"Ich wollte keinen wei­teren Lizenz­verkäufer gründen"

Rolf Stadler, CEO und Gründer von Crayon Schweiz.
Crayon Schweiz will nicht nur Softwarelizenzen verkaufen, sondern mit Beratung und der Sicherstellung von Compliance Geld verdienen, erklärt CEO Rolf Stadler im Gespräch.
 
Sei es Adobe, IBM, Microsoft, Oracle, SAP oder ein anderer Hersteller: Es gab früher Verwirrung und Ärger mit Lizenzen, es gibt heute Verwirrung und Ärger mit Lizenzen und es wird beides weiterhin geben. Darauf gründet das Business von Crayon, einem norwegischen Lizenzberatungs-Multi mit über 1300 Mitarbeitenden.
 
Dies gilt auch für Crayon Schweiz, ein rasch wachsendes Unternehmen, das sich fernab der Schweizer IT-Hauptstädte im beschaulichen Urner Kantonshauptort Altdorf angesiedelt hat.
 
Beim Besuch in den geschichtsträchtigen, denkmalgeschützten Mauern des Suworow-Hauses, dem Crayon-Hauptsitz, grenzt sich der CEO auch sofort vom klassischen Lizenzbusiness ab. "Ich wollte keinen weiteren Lizenzverkäufer gründen", erklärt Rolf Stadler im Gespräch. Er ist Gründer und CEO der 2015 gegründeten Crayon Schweiz AG. Stadler weiss, wovon er spricht, er war zuvor fast neun Jahre beim SAM- und Lizenzberater Comsoft Direct. Im Unterschied zum früheren Arbeitgeber oder auch SoftwareOne wolle Crayon Schweiz mit "Optimierung" von Lizenzen und mit Consulting Services Geld verdienen.
 
Was ist der Unterschied konkret? "Wenn wir Lizenzen verkaufen, dann haben wir keine Marge, wir verrechnen nur eine Handling-Fee" so Stadler. "Das heisst, wir sind neutral und nicht am Lizenzvolumen grosser Verträge gemessen. Unser Kunde kann Lizenzen durch einen anderen Kanal beziehen." Die neutrale Philosophie manifestiere sich in den Crayon-Umsätzen: über 50 Prozent erzielt die Firma mit Domizil Altdorf mit dem Service-Business, laut Stadler ist das ein wesentlich höherer Anteil als bei klassischen Lizenzverkäufern.
 
Optimierung bedeutet, dass laut Stadler viele Firmen suboptimal aufgestellt sind. Sie zahlen für Lizenzen, die sie nicht benötigen. Oder sie verirren sich im Bundle-Dickicht. Oder sie zahlen mehrfach für dasselbe oder sie haben die falschen Lizenzen. Schlimmstenfalls gar keine.
 
Das Crayon-Versprechen: Firmen können mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Geld sparen, wenn sie ihre Lizenzen inventarisieren, die Nutzung hinterfragen, vergleichen und bessere Angebote nutzen. "2017 haben unsere Kunden elf Millionen Franken eingespart und 2018 16 Millionen", versichert der Urner.
 
Gleichzeitig werde durch die Beratung auch die Compliance sichergestellt und wenn die "Lizenzpolizei" sich für ein Audit ankündigt steht Crayon hilfreich dem Kunden zur Seite. Ein interessanter Nebenaspekt dabei ist laut Stadler, dass je nach Hersteller und Produkt, ob on-prem oder Cloud, die Kundenverhandlungsmacht unterschiedlich gross sei.
 
Weil Compliance und Kosten naturgemäss nur eine Momentaufnahme sind, will Crayon auch mit der Unterstützung beim Etablieren von SAM-Prozessen punkten. Deren Fehlen sei eine Hauptursache aller Lizenzprobleme, sagt er. Deren Einführung biete die Basis des Lizenzwesens über die Zeit hinweg.
 
Weil es offenbar soviel Optimierungsbedarf gibt bei KMU und Grossunternehmen, kann Stadler gegenüber potentiellen Kunden offensiv werben und verspricht: "Wir sparen doppelt so viel Geld, wie wir kosten. Falls sich herausstellt, dass dies nicht möglich war, zahlt der Kunde auch nur die Hälfte!"
 
Und das Geschäft läuft, rund drei Jahre nach Firmengründung zählt Crayon aktuell 23 Mitarbeitende und will weiter wachsen. Bereits hat Crayon einen weiteren Stock im Suworow-Haus gemietet.
 
Ein weiteres Standbein entsteht beim Cloud-Lizenzgeschäft. Um das Wachstum im Griff zu behalten und wegen der Eigenheiten des Schweizer Markts bietet Crayon Schweiz aber nicht alle Services der norwegischen Muttergesellschaft an. KI beispielsweise sei aktuell noch kein Thema erklärt Stadler, der seiner Firma die Leitlinie "Will it make our boat go faster?" verschrieben hat. Diese hängt in weisser Schrift auf rotem Grund in diversen Firmenräumen.
 
Da Crayon-Schweiz zu einem globalen Unternehmen gehört, kann Stadler zudem Eigenheiten des Schweizer Lizenzmarkts erkennen. Schweizer Firmen hätten viel mehr Enterprise-Agreements unterschrieben, als dies beispielsweise in Südeuropa der Fall sei. "Es zeigt sich die Schweizer Versicherungsmentalität und der Wille zum Investitionsschutz", erklärt er. "Beim Thema Cloud ist Nordeuropa viel offener als die Schweiz oder Südeuropa", hat er zudem festgestellt. Aber eben, die Cloud etabliere sich nun in der Schweiz, und damit entsteht ein Geschäftsfeld für Crayon.
 
Die Firma will von Altdorf aus weiter wachsen. Das ist nicht gerade eine IT-Hauptstadt der Schweiz. Warum nicht von Zürich, Bern, Basel oder Zug aus geschäften? "Ursprünglich wollte ich die Firma in der Nähe meines Wohnorts ansiedeln und im norwegischen Hauptsitz kennt man Andermatt", sagt Stadler. "So war vor der Gründung die Akzeptanz für den Standort Altdorf gut".
 
Seine Mitarbeitenden stammen zudem aus unterschiedlichen Regionen und seien viel bei Kunden oder arbeiten im Home Office. Crayon habe keine Nachteile, wenn es um das Finden von guten Leuten gehe. "Und Altdorf hat Unternehmenssteuern vergleichbar mit Zug", erklärt er und sei nicht wie vermutet eine Steuerhölle.
 
Überhaupt versucht Stadler das Image von Uri offensiv zu nutzen: Die Firmenpräsentation ziert den Talboden vom Kanton Uri sowie das Altdorfer Denkmal mit Wilhelm Tell und Walterli. (Marcel Gamma)