Bechtle Schweiz spannt die Muskeln

Hanspeter Oeschger, gut gelaunt, gestern am Bechtle IT Forum.
Mit "One Bechtle" will Hanspeter Oeschger das Potential des IT-Dienstleisters ausschöpfen. Bechtle Schweiz ist nun (endlich) auch im Vorstand des Konzerns vertreten.
 
Seit Januar ist Hanspeter Oeschger als "Bereichsvorstand Bechtle IT-Systemhaus und Managed Services Schweiz" an der Spitze von Bechtle Schweiz. Sein Titel mag für Schweizer Ohren etwas seltsam klingen, ist aber wichtig. Denn mit Oeschger ist nun zum ersten Mal ein ehemaliger Schweizer IT-Unternehmer und heutiger Bechtle-Manager im Top-Management des deutschen IT-Dienstleistungsriesen vertreten. Die Region Schweiz hat damit im deutschen Konzern das gleiche Gewicht, wie eine von drei Regionen Deutschlands.
 
Oeschger, der 2016 mit der für viele überraschenden Übernahme von Steffen Informatik zu Bechtle gestossen ist, formulierte sein Ziel gestern in einer kurzen Ansprache vor gegen 600 Gästen an der Hausmesse Bechtle IT-Forum: "One Bechtle". Was ändert sich bei Bechtle Schweiz unter Oeschger und was ist "One Bechtle"? Wir haben Oeschger am Rande des Forums gestern zu einem kurzen Gespräch getroffen.
 
"Wir haben unsere PS bis heute noch nicht auf den Boden gebracht," so Oeschger selbstkritisch. Gemeint ist, dass Bechtle Schweiz bisher das Potential der rund 800 Mitarbeitenden nicht ausschöpfen konnte. Das soll sich mit "One Bechtle" ändern. Aus den bisher sehr stark lokal geprägten Bechtle Systemhäusern soll ein einziges Systemhaus werden. Oeschger: "Wir haben als erstes ein zentrales Ressourcen-Management und eine zentrale HR-Abteilung aufgebaut. Wir wollen unsere Kompetenzen bündeln und zentral bereitstellen." Oeschger betont, dass auch der Software-Spezialist Bechtle Comsoft, Bechtle Romandie und der erst vor knapp einem Jahr übernommene Genfer Cloud-Spezialist Evolusys zu "One Bechtle" gehören wird. Oeschger: "Comsoft wird ein zentraler Bestandteil der neuen Organisation sein." Auch mit dem Business-Software-Spezialisten Acommit, den Bechtle vor einem Jahr gekauft hat, wird "One Bechtle" eng zusammenarbeiten. Oeschger: "Wir können mit Acommit den Kunden end-to-end-Lösungen anbieten."
 
Wird der Name Steffen verschwinden?
Es geht Oeschger nicht darum, die Bechtle Systemhäuser organisatorisch unter ein Dach zu zwingen: "Jedes Systemhaus hat weiterhin einen Niederlassungsleiter". Vielmehr soll Bechtle in der Schweiz ein gemeinsames Service- und Produktportfolio entwickeln und vor allem die Ressourcen, also die überall so verzweifelt gesuchten Fachkräfte, bündeln. Oeschger: "Kein anderer Anbieter hat in der Schweiz ein so breites Portfolio. Weder wenn es um on-premise- noch, wenn es um Cloud-Projekte geht. Die Zahl und die Kompetenz unserer Spezialisten ist in der Schweiz einmalig." Zudem könnte Bechtle Schweiz zusätzlich auf die Kompetenzen im Bechtle-Konzern zurückgreifen, sagt Oeschger.
 
Unter welchem Namen "One Bechtle" in Zukunft auftreten wird, ist noch nicht klar. "Was der richtige Namen sein wird, ist noch offen. Wichtig ist, dass wir die Kunden mitnehmen", sagte Oeschger. Man kann sich also gut vorstellen, dass er für das Ziel "One Bechtle" auch auf den Namen der Firma, die er einst zusammen mit seinem Bruder aufgebaut hat, verzichten wird und Bechtle Steffen einfach zu "Bechtle" wird. (Christoph Hugenschmidt)
 
Hinweis: Wie sieht Bechtle-Konzern-Chef Thomas Olemotz die Zukunft seines Konzerns? Und was sagt er zu den Irrungen und Wirrungen von Bechtle in der Schweiz? Wir haben Thomas Olemotz zu einem Bier nach Zürich eingeladen und ihn gefragt. Er ist gekommen und hat geantwortet. Sehen Sie hier unser Video "Auf ein Bier mit … Thomas Olemotz."