HP Schweiz: 60 und auch in Zukunft relevant?

Adrian Müller im Gespräch auf der Inside-channels.ch-Redaktion. Foto: Marcel Gamma
HP-Schweiz-Chef Adrian Müller über Agilität, seinen Job und die Rolle des Herstellers in sich wandelnden Zeiten.
 
HP Schweiz wird 60. Ist das überhaupt wichtig? Heute spricht man beim Feierabend-Bier über Blockchain und KI während die Produkte von HP, Notebooks und Printer kaum mehr für Gesprächsstoff sorgen. Die Redaktion von Inside-channels.ch hat HP-Schweiz-Chef Adrian Müller zu einem Gespräch eingeladen und ihn gefragt: Was macht er, damit HP für Kunden und Partner relevant bleibt?
 
Der quirlige Schnelldenker und -sprecher ist seit 2003 bei HP, hatte internationale Funktionen und hat 2015 die Aufspaltung von HP als Country General Manager der PC- und Printer-Division gemanaged. Die Erfahrung war positiv, sagt Müller: "Das Ziel des Splits war Vereinfachung. Das haben wir erreicht. Die Komplexität eines Konzerns, der vom 70-Franken-Drucker bis zum Milliarden-Outsourcing-Deal alles verkauft hat, war vor dem Split zu gross. Nach der Aufspaltung sind wir agiler geworden. Die Entwicklung der Marktanteile geben uns recht. Ausserdem: Nach dem Split habe ich auf einen Schlag einen Drittel weniger Mails in der Mailbox gehabt. Das ist doch schon mal eine Erfolgsstory."
 
Doch ist HP Schweiz, als verhältnismässig kleiner Anbieter von Notebooks und Druckern für Kunden und Partner überhaupt noch wichtig? Schliesslich sprechen CIOs heute doch viel lieber über Innovation und Disruption als über Drucker. Müller: "Kleiner – naja: jedes zweite Notebook und jeder zweite Drucker in Schweizer Unternehmen trägt das HP-Logo. Heute sind Innovation und Agilität gefragt. HP zeichnet sich durch Innovationskraft aus, aber auch durch die Fähigkeit, Tradition zu bewahren. Wir sind keine komplett neue Firma geworden, sondern haben ein grosses Erbe."
 
Müller bestreitet, dass Notebooks bei IT-Fachleuten und CIOs kein Thema mehr seien. "Das Gegenteil ist der Fall. Ein Bank-CIO denkt heute wieder mehr an Notebooks, denn die Anforderungen an Datenschutz und Sicherheit sind gestiegen. Die Durchschnittspreise von Notebooks sind heute höher, denn es ist mehr drin."
 
Ausserdem, so Müller, sind Hardware-Entscheide für Unternehmen wichtig. "Die User-Akzeptanz ist ein wichtiger Faktor im Kampf um Mitarbeiter. Sie hängt vom Gerät ab. Hardware muss optisch attraktiv und sicher sein. Wir sehen keine Anzeichen, dass Unternehmen keinen Bedarf nach Hardware mehr haben."
 
Auch Printing-Infrastruktur hat in den Augen von Müller nicht an Relevanz eingebüsst. "Ein Drucker ist ein frei zugänglicher Server. Die Sicherheit der Geräte ist für die Kunden wichtig". Zudem habe das Druckvolumen nicht abgenommen und Mobile Printing eröffne neue Möglichkeiten.
 
Was tun in Zeiten von as-a-Service und Cloud?
Nicht erst seit gestern gibt es den Trend zu "as-a-Service". Hersteller klettern die Wertschöpfungskette hoch, indem sie Geräte als Service und Managed Print Services anbieten. Und die Verarbeitung und das Speichern von Daten wandert in Clouds. Was sollen HP-Partner tun? Wo steht der HP-Channel in drei Jahren?
 
Mülles Antwort ist typisch: "Das muss nicht ich unseren Resellern sagen. Es ist die Aufgabe der Partner, ihre Schwächen und Stärken zu identifizieren." HP und die von HP angebotenen Produkte und Services sind in den Augen von Müller ein Teil der Wertschöpfungskette der Partner. Müller: "Der Partner macht die Systemintegration beim Kunden, integriert Drittlösungen, baut RZs und betreibt Office 365. Sobald es um Arbeitsplätze geht, sollte der Partner mit uns sprechen."
 
Langeweile? Wünsche?
Müller kennt man als Gesicht von HP seit Jahren. Wenn HP-Notebook-Batterien wegen Brandgefahr zurückgerufen werden, hört man seine Stimme im Radio. Langweilig sei ihm keineswegs, sagt er. Sein nächstes grosses Projekt ist der Auszug aus dem langjährigen Sitz am Zürcher Stadtrand in Dübendorf. "Auch das bringt wieder Möglichkeiten und Chancen," so Müller. Überhaupt will er von Langeweile nichts wissen und man glaubt ihm: "Solange wir jeden Tag motiviert aufstehen, ist es gut."
 
60 Jahre HP Schweiz
HP und HP Schweiz haben sich in den letzten 60 Jahren immer wieder völlig verändert. 1999 wurde der Bereich Messtechnik und elektronische Bauelemente abgespalten, 2002 übernahm HP den PC-Hersteller Compaq, der vier Jahre zuvor den IBM-Konkurrenten DEC geschluckt und sich dabei verschluckt hatte. Es folgte eine Serie von Restrukturierungen und diversen Skandalen, darunter die unsägliche Schnüffelaffäre und in der Schweiz die "OPG-Affäre". 2008 beschloss HP, den auch in der Schweiz sehr grossen IT-Dienstleister EDS zu übernehmen. Es folgten mehrere Entlassungswellen.
 
Doch die Skandale sind Geschichte. HP wurde 2015 in HPE (Storage, Server, Cloud, Netzwerk-Komponenten) und in HP Inc aufgeteilt. HPE spaltete später auch das Service-Geschäft, das einstige EDS-Business, ab und fusionierte es mit CSC zu einem neuen Grosskonzern: DXC.
 
Zukunft 3D-Druck
Schaut man auf die Marktanteile, gerade im HP-Land Schweiz, so hat die Aufspaltung dem PC-, Notebook- und Printerhersteller geholfen. Mit der Übernahme von Samsung ist es HP nun offenbar gelungen, einen signifikanten Marktanteil im Business mit A3-Druckern, einst die Schwachstelle im HP-Printing-Business, zu ergattern.
 
Während der Hersteller seine Position im Notebook- und Printer-Business verteidigt, investiert man gleichzeitig viel Geld in den industriellen 3D-Druck. Die Maschinen sind gross und kosten zwischen 300'000 und 500'000 Franken. Wieviele dieser Drucker, für die HP einen völlig neuen Channel aufbaut, in der Schweiz verkauft worden sind, sagt Müller nicht. Er sagt einzig, die Zahl der verkauften Maschinen sei "zweistellig". Das Marktpotential ist gigantisch: Die "Digitalisierung der Supply-Chain" wird nicht nur Teile der Industrie zurück in die Schweiz bringen, sondern weltweit Geschäftsmodelle, Produktion und Lieferketten verändern. (hc / Das Gespräch mit Adrian Müller führten Marcel Gamma und Christoph Hugenschmidt.)
 
(Interessenbindung: HP ist ein guter Werbekunde unseres Verlags und Sponsor des Inside Channels Forums 2019.)