Schweizer IT-Freelancer profitieren vom Spezialisten-Mangel

Stundensatz in Abhängigkeit vom Alter. (Quelle: Gulp Freelancer Studie, 2019)
Der Fachkräftemangel spielt freiberuflichen ITlern in die Hände. Laut einer Befragung sind sie gut ausgelastet und wollen ihren Stundensatz erhöhen.
 
Die Ü50-Freelancer im IT-Bereich müssen im Gegensatz zu ihren festangestellten Kollegen in den Betrieben nicht mit Lohneinbussen oder gar Arbeitslosigkeit rechnen. Dies geht aus einer Befragung des Personalvermittlers Gulp in der Schweiz hervor.
 
Die auftraggebenden Unternehmen wissen Erfahrung offenbar besonders zu schätzen: Die Altersklasse der 50- bis 59-Jährigen erzielt die höchsten Stundenansätze von allen. Sie melden einen Stundensatz von 159 Franken was gut vier Prozent über dem Mittelwert liegt. Freelancer kurz vor dem Rentenalter oder bereits darüber verdienen mit 150 Franken pro Stunde wieder etwas weniger und liegen unter dem Durchschnitt.
 
Gutes Netzwerk und Erfahrung zahlt sich aus
Ihre Sporen noch abverdienen müssen sich laut Gulp junge Freelancer: Die unter 30-Jährigen erzielen mit 124 Franken klar die tiefsten Stundensätze und haben damit pro verrechnete Stunde 18,36 Prozent weniger in der Lohntüte als der Schnitt. Dies zeigen die weiteren Ergebnisse von Gulp.
 
Die Umfrageergebnisse zeigen auch, dass ein gutes Netzwerk sich auszahlt. Freelancer erhalten 60 Prozent der Direktaufträge über ihr persönliches Netzwerk. Weitere knapp 20 Prozent kommen über Empfehlungen an Projekte und 13 Prozent holen sich Folgeaufträge aus ihrem letzten Projekt.
 
Security-Spezialisten verdienen am besten
Aufgeteilt nach Berufsgruppen zeigt sich, dass die Spitzenverdiener aus dem Bereich ICT-Sicherheitsmanagement kommen. Sie verrechnen einen Stundensatz von über 180 Franken. Auch die Business- und Prozessanalysten erzielen mit rund 175 Franken überdurchschnittlich hohe Honorare. Mit unter 117 Franken den tiefsten Stundenumsatz weisen demgegenüber die System-Engineers und -Architekten auf.
 
Auftragslage
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wird als gut eingeschätzt
Insgesamt spiele der Fachkräftemangel den Freelancern in die Hände, schreibt Gulp. Die von den Freelancern geforderten Stundensätze würden von mehr als der Hälfte der Auftraggeber ohne Nachverhandlungen akzeptiert. Auch gebe es eine Tendenz nach oben: 40 Prozent der Umfrageteilnehmer wollen ihren Tarif im nächsten Projekt erhöhen. "Trotz erster Anzeichen einer sich langsam abschwächenden Wirtschaft sitzen die Freelancer also nach wie vor in vielen Auftragsverhältnissen am längeren Hebel und diktieren die Honorare", so das Fazit von Gulp.
 
Ausserdem gaben über 70 Prozent der Befragten an, dass es genügend Projekte auf dem Markt gebe. Insbesondere IT-Architekten, Business- und Prozessanalysten sowie Software-Entwickler und -Programmierer würden sich über eine gute Auftragslage freuen.
 
Gleichzeitig aber liessen sich gut 40 Prozent der Freelancer vom Auftraggeber beim Stundensatz drücken; 6,6 Prozent müssten Abstriche von über 20 Prozent hinnehmen. Ob sie einfach zu hoch pokern oder aber ob die Unternehmen teilweise systematisch die Budgets für die Freien kürzen, bleibt indes in den folgenden Jahren zu untersuchen.
 
Gulp plant diese nun erstmals durchgeführte Befragung regelmässig zu wiederholen, um Trends und die Marktlage abzubilden und Auftragnehmern wie -gebern eine Grundlage für Honorarentscheide zu bieten.
 
An der Gulp-Befragung nahmen von September 2018 bis Dezember 2018 knapp 600 IT-Freelancer teil. Ein Grossteil der Befragten verfügt über einen Hochschulabschluss und mehr als 70 Prozent weisen eine Berufserfahrung von über 15 Jahren aus. Die vollständigen Umfrageergebnisse gibt es auf der Website von Gulp. (kjo)
 
(Interessenbindung: inside-it.ch unterstützt als Medienpartner die Gulp Freelancer Studie 2019.)