Kampf um die Hyperscaler: Green baut viertes RZ in Lupfig

So soll der Campus in Lupfig 2020 aussehen. Das neue RZ ist das hohe Gebäude im Vordergrund, rechts (abgeschnitten) befindet sich das Bürohaus. Bild: Green
Das neue Datacenter soll schon 2020 in Betrieb gehen. In Lupfig werde ein neuer "Datenhub für Hyperscaler und Unternehmen" entstehen, so Green.
 
Rund ein halbes Jahr nach dem Spatenstich für das dritte RZ, baut Green in Lupfig bereits weiter aus – und zwar richtig. Man habe Land für das vierte Datacenter am Standort gekauft und mit der Planung begonnen, meldet Green. Auf einer Nutzfläche von 5500 Quadratmetern soll 2020 ein RZ mit einer Leistung (IT-Load) von 16 Megawatt in Betrieb genommen werden.
 
"Für uns ist dieses Projekt eine beträchtliche Investition und ein Bekenntnis zum Standort Lupfig. Und dank weiterem verfügbarem Bauland werden wir die Expansionspläne unserer Kunden auch in Zukunft unterstützen können", lässt sich Franz Grüter, VR-Präsident von Green, in einer Mitteilung zitieren. Die genauen Kosten könne man aber noch nicht nennen, da die Planungsphase laufe, erklärt Grüter auf Anfrage von inside-channels.ch.
 
Für den Bau des dritten RZs investiert Green 70 Millionen Franken, wie es im September beim Spatenstich hiess: 3600 Quadratmeter nutzbarer "high-density" RZ-Fläche mit Stromzufuhr von 40 Megawatt sollen mit dem Geld gebaut werden. Die Investitionen in das neue RZ dürften wieder im hohen zweistelligen Millionenbereich liegen, dies legt zumindest ein Vergleich der Eckdaten nahe.
 
Auf die Frage, warum man bereits wieder ein neues RZ baue und ob dies mit dem Zugewinn eines der Hyperscaler zu tun habe, sagt Grüter: "Zu konkreten Kunden äussern wir uns nicht". Man habe aber einen hohen Füllstand erreicht und wolle kein "Out-of-Stock" riskieren. Deshalb müsse man vorausschauen, gerade da man für den Cloud-Markt Wachstumsraten von 20 bis 30 Prozent erwarte. "Die Schweiz kriegt davon einen wichtigen Teil ab", so Grüter.
 
Viele Ankündigungen und viele Investitionen
Dürfte es nicht trotzdem eng werden im RZ-Markt? Erst vor etwas über einem Monat meldete etwa der holländische RZ-Betreiber Interxion, dass man in Glattbrugg für 130 Millionen Franken ein zweites Rechenzentrum aus dem Boden stampft: 6'600 Quadratmeter nutzbare Fläche sollen entstehen, die mit zwölf Megawatt Leistung versorgt werden. Damals sagte Interxions Managing Director Hansjörg Denzler, dass man damit besonders die Hyperscaler im Auge habe.
 
Und auch jetzt ist von Seiten Green wieder die Rede von den Hyperscalern. Für diese wolle man nämlich einen "Schweizer Datenhub" etablieren, meldet das Unternehmen. Der Campus Zürich-West mit den RZ und einem Bürogebäude soll direkt auf einem anliegenden Grundstück erweitert werden, damit die IT-Infrastrukturen auf kürzestem Weg miteinander vernetzt werden könnten. Deshalb nennt Grüter den Campus als USP von Green. Und man verspricht sich davon einiges: Denn diese Nähe bringe Vorteile für die hoch im Kurs stehenden hybriden IT-Architekturen.
 
Grüter glaubt, dass die Kapazitäten, die derzeit in der Schweiz entstehen, künftig auch gebraucht werden. In den letzten etwa acht Jahren ist gemäss Grüter mindestens eine Milliarde Franken, wenn nicht gar eineinhalb Milliarden in RZ investiert worden, so Grüter beim Baustart von RZ Nummer drei im September. Und es soll so weitergehen, zeigte er sich damals überzeugt. Neben dem allgemeinen Cloud-Trend geben ihm wohl auch die Ankündigungen aus den Häusern Google, Microsoft und AWS recht.
 
Google, das kürzlich seine Cloud-Region Schweiz eröffnet hat, hat sich wohl unter anderem bei Green eingemietet, bestätigen will dies aber weder Google noch Green. Microsoft ist offenbar bei E-Shelter und Safehost. Wo AWS seine hiesigen Ressourcen aufbauen will, ist derzeit Gegenstand von Spekulationen und wohl auch dem Anbieterwettlauf. Dem allgemeinen Trend folgend kann man vermutlich auch davon ausgehen, dass Oracle aber auch etwa Alibaba Ressourcen in der Schweiz aufbauen wollen. Der Run dürfte also weitergehen. (ts)