Epochenumbruch im Smartphone-Markt?

Huawei kämpft sich weiter vor, Apple hat Aderlass zu beklagen. Aus China droht weitere Konkurrenz.
 
Im letzten Geschäftsquartal brachen die iPhone-Umsätze um 17 Prozent auf 31,05 Milliarden Dollar ein, wie Apple mitteilt. Zugleich meldet Canalys einen Smartphone-Markt im "freien Fall". Um fast sieben Prozent sei er im ersten Quartal 2019 im Jahresvergleich eingebrochen, es ist das sechste Quartal in Folge mit sinkenden Zahlen.
 
Am härtesten traf es den iPhone-Konzern, der mit dem grössten Einbruch in der Geschichte seines Smartphones zu kämpfen hatte, wie Canalys mitteilt. Über 23 Prozent weniger iPhones seien im ersten Quartal 2019 abgesetzt worden.
 
Doch Apple sieht Licht am Ende des Tunnels. Vor allem für den wichtigen Markt in China zeigte sich Firmenchef Tim Cook kürzlich bei der Veröffentlichung der Quartalszahlen zuversichtlich. "Die iPhone-Verkäufe haben in den vergangenen Wochen des zweiten Quartals an Fahrt gewonnen, und das haben wir auch in China gesehen", sagte der Apple-Chef gegenüber der Nachrichtenagentur 'Reuters'. Rund ein Fünftel der Erlöse von Apple stammen aus dem wichtigen chinesischen Markt.
 
Anderer Ansicht sind offenbar die Analysten von Canalys: "Die Performance von Apple in China ist beunruhigend, da das schlechteste Quartal für iPhone-Lieferungen normalerweise das zweite oder dritte Quartal ist und nicht das erste, wenn neue Geräte noch frisch auf dem Markt sind", sagt Analyst Mo Jia. Apple habe aber gehandelt, um die Einzelhandelspreise für das iPhone zu senken, was den Druck auf seine Vertriebspartner verringert habe.
 
Huawei sahnt ab und sieht sich als künftigen Marktführer
Im gesamten ersten Quartal büsste Apple 30 Prozent an Smartphone-Verkäufen im Reich der Mitte ein, wie aus den Canalys-Zahlen hervorgeht. Cook hatte Anfang des Jahres für Anleger völlig unerwartet einräumen müssen, dass Apple die Stärke der Abwärtsbewegung unterschätzt habe. Der Markt schrumpfte in China insgesamt um acht Prozent, alle Anbieter büssten bei den Verkäufen ein. Mit zwei Ausnahmen: Huawei konnte den Absatz von Smartphones im Heimmarkt um 34 Prozent steigern und auch Oppo konnte zulegen.
 
Neben Huawei machen auch Xiaomi und Oppo vorwärts mit ihren Bestrebungen auf dem Weltmarkt. Ersterer büsste zwar 1,3 Prozent ein während Oppo um 6,4 Prozent mehr Smartphones absetzte, aber beide chinesischen Vendors drängeln sich laut Canalys in neue Märkte.
 
Smartphone-Primus Samsung hatte derweil deutliche Gewinneinbussen verkünden müssen: Der gesamte Gewinn
Globaler Absatz nach Vendor. Grafik: Canalys
sank in den ersten drei Monaten 2019 im Vergleich zum Vorjahresquartal um knapp 57 Prozent auf umgerechnet rund vier Milliarden Franken. Zu schaffen macht dem südkoreanischen Konzern besonders der Smartphone-Markt: Zu den eigenen Absatzproblemen kommt die niedrigere Nachfrage der Rivalen auf dem Smartphone-Markt, denen Samsung Chips und Displays zuliefert.
 
Der Marktanteil bei den Smartphones verringerte sich für den noch führenden Konzern von 23,6 auf 22,8 Prozent. Huawei kam indes auf 18,8 Prozent und festigte seine Position auf Platz zwei. Denn Apples Anteil am Markt sank nach Einheiten von 15,5 auf noch 12,8 Prozent.
 
Huawei scheint der Vendor der Stunde. Die prophetischen Worte des Mobile-Business-Chefs Richard Yu könnten sich als mehr denn ein Luftschloss erweisen: Man werde 2020 an Samsung und Apple vorbeiziehen hatte er im April zu Protokoll gegeben.
 
Mehr Konkurrenz, mehr Dynamik, mehr Märkte
"Aber es wird für Huawei nicht einfach sein", sagt Canalys-Analyst Shengtao Jin: "Samsung wehrt sich nun mit einer überarbeiteten A-Serie und wird seine neue kostengünstige M-Serie 2019 auf weiteren Märkten auf der ganzen Welt einführen." Und auch die chinesischen Rivalen von Xiaomi und Oppo schielen bekanntlich nach weiteren Märkten etwa in Europa, wo sie Huawei unter Druck setzen könnten. Oppos Reno ist mittlerweile etwa in der Schweiz erhältlich und wird hier von Alltron distribuiert.
 
"Der Smartphone-Markt mag schrumpfen, aber das führt nur dazu, dass auf dem Markt mehr Aktivität zu verzeichnen ist. Es herrscht heute mehr Wettbewerb als je zuvor", resümiert Jin.
 
Bei Apple schaut man sich unterdessen nach Alternativen um: Um vom iPhone unabhängiger zu werden, wollen die Amerikaner weitere Sparten aufbauen wie etwa einen Streamingdienst für Filme und Serien, neue Spiele- und Nachrichtenangebote sowie eine Kreditkarte. Analysten sind allerdings skeptisch, ob dem Smartphone-Pionier damit der grosse Wurf gelingt. (ts, Material von sda)