Schnelle Websites als Konkurrenz­vorteil

Carlo Pacifico, Vice President der DACH-Region bei New Relic
Die Ungeduld der User und die Komplexität von Websites steigt. Am AWS-Summit zeigte New Relic, wie man das ändert.
 
Moderne Webseiten sind zunehmend ein Konglomerat aus vielen Informationsblöcken, die von verschiedenen Systemen oder sogar von separaten Unternehmen eingespeist werden. Um das Antwortzeit-Verhalten – und damit die Qualitäts-Sicherung – solch komplexen User-Interfaces zu gewährleisten, muss die Performance der einzelnen Informations-Lieferanten genauestens überwacht und protokolliert werden.
 
Gemäss einer Untersuchung der Marktforscher von Vanson Bourne sagen 76 Prozent der CIO weltweit, dass die Komplexität der Web-Anwendungen heute so schnell wächst, dass man schon bald die anfallenden Probleme nicht mehr managen kann. Als Hinweis auf diese rasant zunehmende Komplexität verweist die Untersuchung darauf, dass heute eine einzige Web- oder Mobil-Transaktionen im Schnitt 35 verschiedene Anwendungen oder Komponenten durchläuft – vor fünf Jahren lag dieser Wert noch bei 22. "Die Unternehmen stehen unter einem enormem Druck: Sie müssen einerseits die Ansprüche einer ständig online verbundenen, digitalen Wirtschaft erfüllen und andererseits die Kunden mit echten Innovationen überzeugen", sagt Carlo Pacifico, Vice President der DACH-Region bei New Relic, einem Spezialanbieter für entsprechende Überwachungs- und Management-Software.
 
Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser
"Application Performance Management" (APM) lautet der Oberbegriff für diese Art der Webseitenkontrolle. Es ist noch eine relativ junge Disziplin im Bereich der IT-Operations, denn bislang galt die Response-Zeit einer Webseite als eine Art Zufallsprodukt.
 
Zu viele Einflüsse kommen bei einem Webseiten-Aufruf zusammen, um daraus klare Ursache-Wirkung-Relationen zu erstellen. Doch das ist vorbei. Moderne Logdaten- und Komponenten-Monitore können heute in Echtzeit jeden Flaschenhals beim Seitenaufbau identifizieren und geeignete Lösungshilfen anbieten. Beispielsweise basieren die Lösungen von New Relic auf einem Agenten der auf dem Client eingerichtet wird und der das Antwortzeit-Verhalten in Echtzeit misst. Hierzu werden alle verfügbaren Logfiles sowie eigene Messdaten herangezogen. Als Ergebnis stehen den Operationsmanagern dann genaue Informationen zur Verfügung, an denen sich ablesen lässt, wo, welche Flaschenhälse bestehen.
 
Vorreiter bei APM sind naturgemäss die E-Commerce-Händler, denn bei denen ist die Responsezeit der Webseite häufig geschäftsentscheidend. Doch auch andere Branchen haben die Bedeutung von APM erkannt. Das zeigt sich beispielswiese an der Breite der New-Relic-Kunden. In der Schweiz sind das unter anderen Migros, Comparis, Holiday Check und die SBB.
 
Umfassende Plattform als USP
Den Erfolg von New Relic führt Pacifico vor allem auf deren umfassenden Plattform-Ansatz zurück. "Tools und Monitor-Programme hat heute jeder im Einsatz, aber meistens fehlt eine abgestimmte durchgängige Software, die vom Backend über die Anwendung bis zum Frontend alles einheitlich im Blick hat", gibt er als New Relics Unique Selling Proposition an. Diese Plattform gibt es für alle grossen Cloud-Plattformen, wie Microsofts Azure, Googles GCP und Amazons AWS.
 
Für letztere gab es auf dem EMEA-Summit Ende Februar in Berlin zwei Neuankündigungen. Zum einen gehört jetzt auch TecRacer zum weltweiten Partner-Netz von New Relic. TecRacer gilt als führend auf den Gebieten Cloud-Migration, Devops-Initiativen und transformativen digitalen Customer-Experience-Massnahmen. "Diese Partnerschaft unterstreicht unseren Anspruch, Unternehmen dabei zu helfen, ihre digitalen Möglichkeiten optimal zu nutzen, indem sie die Komplexität reduzieren und minimieren. Vor allem die langjährige Erfahrung von TecRacer im Bereich Training für moderne Technologien und Verfahren wird die 'Digital Performance' im deutschsprachigen Raum nachhaltig positiv beeinflussen", schwärmte Pacifico über die neue Kooperation.
 
Die zweite Ankündigung betraf die Unterstützung von AWS Lambda. Hierzu kündigte das Unternehmen neue Funktionen für Serverless, Container-Orchestrierung, Microservices und On-Host Monitoring an. Ziel ist es, eine umfassende Übersicht aller Aspekte der Kundenerfahrung über Software und Infrastruktur hinweg zu liefern.
 
Monitoring wird Chefsache
Bislang beschäftigten sich mit diesen Themen vor allem die System- und Web-Admins – also der Devops-Bereich und alle, die mit Massenmigration in die Cloud beauftragt sind. Doch mit zunehmender Bedeutung der Webauftritte interessieren sich inzwischen auch die CIO und sogar die CEO dafür. "Performance-Probleme sind vielfach schon zur Chefsache eskaliert, es wird nicht mehr lange dauern bis das IT-Management hier gehörigen Druck von ganz oben bekommen wird", hiess es kürzlich in einem Analysten-Roundtable am Rande einer entsprechenden Konferenz in den USA. Diesen Trend sieht man auch ganz deutlich bei New Relic. "Jedes Unternehmen ist heute ein Software-Unternehmen – wenn auch mit unterschiedlicher Ausprägung. Entsprechend hoch ist die Bedeutung der gesamten Anwendungs-Palette", sagt Pacifico über seine Kundenerfahrungen.
 
Insgesamt gibt es rund zehn relevante Anbieter auf diesem Gebiet. Neben New Relic gehören zu den führenden Anbietern auch noch Dynatrace, Datadog, Qlik und die Cisco-Tochter AppDynamics. (Harald Weiss)
 
(Interessenbindung: Der Autor wurde von New Relic an den AWS Summit in Berlin eingeladen.)