SAP sucht "händeringend" nach Spezialisten

Die deutsche Softwareschmiede SAP reorganisiert sich, wie CEO Bill McDermott angekündigt hat. Im Zuge dessen werden weltweit 4400 Angestellte das Unternehmen verlassen, gleichzeitig werden aber auch neue Stellen geschaffen. Ab heute tage der Aufsichtsrat in Walldorf zu diesem Thema und das Restrukturierungsprogramm dürfte grosse Veränderungen mit sich bringen, schreibt das 'Handelsblatt'.
 
Es werde davon ausgegangen, dass vor allem ältere Angestellte das Unternehmen verlassen werden. Bei einer grossen Reorganisation vor einigen Jahren habe der Konzern älteren Mitarbeitenden üppige Abfindungsangebote gemacht. Und auch jetzt gebe es insbesondere in der Zentrale in Walldorf viele Mitarbeitende, mehrheitlich in den 1990er Jahren angeheuert, die für Abfindungsprogramme in Frage kommen können. Zahlreiche Kollegen ab der Altersklasse 55 hoffen, sich mit einer grosszügigen Regelung in den Ruhestand verabschieden zu können, schreibt das 'Handelsblatt' mit Berufung auf Arbeitnehmervertreter.
 
Auch beim Portfolio werde es Änderungen geben. Der Konzern werde Nischenprodukte und Speziallösungen nicht mehr weiterentwickeln, so das 'Handelsblatt' mit Berufung auf Insider. Auch ein Verkauf dieser Bereiche könnte zur Debatte stehen. Programmierung, Vertrieb und Beratung würde also in gewissen Bereichen wegfallen. SAP äussert sich auf Anfrage der deutschen Wirtschaftszeitung nicht dazu.
 
Bereiche wie Künstliche Intelligenz, Machine Learning und Analytics Cloud seien davon nicht betroffen. Hier wachse SAP stabil und im KI-Bereich etwa suche man "händeringend nach Personal", so der Personalchef in einer E-Mail, die dem Blatt vorliegt.
 
SAP sei aus zwei Gründen unter Druck, schreibt das 'Handelsblatt' weiter. Einerseits führen neue Technologien wie KI oder Blockchain zu Veränderungen bei der Business-Software und zahlreiche US-Unternehmen treten gegen SAP an. Andererseits fordern die Aktionäre eine verbesserte Profitabilität, nach hohen Investitionen in den vergangenen Jahren. Die Restrukturierung soll ab 2020 jährliche Einsparungen von bis zu 850 Millionen Euro bringen. (kjo)