Schweizer Gross­kon­zerne in der IT auf Ein­kaufs­tour

Ein Kommentar unseres Kolumnisten Urs Prantl zur Übernahme von United Security Providers durch Swisscom.
 
Nach Bexio Mitte des letzten Jahres ist die United Security Providers (USP) bereits die zweite von mir in der Reihe "5A" portraitierten Firma, welche von einem Schweizer Grosskonzern gekauft wird. Ist das Zufall oder ist es etwa so, wie Michael Liebi (CEO und Gründer von USP) auf LinkedIn schreibt: "Lieber Urs, wer weiss, vielleicht dienst Du ja den etablierten Grossfirmen sogar - unfreiwillig natürlich - als 'Perlen-Scout' ;-)". Wenn da was dran wäre, müsste ich sofort mein Geschäftsmodell ändern und Provisionen verlangen. Bloss von wem? Von einem der noch nicht gekauften neun anderen Portraitierten?
 
Also, Swisscom kauft USP. Was soll ich davon halten, habe ich mich gefragt. Einerseits schön (und lukrativ) für die bisherigen Inhaber. Andererseits, wollen die USP-Mitarbeiter (und Partner – siehe die vorsichtigen Einschätzungen zertifizierter USP-Partner) wirklich für ein Unternehmen wie Swisscom arbeiten?
 
Nicht etwa, weil Swisscom "schlecht" wäre, sondern vielmehr, weil sie aus einer KMU-Kultur von Null auf Einhundert in einen Konzern mit entsprechenden Strukturen und einer auf den Kapitalmarkt ausgerichteten Quartalskultur katapultiert wurden. Auch wenn – so sagt die Pressemitteilung – USP eigenständig mit der bestehenden Führung weitergeführt wird, so ist es erfahrungsgemäss bloss eine Frage der Zeit, bis der Konzern durchdringt oder gar eine Integration ins Auge gefasst wird.
 
Ich arbeite momentan gerade an einem Deal, wo auf der anderen Seite ein grösserer Konzern als Partei auftritt. Wirklich alles sehr kompliziert, langwierig und zäh. Termine – und andere Vorgaben – sind heute definitiv gesetzt, morgen sind sie schon wieder Schnee von gestern. Jeder versucht, ja nicht in die Schusslinie zu geraten, will für nichts verantwortlich sein (die bekannte "Save my Ass-Kultur") und drückt sich völlig unverbindlich aus. Was heute unverhandelbar ist, findet morgen gar keine Erwähnung mehr. Das ist definitiv das Gegenteil eines inhabergeführten KMU.
 
In meinem 5A-Profil im August 2017 sagte Michael Liebi: "Wenn der IT-Markt dann reif geworden ist, wird es nur noch für wenige 'Alleskönner' Platz haben, davon bin ich überzeugt". Nun, das Image einer "Alleskönnerin" hat Swisscom auf alle Fälle. Hatte er da möglicherweise schon eine Vorahnung?
 
Meine damalige Einschätzung der USP-Strategie "auf dem Weg zum global agierenden Hidden Champion" ist aber meiner Meinung nach durch diesen Deal vom Tisch. Durch die neue Eigentümerin Swisscom wird USP auf nicht absehbare Zeit "Ur-Schweizerisch" bleiben.
 
Urs Prantl (56) arbeitete über 20 Jahre als Softwareunternehmer. Mit seiner Mission "wir kreieren zukunftssichere Unternehmen" begleitet er als Strategiementor seit Ende 2011 inhabergeführte KMU aus der ICT auf ihrem Weg in eine selbstbestimmte und erfolgreiche unternehmerische Zukunft. Er äussert als Kolumnist für inside-channels.ch seine persönliche Meinung.