Sunrise: Blockiert Freenet die UPC-Übernahme?

Der Grossaktionär Freenet scheint Bedenken zu haben, aber VR-Präsident Kurer bleibt zuversichtlich. Auch für Huawei habe man zudem einen "Plan B".
 
Der Sunrise-Grossaktionär Freenet hat an der heutigen ordentlichen Generalversammlung des Mobilfunkanbieters die Muskeln spielen lassen. Das deutsche Unternehmen blockierte den üblichen Vorratsbeschluss für eine Kapitalerhöhung. Für diesen Tagesordnungspunkt stimmten lediglich die Inhaber von knapp 59,3 Prozent der Aktien. Die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit wurde damit nicht erreicht.
 
Hintergrund für den Schritt von Freenet ist die geplante milliardenschwere Kapitalerhöhung, mit der Sunrise die Übernahme des Kabelnetzbetreibers UPC Schweiz finanzieren will, sagte Freenet-Prokurist Alexander Borgwardt am Rande des Aktionärstreffens. Mit dem Vorratsbeschluss hätte Sunrise einen Teil der Finanzierung für die Transaktion vorwegnehmen können, begründete er die Haltung von Freenet. "Wir sind der Meinung, darüber sollte am Ende abgestimmt werden, wenn über die gesamte Transaktion gesprochen wird."
 
Über die Kapitalerhöhung sollen die Aktionäre auf einer ausserordentlichen Generalversammlung zu einem späteren Zeitpunkt abstimmen. Wie sich Freenet dort verhalten werde, stehe noch nicht fest, sagte Borgwardt.
 
Freenet besitzt rund 25 Prozent der Sunrise-Aktien. Der Verwaltungsratspräsident von Sunrise, Peter Kurer, wusste offensichtlich schon von den Bedenken des deutschen Telekommunikationsunternehmens. In einem Interview mit der 'NZZ' im Vorfeld der Generalversammlung sagte Kurer, dass er aber glaube, dass die Skepsis der Sunrise-Aktionäre gegen die Übernahme von UPC schwinden werde. Freenet wolle sich zwar nicht an der Kapitalerhöhung beteiligen. "Freenet hat jedoch nicht gesagt, dass man sich gegen eine Transaktion stemmen wird."
 
Freenet hätte laut Kurer lieber eine Fusion statt eine Übernahme gesehen. "Das war aber nicht machbar." Der Sunrise-Präsident gibt sich zuversichtlich, dass Sunrise im Laufe der Zeit auch die Unterstützung von Freenet erhalten wird. Denn der Grossaktionär anerkenne die betriebswirtschaftliche Logik hinter der UPC-Übernahme.
 
Und was ist mit Huawei?
Kurer äusserte sich auch zur Situation mit Huawei als designiertem Lieferanten für Ausrüstung für das 5G-Netz von Sunrise.
 
"Bis jetzt hat es auf Sunrise keinen politischen Druck gegeben", erklärte Kurer. Der amerikanische Berater für Cybersicherheit habe lediglich dem Branchenverband Asut die Sichtweise seiner Regierung dargelegt. Die Diskussionen um Huawei haben nach Ansicht von Kurer in einigen Ländern damit zu tun, dass diese der Nato angehörten. Zugleich gehe es um die Rivalität zwischen den USA und China.
 
Sunrise und Huawei arbeiten seit 2012 zusammen. "Es ist während dieser sieben Jahre nie auch nur das Geringste passiert, was Anlass zu Bedenken gegeben hätte", betonte der Sunrise-Präsident.
 
"Wir sind nicht von Huawei abhängig", betonte Kurer trotzdem. Sunrise habe nicht nur einen Plan B, sondern auch einen Plan C und D. "Wir wissen genau, wie eine mögliche Eskalation der Amerikaner aussähe. Wir haben die Zusicherung, dass auch Huawei für einen solchen Fall einen Plan B hat." Wie diese Pläne aussehen könnten, sagte er aber nicht. (hjm/sda)