun die Ausgangslage für einen erfolgreichen Weiterausbau dieser Aktivitäten in der Schweiz geschaffen." Da Lake Platinpartner als "Solution Provider" von HPE ist, sollte Giorgis Statement bei anderen Partnern wie Kunden und Mitarbeitenden Gewicht haben.
 
Auch die Mitarbeitenden, gestern von der Übernahme informiert, seien positiv gestimmt, sagt Borgia: "90 Prozent der Mitarbeiter haben sofort verstanden, dass wir etwas sehr Gutes aufgebaut haben, als wir ihnen Beispiele gezeigt haben. Die sehr schnellen, positiven Reaktionen haben mich sehr gefreut."
 
Für die Mitarbeitenden ändert sich einiges nicht: Die Organisation, die Struktur und der Name bleibt, die alte Führungscrew ist weiterhin im Verwaltungsrat vertreten und die Geschäftsführung bleibt.
 
Aber sie müssen – oder können – in etwa einem Jahr zügeln. Doch dies innerhalb von Wallisellen und ins dortige Ricoh Gebäude. Neben den erhofften Synergien der räumlichen Nähe verbessern sich auch die Platzverhältnisse von Lake Solutions, die in den letzten zwei Jahren rund 18 neue Stellen geschaffen hat. Am Standort Muttenz bleibe alles beim alten, so Borgia.
 
Er hat keine Befürchtungen, dass es einen Kultur-Clash geben könnte zwischen der Lake-Solutions-Firmenkultur und der ganz anderen Konzernkultur. "Es ist dieselbe GL, wir sind im Verwaltungsrat vertreten und bleiben eine eigenständige Firma. Die bisherige Firmenkultur ist nicht in Gefahr."
 
Natürlich nimmt der neue Besitzer im Verwaltungsrat Einsatz: Neu stossen David Mills, CEO Ricoh Europe, Nicola Downing, COO Ricoh Europe, sowie Alberto Mariani, Senior Vice President Ricoh Europe, hinzu. Verwaltungsratspräsident der neuen Lake Solutions wird Daniel Tschudi, Managing Director Ricoh Schweiz.
 
"Es ist eine Win-Win-Situation für alle", beteuert Biorgia am Telefon. "Es gibt Sicherheit für die Mitarbeiter und Mehrwert für die Kunden." (Marcel Gamma)