Der Sourcing-Markt für Banken zieht an – besonders für die IT

Anteil der Kosten pro Bereich am Outsourcing-Aufwand. Grafik: IFZ
Sparen verliere als Argument für Outsourcing an Bedeutung, dafür werde strategische Flexibilität wichtiger, so eine neue Studie der Luzerner Hochschule.
 
Die Hochschule Luzern (HSLU) hat eine Studie zum Sourcing-Markt für Banken in der Schweiz veröffentlicht. Allein für Retailbanken wird dessen Volumen mittlerweile auf 2,2 Milliarden Franken geschätzt. Werden noch die übrigen Institute exklusive Grossbanken und ausländisch beherrschte Banken dazugerechnet, kommt die HSLU auf drei bis 3,5 Milliarden Franken.
 
"Schweizer Banken lagern immer mehr Dienstleistungen aus", heisst es bei der Hochschule. Neun von zehn Institute haben laut Studie Services und Dienstleistungen outgesourct. Nur gerade acht Prozent der befragten Banken lagern gar nichts aus.
 
Am meisten ausgelagert wird in Sachen IT und Versand, wie die Studie ergab. Jeweils 78 Prozent der befragten Institute nannten diese Bereiche. Von den 2,2 Milliarden Franken Ausgaben entfallen dann auch rund 1,75 Milliarden auf Dienstleistungen im IT-Bereich – das sind 80 Prozent des Marktvolumens bei Retailbanken. Aber auch im Zahlungsverkehr und der Verarbeitung von Wertschriften wird häufig auf Outsourcing gesetzt. Die Ausgaben für BPO beläuft sich demnach auf 16 Prozent des Marktes.
 
Hälfte der Banken will noch mehr IT auslagern
Die Studienmacher prognostizieren weiteres Wachstum. Denn für die nächsten fünf Jahre erwartet fast die Hälfte der Befragten eine Zunahme ihrer Outsourcing-Kosten von bis zu zehn Prozent. 16 Prozent glauben sogar, dass diese noch stärker steigen werden.
 
Insbesondere die Anbieter von IT-Outsourcing dürften in den Genuss des zusätzlichen Geldes kommen. Knapp die Hälfte aller Banken, so die Stichprobe, wollen bis 2024 weitere Funktionen und Bereich der IT auslagern. Fünf Prozent wollen allerdings auch Teile der IT wieder selbst übernehmen. Zudem werden Wertschriften- und Kreditkarten-Verarbeiter laut Studie häufiger gefragt sein.
 
Und es gibt gute News für die bestehenden Outsourcing-Anbieter: Fast alle Banken wollen offenbar auf die bisherigen Partner setzen. Damit stellen die Finanz-Institute ihren Partnern ein gutes Zeugnis aus. Am häufigsten wünschen sie sich derweil kürzere Reaktionszeiten, bessere Kundenorientierung und eine höhere Service-Qualität von ihren Sourcing-Partnern.
 
Flexibilität statt Sparen wird Trumpf
In Sachen Agilität und Innovation vergaben aber
Wie schätzen sie die Entwicklung ihrere Sourcing-Kosten in den nächsten zwei Jahren ein? Grafik: IFZ
viele Bank-Manager schlechte Noten an die Sourcing-Anbieter. Hier sehen die Studienmacher nicht nur Potential, sondern auch Marktdruck: Aufgrund der Konkurrenz werde sich mehr Agilität durchsetzen, so ihre Prognose.
 
Nach welchen Kriterien wählen die Banken ihren Sourcing-Partner? Auf dem Siegerpodest findet sich die Qualität der angebotenen Leistungen. Dahinter folgt bereits der Preis und auf Rang drei das Know-How der Sourcing-Anbieter.
 
Ob aber das Outsourcing den Banken Geld spare und sie effizienter mache, kann man laut Studie nicht sagen. "Die Kosteneffizienz einer Bank wird offensichtlich von anderen Faktoren geprägt", schreiben zwei der Studien-Autoren in einem Blogbeitrag.
 
Eine Umfrage von Itopia hatte im letzten Mai ergeben, dass kleinere und mittlere Institute Probleme haben im Rahmen von Outsourcing Skaleneffekte zu erzielen. Unter dem Strich werde es oft teurer, hiess es von Seiten des IT-Beratungshauses damals.
 
Das Kostenargument verliere an Bedeutung, konstatieren nun die Forscher der HSLU. Flexibilität durch Outsourcing würde als strategischer Vorteil aber wichtiger werden. Wobei schon heute über 80 Prozent der Banken diesen Aspekt beim Outsourcing-Entscheid für eher relevant oder gar sehr relevant halten.
 
Die Studienautoren haben dann auch einen Ratschlag für die Banken in petto: Angesichts sinkender Margen, neuer, teils internationaler und branchenfremder Mitbewerber sowie einer Welle der Digitalisierung müssten Banken sich auf strategische Bereiche konzentrieren und gewisse Teile auslagern. Sie seien gut beraten, "sich vermehrt auf die Entwicklung von neuen, zukunftsfähigen Geschäftsmodellen und deren Realisierung zu konzentrieren", so die Studie.
 
Umfrage unter 49 Banken ohne CS und UBS
Die Studie des zur HSLU gehörenden Institut für Finanzdienstleistungen Zug beruht auf einer Online-Umfrage unter 49 Schweizer Banken sowie Experten-Interviews mit Managern von Sourcing-Anbietern und Finanzinstituten. Die Grossbanken wurden in der Umfrage nicht berücksichtigt. Deren Situation lasse sich nur begrenzt mit den übrigen Instituten vergleichen, so die HSLU-Wissenschafter.
 
Die Sourcing-Studie kann gegen Angaben von Name, Mail und Firma von der Website der Hochschule Luzern bezogen werden. (Thomas Schwendener)