Also schrumpfte letztes Jahr in der Schweiz

International wuchs der Disti erneut, büsste aber an Profit ein, wie die Bilanz zeigt. Wie viele Mitarbeiter mussten gehen? Und wie läuft das Service-Geschäft? CEO Gustavo Möller-Hergt antwortet.
 
Die Innerschweizer Also-Gruppe hat im Geschäftsjahr 2018 zwar mehr Umsatz erzielt, aber unter dem Strich weniger verdient. Dies ist das erste Mal seit über zehn Jahren, dass der Distributor einen Rückgang des Profits verkünden muss: Der Betriebsgewinn (EBITDA) schrumpfte um knapp drei Prozent auf 152,7 Millionen Euro und der Reingewinn um gut zwölf Prozent auf 81,2 Millionen.
 
Zu Buche schlugen vor allem die Ausgaben im Rahmen des Strukturprogramms, wie Also-CEO Gustavo Möller-Hergt heute an der Bilanzmedienkonferenz in Zürich erklärte. Im vergangenen Jahr flossen 8,8 Millionen Euro in dieses. Auch Währungseffekte haben die Profitabilität leicht belastet.
 
Das Programm zur Strukturoptimierung, wie Also es nennt, soll aber bereits ab dem zweiten Halbjahr 2019 Einsparungen von rund zwölf bis 15 Millionen Euro jährlich einbringen. Deshalb bleibt der Ausblick weiterhin optimistisch. Nicht umsonst betitelte der Emmener Konzern seinen aktuellen Geschäftsbericht mit "High Potential".
 
Umsatzmässig brummt der Laden weiterhin: Der Umsatz stieg im vergangenen Jahr um 3,2 Prozent auf 9,18 Milliarden Euro. Damit sei das Marktwachstum von 1,7 Prozent übertroffen worden, wie man von Seiten Also betont. Es ist der fast schon gewohnte Erfolgskurs: Seit 2014 wuchs Also um 1,94 Milliarden Euro, davon seien rund 1,5 Milliarden organisch zustande gekommen, erklärte Möller-Hergt vor der Presse. Dieses Jahr seien über 90 Prozent des Wachstums organisch gewesen.
 
Mit den ausgewiesenen Zahlen hat die Vertriebsgesellschaft die Prognosen der Bank Vontobel übertroffen. Der zuständige Analyst hatte einen Umsatz von 9,03 Milliarden Euro und einen Gewinn von 78,8 Millionen prognostiziert.
 
Weniger Umsatz in der Schweiz
Zugelegt hätten in erster Linie die Niederlassungen in Deutschland, Frankreich, Österreich und in den baltischen Staaten. In der Schweiz sieht es anders aus: Hierzulande ging der Umsatz von rund 918 auf 882 Millionen Euro zurück.
 
Dies nachdem Also für 2017 noch ein Wachstum von fast acht Prozent angegeben hatte, was die Tendenz in den Vorjahren bestätigte. Auch für das erste Halbjahr 2018 meldete man aus Emmen noch einen steigenden Umsatz.
 
Also berechnet die Umsätze in Durchschnittskursen: In Franken ging der Umsatz lediglich um zwei Millionen auf 1019 Millionen Franken zurück. Und man habe die Profitabilität hierzulande verbessern können, beschwichtigt Möller-Hergt auf Nachfrage, nennt aber keine konkreten Zahlen.
 
IT-as-a-Service wächst um über einen Drittel
Den Grossteil seines Umsatzes macht Also nach wie vor mit dem klassischen Supply-Geschäft. Damit erzielte der Disti international 3,4 Prozent mehr Umsatz als im Vorjahr. 7,2 Milliarden Euro und damit 78,5 Prozent des Gesamtumsatzes wurden in diesem Bereich erwirtschaftet.
 
Im Solutionsbereich fiel das Wachstum mit 1,3 Prozent gering aus und brachte 1,6 Milliarden Euro Umsatz ein. "Ein Vendor hat einen grossen Kunden direkt aufgenommen", erklärt Möller-Hergt. Welcher es ist, will der CEO auch auf Nachfrage nicht sagen, versichert aber, dass der Schritt des Herstellers keine "Tendenz" widerspiegle.
 
