"KI-Projekte sind interdisziplinär"

Joachim Hagger
Mit dem Joint Venture AI First haben 4Quant und Netcetera ein KI-Netzwerk initiiert, das offen für weitere Partner ist und dereinst eigene KI-Produkte verkaufen soll.
 
Um die Verbreitung von KI-Anwendungen vorab in der Schweiz voranzutreiben, haben 4Quant und Netcetera im Februar das Joint Venture AI First (Artificial Intelligence First) lanciert. Joachim Hagger, Mitgründer und Geschäftsführer des AI- und Medtech-Startups 4Quant, erklärt im Gespräch mit inside-it.ch, wie die Partner vorgehen und welche Ziele sie verfolgen.
 
Derzeit sei AI First zwar noch kein eigenes Unternehmen, doch werde demnächst eine AG gegründet. Noch wird im Rahmen einer virtuellen Organisation gearbeitet. Sie umfasst ein Team von elf Menschen, die auf den Lohnlisten der beiden Jointventure-Partner stehen, so Hagger.
 
Erstes Ziel sei, KI-Angebote nicht nur von den beiden Gründerfirmen, sondern auch von weiteren Unternehmen im erweiterten Netzwerk zu Services zu bündeln. Auf Dauer sollen aber auch eigene Produkte auf den Markt gebracht werden, so Hagger. Im Zentrum der Arbeit der neuen Firma würde stehen, mit den in der KI-Nutzung schlummernden Potentialen alle möglichen Software-Anwendungen zu erweitern.
 
Aber nicht nur das begründe den Netzwerkgedanken, sagt Hagger. Wichtig sei das Projekt auch deshalb, weil KI-Projekte extrem interdisziplinär seien. AI First bringe also die Spezialitäten unterschiedlicher Unternehmen und Software-Hersteller zusammen. Es verwundert daher nicht, wenn Hagger sagt, dass man bereits mit weiteren potentiellen Partnern im Gespräch sei.
 
Gross und klein
Zur Firmengründung sei es nach über einem Jahr Diskussionen bei 4Quant gekommen. Mit Netcetera packe man nun die Realisierung an. Dass in dieser Konstellation gestartet worden sei, liege aber nicht nur an seiner Nähe zu Netcetera, sagt Hagger, der einst zu deren Gründern der unterdessen grossen Firma gehörte. Vielmehr ergänze man sich auch gut. 4Quant habe beispielsweise in der Bildanalyse einen Schwerpunkt und Netcetera unter anderem bei der Auswertung von strukturierten und unstrukturierten Daten. Dort unterhalte man ausserdem am Entwicklungsstandort in Mazedonien ein dediziertes KI-Team mit derzeit fünf Mitarbeitern.
 
Hinzugekommen sei, dass man sich gut kenne und einander vertraue. Im Rahmen von AI First müsse sein kleines vierköpfiges Stammteam also nicht befürchten von der 500-köpfigen Netcetera gefressen zu werden, so Hagger. Das sei nicht zuletzt deshalb von Bedeutung, weil unter anderem auch Knowhow und Kontakte ausgetauscht werden.
 
Wichtig sei zudem gewesen, dass beide Firmen bereits über eigene KI-Expertise verfügen und diese kombinieren mit klassischen Disziplinen wie Requirements Engineering, Softwareentwicklung, User Experience und IT-Betrieb. Auch kenne man den Markt, die Kunden und deren Daten, wissen also, wie und wo KI als Instrument am besten zum Geschäftserfolg beitragen kann.

Auf die Frage, ob er auf diesem Weg nicht vielmehr seine Rückkehr zu Netcetera vorbereite, macht Hagger unmissverständlich klar, dass dies sicher nicht beabsichtigt sei. Hilfreich wäre hingegen schon, auf die Engineering- und Marketingpower von Netcetera zurückgreifen zu können, sagt er. (vri)
 
(Interessenbindung: Netcetera ist seit 15 Jahren (!) geschätzter Technologie-Partner unseres Verlages.)