Warum ausser­kantonal? IT-Vergabe-Posse in Glarus

"Warum wurden die Arbeiten an eine ausserkantonale Firma vergeben?" fragte die SVP-Fraktion des Glarner Landrats. Es geht um 64'000 Franken.
 
Der Glarner Regierungsrat hat den Auftrag zur Erneuerung des Content-Management-Systems der Glarner Webseiten ohne Ausschreibung an die Firma vergeben, die es 2010 bereits gebaut hatte. Das ist rechtlich kein Problem, den der Auftrag liegt mit einem Volumen von 64'000 Franken unter dem Grenzwert von 100'000 Franken. Ab diesem müssen Aufträge im Normalfall gemäss Submissionsrecht ausgeschrieben werden.
 
Dass der Auftrag an die ausserkantonale Webagentur Backslash in Frauenfeld gegangen ist, hat im Glarner Landrat offenbar für Unmut gesorgt. Flugs reichte die SVP-Fraktion des Landrats eine Interpellation ein: Sie fragte wie gross das Auftragsvolumen sei, wer den Auftrag vergeben habe und ob er ausgeschreiben worden sei. "Warum wurden die Arbeiten an eine ausserkantonale Firma vergeben?" wollten die Parlamentarier weiter wissen und: "Wie rechtfertigt der Regierungsrat diese Vergaben und das entsprechende Vorgehen gegenüber den einheimischen Betrieben?". Dies alles wurde von der Glarner Online-Lokalzeitung 'Glarus 24' getreulich berichtet.
 
Nun ist die Antwort des Regierungsrats da, wie erneut 'Glarus 24' in aller Ausführlichkeit berichtet. Der Regierungsrat stellt fest, dass die freihändige Vergabe erstens rechtens und zweitens auch wirtschaftlich sinnvoll gewesen sei. Logisch, denn Backslash hat bereits das bisherige CMS für die Glarner Websites gebaut. Und ist Spezialist für Gemeindewebsites mit – gemäss Glarner Regierungsrat – 220 Kunden.
 
Ausserdem hält der Regierungsrat fest, dass das kantonale Submissionsgesetz die Bevorzugung von einheimischen Anbietern schlicht verbietet.
 
Wäre man Glarner Politiker, wäre man versucht zu fragen, was die Beantwortung der Interpellation gekostet hat. Hoffentlich weniger als 64'000 Franken. (hc)