Besonders Augenmerk liegt bei Also – wie fast überall – schon länger auf dem As-a-Service-Geschäft. Das Wachstum fiel dann mit 8,7 Prozent in diesem Bereich auch stark aus, der Umsatz belief sich auf 353 Millionen Euro.
 
Zum Bereich zählen neben IT-as-a-Service auch Marketing- und Logistik-Services. Man sei aber mit IT-as-a-Service gewachsen und habe damit die wiederkehrenden Erträge erhöhen können. Dieses Geschäft sei mit einer Steigerung von 36 Prozent ein wichtiger Wachstumstreiber gewesen, wie man aus Emmen mitteilt. In diesem Markt verspricht sich Also Grosses.
 
Strukturanpassungen, Entlassungen und Akquisitionen
In die "Strukturoptimierungen", die laut Also 2018 prägten, fallen Investitionen in ERP, BI-Tools und CRM-Systeme sowie in Projekte zur Optimierung der Geschäftsprozesse. Die Anpassungen werden weitergehen, wie man am Medienanlass nochmals unterstrich.
 
Im vergangenen Jahr wurde die Belegschaft um 335 Personen reduziert, 227 davon in Zentraleuropa. Damit zählte Also Ende 2018 noch 3728 Mitarbeiter, 2148 davon arbeiten in der Region Central Europe.
 
Wie viele Stellen in der Schweiz betroffen waren, wollte der Konzernchef nicht kommunizieren. Auch eine Schätzung über künftige Stellenstreichungen gab er nicht ab. Dies sei stark von der technologischen Entwicklung abhängig und damit schwer vorherzusagen, erklärte Möller-Hergt.
 
Dem Abbau stehen 193 neue Mitarbeiter durch Akquisitionen gegenüber. Auch für das laufenden Jahr schaut sich der Disti nach geeigneten Übernahmekandidaten um. Der Fokus gilt allen Business-Bereichen. Man wolle sicher in Europa bleiben und hier das Potential entwickeln, wie Möller-Hergt sagt.
 
Vor allem auf Märkten in denen man "keine massgebliche Position" habe, sei man auf der Suche: Österreich, Frankreich, Schweden und Polen, nannte der Also-CEO. Aber auch europäische Länder, in denen man keine Operationen am Laufen habe, würden analysiert.
 
Das Ziel bleibt bis zu 14 Milliarden Euro Umsatz
Den Ausblick des Geschäfts korrigiert Also nicht, sondern bleibt bei den Zahlen, die man schon früher publik gemacht hatte: Für 2019 rechnet man in Emmen mit einem Umsatzanstieg, der erneut über dem von Gartner prognostizierten Marktwachstum von 0,9 Prozent liegen soll. Erreicht werden sollen diese Marktanteilsgewinne über die "stetige Erweiterung der Produktkategorien und des Portfolios sowie durch die Weiterentwicklung der Geschäftsmodelle".
 
Mittelfristig werde ein Umsatzniveau von 10 bis 14 Milliarden Euro und eine EBITDA-Marge von 2,1 bis 2,6 Prozent angepeilt, wurden frühere Angaben bestätigt. Bei der Profitabilität erwartet Also, den EBITDA um zehn bis 15 Millionen Euro zu steigern – durch die Erhöhung des Bruttogewinns und die Reduktion der Kosten.
 
Die Dividende soll von 2,75 auf drei Franken pro Aktie erhöht werden.
 
Ausserdem kündigte die Gesellschaft einen Abgang im Verwaltungsrat an. Karl Hofstetter stelle sich nach 23 Jahren im Gremium keiner Wiederwahl mehr. Sein Sitz soll laut den Angaben nicht mehr besetzt werden. (ts/sda)
 
Korrigendum: Die Umsatzzahlen in Franken wurden angepasst. Der Rückgang wurde in einer alten Version zu hoch berechnet.